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StartseiteHintergrundMein Freund, der Baum16.10.2009

Mein Freund, der Baum

Geschichte aktuell: Vor 25 Jahren erschien der erste Waldschadensbericht der Bundesregierung

Der sterbende Wald war Anfang der 80er-Jahre das Umweltthema schlechthin. Nicht nur für Förster und Waldbesitzer, sondern für viele, die sich für den Wald vorher nie interessiert hatten. Für kurze Zeit avancierte der Wald zum Thema für Nachrichtensendungen und Top-Meldungen in der Presse.

Von Georg Ehring

"Wir haben in den Wahlkämpfen Waldführungen gemacht", erinnert sich Wilhelm Knabe von den Grünen. (Stock.XCHNG / John S)
"Wir haben in den Wahlkämpfen Waldführungen gemacht", erinnert sich Wilhelm Knabe von den Grünen. (Stock.XCHNG / John S)

"Man kann ganz grob sagen: Wenn man durch die Krone hindurchsehen kann und den Himmel sieht, dann ist da schon ein gewisser Nadelverlust vorhanden, der auf einen nicht guten Gesundheitszustand schließen lässt."

Den Himmel durch die Baumkronen sehen zu können - das ist für Christoph Abs auch heute kein schöner Anblick. Denn Bäume, die einen solchen Anblick bieten, werden schnell zum Verlustgeschäft. Abs besitzt mehrere Waldstücke im Rheinland, und er verfolgt als Geschäftsführer des Projekts "Wald in Not" die Waldschäden von Berufs wegen. Seit einem Vierteljahrhundert bewerten Forstbeamte den Kronenzustand in ausgewählten Waldstücken. Am 16. Oktober 1984 stellte der damalige Bundeslandwirtschaftsminister Ignaz Kiechle den ersten Waldschadensbericht vor, der in seiner Methode den heutigen Waldzustandsberichten entspricht. Waldbesitzer wie Christoph Abs mussten zu der Zeit erleben, wie sich die Schäden auf immer mehr Baumarten ausdehnten.

"Am Anfang war es eigentlich erst das sogenannte Tannensterben, die Tanne, eine Baumart, die ja mehr in Süddeutschland vorkommt, Schwarzwald, im Alpenraum, bayerischer Wald, die sehr stark unter Schwefeldioxid leidet. Die hatte sehr große Schäden, man sprach von einem Tannensterben. Anfang der 80er-Jahre stellten Wissenschaftler und Waldbesitzer und Förster fest, dass also auch die Fichte, die Nadelbäume sehr stark diese Schadsymptome, Nadelverlust aufwiesen, und alarmierten dann die Öffentlichkeit und die Presse."

Und die ließ sich alarmieren. Der sterbende Wald war Anfang der 80er-Jahre das Umweltthema schlechthin. Nicht nur für Förster und Waldbesitzer, sondern für viele, die sich für den Wald vorher nie interessiert hatten. Für kurze Zeit avancierte der Wald zum Thema für Nachrichtensendungen und Top-Meldungen in der Presse. Selbst Musikstars entdeckten ihre Liebe zur grünen Natur, die, so die weitverbreitete Befürchtung, kurz vor dem Ende steht. Im ZDF moderierte Hans Rosenthal "Wer hat dich, du schöner Wald ...", eine Unterhaltungssendung mit Musik, Spielrunden und Quizaufgaben rund um sterbende Bäume, Katalysatoren und Kraftwerke. Im Deutschlandfunk widmete Moderator Björn Held dem Patienten Wald eine zweistündige Reportagesendung:

"Guten Tag. Das Wochenendjournal heute mal ganz in Grün auf einem Streifzug durch den Wald, von dem Matthias Claudius heute vielleicht nach der Lektüre des Krankenberichts über die grünen Lungen Nordrhein-Westfalens schreiben würde: Der Wald ist tot und schweiget."

Schon in zehn oder 20 Jahren würden Wälder auf großer Fläche absterben, befürchteten Forstwissenschaftler wie der Münchner Professor Peter Schütt. Vorboten sahen besorgte Forstleute unter anderem im Schwarzwald: Zweige, an denen nur noch die äußeren Enden Nadeln trugen, weil ältere Nadeljahrgänge abgestorben waren, Löcher im Wald, gebildet durch abgestorbene Bäume. Vor allem ältere Bäume würden den Schadstoff-Stress nicht lange aushalten, wenn keine Abhilfe kommt. Andere Wissenschaftler waren zurückhaltender und zogen den Begriff "Waldschäden" dem "Waldsterben" vor. Beispielsweise Wilhelm Knabe, Forstwirt und später einer der Bundessprecher der Grünen.

"Jetzt gab es in Deutschland eine starke Diskussion, ob es sich jetzt um ein Waldsterben handelte, das war in den Jahren '81, '82 oder ob es nur Waldschäden seien. Sowohl die DDR lehnte diesen Begriff "Waldsterben" ab, das hätten sie nicht in ihrem Lande, obwohl das Erzgebirge fast kahl war. Und es wurde dem Professor Schütt etwa sehr übel genommen, dass er das Wort "Tannensterben" und das Tannensterben zu Waldsterben ausweitete und ihm wurden entsprechend Forschungsmittel gekürzt."

Die Perspektiven für den Wald schienen angesichts der wachsenden Umweltverschmutzung düster. Waldschäden hatte es schon immer gegeben, vor allem in Industriegebieten. Doch jetzt waren Wälder in Reinluftgebieten betroffen, beispielsweise im Schwarzwald oder im Sauerland. Die Stiftung "Wald in Not" versuchte, geschädigte Flächen mit Baumarten wieder aufzuforsten, die Schadstoffe besser vertragen. Christoph Abs:

"Wir sind damals kritisiert worden von einigen Verbänden, das wäre eine Verharmlosung der Waldschäden, jetzt schon Bäume zu pflanzen aber wir wollten auch den Menschen Hoffnung machen, dass mit entsprechenden Maßnahmen im Umweltbereich es gelingt, diese Schadstoffe zurückzufahren, das zeigt sich ja heute so."

Erst stirbt der Wald, dann stirbt der Mensch - das war auch eine Parole der Grünen-Partei, die wenige Jahre vorher gegründet worden war. Ihre Mitglieder gingen auch deshalb in die Politik, weil sie das Waldsterben nicht tatenlos mit ansehen wollten. Wilhelm Knabe von den Grünen.

"Wir haben in den Wahlkämpfen Waldführungen gemacht, wo wir gezeigt haben, einmal das Sehen lernen. Dass man einen gesunden Baum erkennen kann und sehen, woran kann ich denn erkennen, ob dieser Baum noch gesund ist oder welche Schäden hier auftreten und diese Anschauung hat dann Menschen motiviert, bei den Grünen mitzumachen."

Geschädigte Wälder gab es auch in anderen Ländern, doch nirgends war das Interesse der Öffentlichkeit so groß wie in der Bundesrepublik Deutschland. Das hat auch mit dem Zeitgeist zu tun: Ende der 70er-Jahre erstarkte die Umweltbewegung, die sich zunächst vor allem auf den Kampf gegen Atomkraftwerke konzentriert hatte. Die Folgen der wachsenden Luftverschmutzung wurden deutlicher - nicht nur für die Natur, sondern auch für Gebäude und die menschliche Gesundheit. An der Universität Freiburg erforscht Birgit Metzger die öffentliche Debatte über die Waldschäden in den 1980er-Jahren:

"Das sind ganz viele Faktoren, die zu einem Zeitpunkt zusammengekommen sind und nur durch diese vielen Faktoren, die zusammengewirkt haben, kann man das eigentlich erklären, dass es ganz plötzlich, also innerhalb von wenigen Jahren so eine unheimlich große Reaktion auf ein Thema gab, was drei, vier Jahre vorher niemanden interessiert hat in der politischen Öffentlichkeit. Also einmal kann man natürlich sagen, dass es überhaupt ein Umweltbewusstsein gab, ein neuartiges Umweltbewusstsein, dass man sensibel geworden ist für Umweltprobleme seit Anfang der 70er-Jahre, da gab es ja schon gewisse Entwicklungen, die das vorbereitet haben."

Die Schuldigen waren schnell ausgemacht: Schwefeldioxid aus Kraftwerksschloten, der als saurer Regen selbst über bisherigen Reinluftgebieten fernab jeder Industrie niederging, außerdem Ozon und Stickoxide aus Autoabgasen. Dass Schwefeldioxid schädlich ist für Bäume, wusste man aus Industriegebieten, in denen Nadelbaum-Bestände schon vorher abgestorben waren. Der Forstwirt Wilhelm Knabe war schon in den 60er-Jahren auf diesen Zusammenhang gestoßen.

"Es stellte sich heraus, dass es eine Grenze gibt, die diese Bäume nicht ertragen können und diese Grenze lag weit unterhalb der bisherigen Grenzwerte für Schwefeldioxid. Weit unterhalb - und das hieß mit anderen Worten: Wenn man den Wald schützen will, muss man die Grenzwerte herabsetzen."

Eine Forderung, die auf heftigen aber vergeblichen Widerstand der Kraftwerkslobby stieß. Hans Krämer, damals Vorstandsvorsitzender des Energieunternehmens STEAG in Essen.

"Das Ganze muss mit Maß und Ziel gemacht werden, das heißt: Auch andere Länder müssen geeignete Maßnahmen ergreifen, das heißt zunächst: Forschung, es hat keinen Sinn zu sagen, Forschung können wir nicht mehr abwarten, wir werden einfach handeln, ohne zu wissen, was wirklich die Ursachen sind."

Die Politik ließ sich von solchen Einwänden nicht lange aufhalten und reagierte ungewöhnlich schnell auf die neuartige Bedrohung. In mehreren Schritten begrenzte die Bundesregierung ab 1982 den Ausstoß von Luftschadstoffen aus Kraftwerken und anderen Feuerungsanlagen. Heinz Riesenhuber, damals Bundesforschungsminister.

"Dies bedeutet: Verordnung zur Reinhaltung der Luft, wie es in der Großfeuerungsanlagenverordnung und in der technischen Anleitung Luft geschieht. Dies bedeutet: Eine gemeinsame europäische Anstrengung, denn die Hälfte aller Schädigungen unserer Wälder unserer Erde kommt aus SO2, das über die Grenzen hereintransportiert wird."

Auch Autokäufer mussten sich umstellen: Neuwagen bekamen einen Katalysator, der den Ausstoß von Stickoxiden begrenzt. Nur mit der Forderung nach einem Tempolimit auf Autobahnen konnte sich die Umweltschutz-Bewegung nicht durchsetzen. Ignaz Kiechle, damals Bundeslandwirtschaftsminister:

"Man kann über ein Tempolimit aus sicherheitspolitischen Gründen reden, aber zu glauben, dass über ein Tempolimit die Waldschäden gewaltig herabgesetzt werden könnten und das wird im Augenblick ja suggeriert, diesen Glauben halte ich bei sachlicher Betrachtung nicht für gerechtfertigt."

Die neuen Vorschriften zur Luftreinhaltung hatten Erfolg: Ende der 80er-Jahre war der Ausstoß von Schwefeldioxid aus Kohlekraftwerken um über 70 Prozent niedriger als zu Beginn des Jahrzehnts. Auch der Ausstoß anderer Schadstoffe wurde gesenkt. Wilhelm Knabe:

"Der Kampf gegen das Schwefeldioxid war am erfolgreichsten, einmal, weil nur bestimmte Industrie betroffen war, insbesondere die Kraftwerke, die den Schwefel ausstießen, während es beim Ozon durch den Autoverkehr jeden Bürger betraf."

Welche Stoffe an den Schäden wie beteiligt waren, darüber gab es die unterschiedlichsten Theorien. Verdächtigt wurden nicht nur Schwefeldioxid und Ozon, sondern auch Schädlinge wie der Borkenkäfer oder Fehler im Waldbau wie die Anlage von großen Fichten-Monokulturen. Auch die Radioaktivität der Atomkraftwerke, die in diesen Jahren ans Netz gingen, galt zeitweise als eine mögliche Ursache für Waldschäden. Die Ursachenforschung lief parallel zur Gesetzgebung - und sie lief in viele verschiedene Richtungen. Birgit Metzger von der Universität Freiburg.

"Man hat versucht, alle wissenschaftlichen Hypothesen, die einigermaßen plausibel klangen oder die irgendwie Unterstützung fanden in der Wissenschaft, dass da ein Forschungsauftrag vergeben wird und dass da Fördergelder reingehen, dass das irgendwie erforscht wird, weil ja von Anfang an der Vorwurf da war, von den Gegnern des Umweltschutzes hauptsächlich, dass die Diskussion von Anfang an zu einseitig verlaufen ist."

