• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 09:10 Uhr Europa heute
StartseiteCorsoBosse: Im Sprinter zum Erfolg21.06.2016

Mein KlassikerBosse: Im Sprinter zum Erfolg

"Die Weinbergschnecke der deutschen Musiklandschaft" - so haben Journalisten den Sänger und Gitarristen Bosse einmal genannt. Denn der große Erfolg ließ auf sich warten. Auch sein "Klassiker" ist von der gemächlichen Sorte: der alte Tourbus seiner Band.

Aufgezeichnet von Anne Göbel

Der deutsche Sänger Axel Bosse posiert in Hamburg für ein Foto und spiegelt sich dabei in dem Display eines Smartphones. (picture alliance / dpa / Lukas Schulze)
Der Sänger Axel Bosse. (picture alliance / dpa / Lukas Schulze)
Mehr zum Thema

Mein Klassiker bei "Corso"

Am Mikrofon Der Musiker Axel Bosse

Bosse zum neuen Album "Engtanz" "Wertvoller als der schnelle Hit"

Musik Neues Album von Axel Bosse

Hallo, mein Name ist Bosse und ich bin Musiker.

Mein Klassiker, mein "alltime Favorite" und mein absoluter Liebling, ist mein alter Benz-Sprinter.

Ich habe mir, als ich 18 war, so viel Miese eingefahren, weil meine Band sich bei so Mietautos immer, gerade was die Inneneinrichtung angeht, sich sehr, sehr schlecht benommen hat. Es ist immer so viel kaputt gegangen. Manchmal ist uns ein Fasan reingelaufen, einmal auch ein Wildschwein.

Wir hatten also immer Eigenbeteiligungen von - ich weiß nicht genau, das war auf jeden Fall am Ende so, dass man gesagt hat: "Ich glaube wir haben jetzt 10.000 Miese im Jahr gemacht."

Und dann bin ich irgendwann in Köln gewesen und habe einen Freund getroffen, der meinte: "Hey, hier, die Blumenverkäuferin bei uns an der Ecke, die verkauft gerade ihren Blumensprinter."

Den haben wir uns dann gekauft, als Band.

Seitdem fahren wir eigentlich immer mit diesem Sprinter rum - na sagen wir mal so, wir sind damit rumgefahren - der, der jetzt noch manchmal damit rumfährt, bin ich. Ich habe ihn mittlerweile einem Kinderhospiz in Hamburg geschenkt. Trotzdem darf ich ihn mir noch manchmal ausleihen. Und dieser Wagen ist einfach Wahnsinn, denn er hat mittlerweile schon mehr als eine halbe Million Kilometer runter.

Und er hat schon so viel mitgemacht:

Wir haben schon zu acht in dem Auto geschlafen.

Er wurde schon - glaube ich - dreimal aufgebrochen, Gitarren wurden geklaut.

Er wurde von der Polizei, meistens bei Würzburg, schon gefilzt. Es waren schon Hunde in diesem Auto, die Drogen gesucht haben. Natürlich haben sie nix gefunden, denn wir nehmen eben keine Drogen.

Wir hatten bestimmt schon viermal den Fall, dass der Auspuff abgefallen ist, meistens auf der A7, einmal im Elbtunnel, da musste der gesperrt werden.

Es wurde mindestens - wie ich denke - ein Kind darin gezeugt. Vielleicht sogar zwei.

Es haben sich Leute darin verliebt, aber auch getrennt.

Zum Surfen nach Frankreich

Ja, also ich bin damals mit meinen besten Freunden nach Pennes-le-Sec gefahren, das ist bei Bordeaux. Und wir wollten Surfen lernen. Am Ende haben wir nicht surfen gelernt, wir waren immer am Strand, wo man Boogie boarden konnte.

Aber nur dazu, wir haben uns da ein bisschen vertan, weil wir erstens den Unterschied damals zwischen - ich glaube 19, 20 waren wir - nicht wussten, dass Lüttich und Liege beispielsweise, da sind wir langefahren, dasselbe ist. Und deswegen haben wir uns schon da vor Belgien so hart verfahren, dass wir eigentlich, glaube ich, von Braunschweig von dorthin schon mal, ich glaube, 16 Stunden gebraucht haben. Oder so. Ein Wahnsinn. Wir, ja, sind eigentlich fast zwei Tage durchgefahren. Das war eine ziemlich aufregende Reise. Dazu muss man sagen, dass mein bester Freund damals keinen Führerschein hatte und ich komplett allein durchgefahren bin.

Graffiti-Künstler haben sich verewigt

Ich habe das letztens gesehen bei Howard Carpendale, ich glaube, der hat sogar einen ganzen Lkw, wo sein Gesicht drauf ist.

Nee, das wollten wir nicht so gerne. Was wir aber hatten, dass sich ziemlich viele Graffiti-Künstler - oder die, die es mal werden wollten - darauf verewigt haben. Das passiert ganz oft, wenn man in Berlin steht, Friedrichshain zum Beispiel, lässt man so einen weißen Sprinter zehn Minuten stehen, dann hast du eigentlich gleich mal zwei Tags drauf.

Bei mir war es eben gut, weil ich ziemlich viele Leute kenne, die sich in der Szene auskennen. Ich habe das oft fotografiert, habe es dann zu denen geschickt und hatte dann ziemlich schnell die Telefonnummer von der Person, die es draufgemalt hatte. Und habe dann ganz oft immer noch ein bisschen Kohle reingeholt.

Ja, und alles das, das macht dieser Sprinter für mich aus. Und manchmal sehe ich ihn wieder, dann sitzen dort Kinder drin. Dann freue ich mich, dass er immer noch fährt. Und manchmal leihe ich ihn mir aus und packe einen Futon rein und fahre aufs Festival.

Der Sänger und Gitarrist Axel "Aki" Bosse macht deutschsprachigen Indiepop mit oft nachdenklichen Texten und trotzdem tanzbaren Melodien. Drei Jahre nach dem Durchbruchalbum "Kraniche" (2013) hat Bosse im Februar dieses Jahres sein neues und sechstes Album "Engtanz" veröffentlicht. Und - ganz in seinem Element - tourt Bosse nun also wieder mit "Engtanz" im Gepäck durch die deutschen Städte und ist auf Festivals unterwegs - zum Beispiel jetzt beim Hurricane Festival in Scheeßel.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk