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Meuterei in der IHK Berlin

Jungunternehmer fordern Ende der Zwangsmitgliedschaft

Von Claudia van Laak

Unternehmer proben den Aufstand (AP)
Unternehmer proben den Aufstand (AP)

Zu viel Bürokratie, zu wenig Transparenz - viele kleine und mittelständische Unternehmen in Berlin sind mit der Arbeit der örtlichen Industrie- und Handelskammer nicht zufrieden. Bei der Wahl eines neuen IHK-Präsidenten gehen sie nun auf die Barrikaden.

Berlins Wirtschaft ist äußerst kleinteilig – einige wenige Großunternehmen, viele viele Firmen mit nur einer Handvoll Angestellten. Das Präsidium der IHK ist allerdings ganz anders besetzt – hier dominieren die Großen – vom Müllentsorger Alba bis zum Pharmaunternehmen Bayer. Die Großunternehmen diktieren die Politik der IHK, wir Kleinen kommen da nicht vor, kritisiert Softwareentwickler Emilio Paolini.

"Natürlich nicht, das ist ja genau der Punkt, weshalb wir uns hier zusammengetan haben, weil wir uns nicht vertreten fühlen."

IT-Unternehmer Paolini hat gemeinsam mit Gleichgesinnten die Initiative pro-KMU gegründet – KMU steht für Klein- und mittelständische Unternehmen. Bei der Wahl der Vertreter für die IHK-Vollversammlung kam die Initiative aus dem Stand auf etwa 15 Prozent der Stimmen. Es gibt also eine ganze Reihe von Kleinunternehmern, die mit der offiziellen IHK-Politik nicht einverstanden ist.

"Da stellt sich die Führung an…nicht als demokratisch an."

Die Initiative der Berliner Kleinunternehmer will in erster Linie mehr Transparenz und mehr Demokratie. So soll die IHK-Vollversammlung – das Parlament der Berliner Wirtschaft – künftig öffentlich tagen. Die Geschäftsführer sollen ihre Gehälter offenlegen und der – nach Ansicht der Kleinunternehmer – aufgeblähte IHK-Verwaltungsapparat schrumpfen.

"Die haben halt einen enormen Haushalt, weil halt alle Leute Zwangsmitglieder sind. Und da sollte man prüfen, ob man effizienter und kostengünstiger arbeiten kann, weil letztlich ist es unser Geld, auch eine Frage der Transparenz, dass man mal schaut, wie der Haushalt da geregelt ist."

Bislang hielt sich das Interesse der 270.000 Berliner IHK-Mitglieder an der Mitwirkung in Grenzen. Die Beteiligung an der Wahl zur Vollversammlung lag bei unter 10 Prozent, kritische Fragen an Geschäftsführung und Präsidium blieben weitgehend aus. Kein Wunder, dass die Kammerspitze aufgeschreckt ist, weil Jungunternehmer wie Carsten Hübner in der Vollversammlung ihre Stimme erheben wollen.

"Grundsätzlich machen wir kein Geheimnis draus, dass wir uns gegen die Zwangsmitgliedschaft einsetzen, aber wir wollen nicht die IHK von heute auf morgen abschaffen, sondern unser Ziel ist es, die Angebote der IHK so attraktiv zu gestalten, dass ne moderne Kammer in Berlin diesen Zwang einfach nicht mehr nötig hat."

Berlins IHK-Präsident heißt Eric Schweitzer, der 47Jährige führt gemeinsam mit seinem Bruder das Entsorgungsunternehmen Alba und wird als neuer Präsident des bundesweiten Dachverbands DIHK gehandelt. Eine Meuterei in den eigenen Reihen passt da nicht ins Konzept, deshalb lehnt die Pressestelle auch Interviews mit Schweitzer vor seiner Wiederwahl als Kammerpräsident ab. Wer den agilen und gut vernetzten Unternehmer direkt um ein Statement bittet, erhält ein freundliches Lächeln und folgende kurze Antwort:

"Nein, kein Satz, immer gut gelaunt."

Klarer Fall – Eric Schweitzer will den Ball flach halten. Warum Journalisten bei der heutigen Vollversammlung nicht zugelassen sind? Das sieht die Satzung nicht vor. Warum die Gehälter der Geschäftsführer nicht veröffentlicht werden? Da arbeiten wir einer bundesweiten Empfehlung aller Industrie- und Handelskammern. Offiziell gibt man sich gelassen, doch hinter den Kulissen sorgen die Kleinunternehmer für mächtigen Wirbel – sie wollen sich ins Präsidium der IHK wählen lassen und stellen auch einen Gegenkandidaten zu Eric Schweitzer auf.

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