Das Ergebnis der Ursachenforschung ist bis heute erstaunlich mager. Auch 25 Jahre danach lässt sich nicht eindeutig sagen, was den Wald Anfang der 80er-Jahre so krank aussehen ließ. Praktiker wie Christoph Abs vom Projekt "Wald in Not" sehen ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, von Luftschadstoffen bis zum Borkenkäfer:

"Ein gesunder Baum kann den durch den Harzfluss abwehren und ein geschwächter Baum ist dann natürlich, wenn er in einem trockenen Jahr unter Trockenstress steht, sehr anfällig für solche Schädlinge und dadurch werden natürlich die Waldschäden in Anführungsstrichen verstärkt, das, wie gesagt: Das ist ein Zusammenspiel der verschiedenen Faktoren: Die Belastung aus der Luft - die direkte Belastung ist zurückgegangen in den letzten 25 Jahren insbesondere bei Schwefel, aber im Boden haben wir immer noch Säure gespeichert, dadurch ist das Wurzelsystem geschädigt, dann kommt Trockenstress hinzu in einem trockenen Jahr, und dann kann natürlich ein biologischer Schädling wie der Borkenkäfer einwirken."

Was im Ursachenmix welche Rolle gespielt hat, wird sich vielleicht nie aufklären lassen. Für Roland Schäfer, ebenfalls von der Universität Freiburg reicht die Luftbelastung nicht zur Erklärung der Waldschäden:

"Sie war bestimmt ein Teil des Ganzen und ganz sicher haben damals starke Emissionen auf die Wälder eingewirkt. Aber es ist kaum plausibel, die Schäden, die damals gesehen wurden oder befürchtet wurden, nur auf diese Luftschadstoffe zurückzuführen."

Infrage kommen für Schäfer auch klimatische Einflüsse, zum Beispiel ungewöhnlich trockene Jahre, wie es sie 1976 und 1983 gegeben hat. Der jährliche Waldschadensbericht sei nicht sehr ergiebig für die Analyse. Er habe zwar immer wieder die Öffentlichkeit alarmiert, doch zur Aufklärung des Phänomens Waldsterben nur wenig beigetragen. Roland Schäfer:

"Dieser Schadensbericht, der erfasst einfach alle Bäume, egal aus welchen Gründen sie krank sein mögen oder nicht, und teilt sie in diese Stufen ein, in diese Schadstufen ein, die gar kein, die aus Praktikabilitätsgründen eingeteilt wurden und gar keinen Bezug zu irgendwelchen realen Schadensschwellen haben und vermutlich sah der Wald früher auch nicht viel anders aus, als er sich jetzt in den Waldschadensberichten darstellt."

Zudem sei nur schwer festzustellen, warum ein Baum erkrankt - viele Ursachen führen über Störungen bei der Wasseraufnahme zu Blattverlust oder vergilbenden Nadeln. Und für die Zeit vor 1984 fehlen schlicht Vergleichsdaten - man weiß also genau genommen nicht, wie gesund der Wald war, bevor die Schäden die Öffentlichkeit alarmierten. 1986 ebbte die Debatte über das Waldsterben ab. Die Umweltbewegung hatte mit der Atomkraft-Katastrophe von Tschernobyl ein neues Thema. Die Waldschadensberichte wurden 1989 in Zustandsberichte umbenannt und sie zeigten über die Jahre nur geringe Änderungen beim Anteil der einzelnen Schadstufen am Gesamtbestand. Das großflächige Absterben von Wäldern ist also genauso ausgeblieben wie eine durchgreifende Erholung. Für die sah Peter Paziorek, damals Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, bei der Vorlage des Waldzustandsberichts 2007 immerhin erste Anzeichen:

"Wir haben aufgrund der Zahlen sogar die Hoffnung, dass sich unsere Wälder langsam wieder erholen. Aber, ich gebe zu, es ist noch kein langfristig belegbarer, belastbarer Trend, sondern es ist auch wiederum nur eine gewisse Momentaufnahme."

