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StartseiteEuropa heuteWo Olivenöl nach Banane schmeckt04.03.2016

Messe in SpanienWo Olivenöl nach Banane schmeckt

Die World Olive Oil Exhibition in Madrid ist der Hotspot der Olivenölindustrie. Hier treffen sich Produzenten, Zwischenhändler und Händler, um über Qualitätsstandards, Trends und Vertriebswege des "grünen Goldes" zu fachsimpeln. Aber auch für Verbraucher gibt es jede Menge zu entdecken - zum Beispiel Olivenöl mit Bananenaroma.

Von Hans-Günter Kellner

Eine Olive liegt in einer Schale mit Olivenöl (picture alliance / dpa / Michèle Constantini)
Viele italienische Olivenöle stammen ursprünglich aus Spanien. (picture alliance / dpa / Michèle Constantini)
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Die World Olive Oil Exhibition hat auf den ersten Blick wenig mit mediterraner Lebensart zu tun. In der großen Halle des Madrider Messegeländes reiht sich ein Stand an den anderen. Insgesamt rund 60 Produzenten stellen hier ihr Öl vor. Auch Samuel Gómez geht's ums Geschäft: Er ist Broker - verkauft Öl von Kooperativen an große Handelsmarken.

"Nichts gefällt einem Käufer mehr, als einen Verkäufer zu sehen, der zu ihm ins Büro kommt. Er weiß dann, der muss etwas verkaufen. Umgekehrt ist es genauso, wenn also der Käufer in die Olivenölmühle kommt. Ich mache beides. Uns ist wichtig, dass am Ende beide zufrieden sind."

Spanisches Öl im italienischen Gewand

Gómez verkauft spanisches Olivenöl vor allem an italienische Handelsmarken. Am Ende wird damit also aus spanischem - italienisches Öl. Die meisten Spanier verletzt das sehr in ihrem Stolz, doch Gómez lobt die italienischen Marken:

"Sie verkaufen viel Öl – mehr als sie selbst herstellen. Das ist sehr gut, aber darum müssen sie es importieren. Hoffentlich kommen wir Spanier auch einmal in diese Situation, statt unser Olivenöl an ausländische Abfüller verkaufen zu müssen."

Viele kleinere spanische Hersteller versuchen darum, sich den Markt mit ihren Erzeugerabfüllungen zu erschließen, die oft stolze Preise haben. Trotzdem scheint es kaum Neid und Missgunst auf der Messe zu geben. Der Katalane Miquel Coca unterhält sich gerne mit anderen Bauern. Er ist ganz neu in der Branche, sein Öl "Pla dels Cortals" stammt aus seiner ersten Ernte:

"Wir sind hier Freunde. Da spielt der Wettbewerb keine Rolle. Wer Olivenöl herstellt, gibt sein Öl anderen gerne zum Probieren, redet offen über seine Verfahren und auch Probleme. In dieser Branche sind wir wirklich alle Freunde."

Erzeuger und Zwischenhändler schließen hier Verträge ab. In einem der Konferenzräume erklärt ein japanischer Händler, dass auf dem japanischen Markt jede Art von Öl die Qualitätsbezeichnung Extra Virgen tragen darf.

Olivenölverkostung als Happening

Das Publikum aber wird von der Ölbar angezogen. Dort geht es eher um die Sinne, als um Zahlen: Rund 50 Olivenöle stehen zum Probieren bereit. Ricardo ist freiberuflicher Öl-Sommelier, organisiert Kurse für Gourmets und erklärt gerade einer jungen Madrilenin, was es mit den Aromen auf sich hat:

"Wenn es heißt, dieses Öl habe Artischocken- oder Tomatenaroma, muss man natürlich wissen, wie Artischocken oder Tomaten riechen. Dieses Öl hier riecht zum Beispiel ein wenig nach einer reifen Banane. Vielleicht nicht sofort - man muss es schmecken, schlucken und dann durch die Nase ausatmen. Wir nennen das "retronasal". Vielen Menschen fallen die Aromen erst dabei auf."

Ein wenig unsicher probiert die Zuhörerin am Öl. Bananenaroma riecht sie nicht. Das macht nichts, muntert Ricardo sie auf, es sei auch eine Frage der Erfahrung. Ein älteres Ehepaar erzählt begeistert von den vielen Ölen, das es in der Küche hat - und vom beachtlichen Verbrauch:

"Drei Liter pro Woche etwa. Wir frühstücken ja auch mit Olivenöl. Auf dem Toastbrot. Wir haben unterschiedliche Öle fürs Frühstück, für den Salat oder fürs Braten. Zum Frühstück verwenden wir dieses Öl hier, es wird aus der Arbequina-Olive hergestellt. Es ist sehr aromatisch aber nicht zu intensiv. Zum Braten verwenden wir ein anderes Öl. Aber immer virgen extra!"

Dann empfehlen die beiden noch einen Stand, wo auch gekocht wird: Die Muscheln und die Anchovis mit Olivenöl seien traumhaft, erzählt die Frau.

Dort erklärt der galicische Chefkoch gerade das Rezept für ein Dessert, das er in kleinen Marmeladengläsern reicht:

"Wir haben hier Schokolade - weich, aber noch keine Mouse. Ein bisschen Meersalzflocken, aufgeschäumtes Olivenöl. Dann geben wir noch etwas Rauch hinzu und verschließen das Glas hermetisch. Wenn der Gast das dann öffnet, kommt ihm dieser Rauch entgegen, der ein wenig nach Olive riecht. Die Kombination aus allen drei Bestandteilen überrascht. Außerdem ist das Öl in geschäumter Form sanfter am Gaumen."

Die Messe ist natürlich auch eine Werbefläche für das oft als "grünes Gold" bezeichnete Öl. Aber auch ohne diese extravaganten Rezepturen ist es aus der mediterranen Küche nicht wegzudenken, sagt dieser Mann, bevor er einen Bananencocktail mit Olivenöl vom Gourmetstand mitnimmt.

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