25 Jahre nach Veröffentlichung des ersten Waldschadensberichts gibt es in Deutschland mehr Wald als zuvor. Über Elf Millionen Hektar sind einem Bericht der Bundesregierung zufolge mit Wald bedeckt, eine Million Hektar mehr als noch vor 40 Jahren. 31 Prozent der Landesfläche entfallen heute auf Wälder. Waren die beunruhigenden Berichte über das Waldsterben also ein falscher Alarm - oder ist das Wachstum der Wälder Ergebnis einer konsequenten Umweltpolitik? Die Kämpfer von damals jedenfalls sehen es als Erfolg ihrer Mahnungen und Alarmrufe, wenn der Wald noch steht und die Luft sauberer geworden ist. Christoph Abs vom Projekt Wald in Not:

"Falscher Alarm war es also auf keinen Fall. Ich denke: Ohne diese alarmierenden Meldungen hätte die Politik nicht so schnell reagiert, wäre die Großfeuerungsanlagenverordnung nicht so schnell verabschiedet worden oder auch der Katalysator im PKW nicht eingeführt worden. Das war schon wichtig. Das Problem ist nur für die Öffentlichkeit, dass man mit Szenarien gearbeitet hat, wo es hieß: In zehn Jahren gibt es in Deutschland keinen Wald mehr oder in bestimmten Regionen keinen Wald mehr. Das ist nicht eingetreten und damit ist das Pendel eben zurückgeschlagen."

In Form einer gesunkenen Glaubwürdigkeit drastischer Warnungen vor Umweltschäden. Das ausgebliebene Waldsterben musste als Beispiel für Umwelt-Hysterie dienen, etwa im "Lexikon der Öko-Irrtümer" von Michael Miersch und Dirk Maxeiner. Der Umweltschutzbewegung und der grünen Partei hat diese Wendung allerdings kaum geschadet, meint Wilhelm Knabe.

"Den Grünen hat das nicht geschadet. Also diese Entzauberung oder diese Gegenthesen haben nicht geschadet, weil inzwischen andere Momente für die Erhaltung der Grünen wichtiger waren."

Doch wer Umweltschützern einen Hang zum Übertreiben unterstellt und meint, es werde alles nicht so schlimm kommen, kann sich durch die Geschichte des Waldsterbens durchaus bestätigt sehen. Birgit Metzer von der Universität Freiburg:

"Vielleicht sind die dadurch stärker geworden, dass die so ein handfestes Beispiel haben, zu sagen: Damals gab es eine Prognose, die nicht eingetreten ist, damals hat es auf eine gewisse Art und Weise funktioniert, die man negativ beschrieben als Hysterie bezeichnen kann, positiv vielleicht als Aufmerksamkeitsschub für das Umweltbewusstsein, und beim Klimawandel ist es genau dasselbe und das zeigt doch, dass dahinter nichts steht, sondern dass da nur gewisse Interessen hinterstehen."

Doch der Klimawandel steht heute auf ganz andere Weise in Verbindung zum Gesundheitszustand der Wälder - und zwar als neue Bedrohung, das meinen zumindest viele Forstwissenschaftler. Eine wärmere Umwelt schädigt viele Baumarten, die heute in Deutschland wachsen. Damit ist das Klima zu einer Herausforderung auch für die Forstwirtschaft geworden. Das Pflanzen von Mischwäldern und neuen Baumarten wie der Douglasie anstelle der Fichte sollen dazu beitragen, dass der Wald auch diese Probleme meistert.

"Wenn sich wirklich die Temperaturen wie prognostiziert in den nächsten 50 Jahren um mindestens zwei Grad erhöhen, wird sich das für die Fichte beispielsweise in Regionen wie hier im Rheinland noch verstärken, dass wir noch häufiger bei der Fichte Schäden haben und die Fichte langfristig hier verschwindet. Wir müssen also zu einem Waldumbau kommen hin zu anderen Baumarten, die also mit diesem Trockenstress besser zurechtkommen."

In der umweltpolitischen Diskussion über die Lehren aus der Waldschadens-Diskussion der 80er-Jahre gehen die Meinungen naturgemäß weit auseinander. Roland Schäfer von der Universität Freiburg zieht dieses Fazit:

"Was man auf jeden Fall aus dem Waldsterben lernen kann, ist, dass eine große öffentliche Debatte durchaus zu sehr effektiven Maßnahmen im Umweltschutz führen kann und ohne diese öffentliche Debatte wären nie die Luftschadstoffe heute auf einem so niedrigen Niveau, was auch wirklich nur für die Luftschadstoffe gilt, die wirklich in der Debatte waren. Also das lässt sich sicher auch auf den Klimawandel übertragen: Ohne eine große öffentliche Debatte und großes Interesse der Öffentlichkeit wird da nicht viel passieren."

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