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StartseiteCampus & KarriereMit Hilfe zum Studienabschluss06.03.2012

Mit Hilfe zum Studienabschluss

RWTH Aachen bietet Mentorenprogramm für angehende Mediziner

Im Studienfach Medizin gibt es weniger Studienabbrecher, als in anderen Bereichen. Trotzdem will die RWTH Aachen die Quote mithilfe eines Mentorenprogramms noch verbessern. Denn ein Medizinstudienplatz ist sehr teuer.

Stefan Galow im Gespräch mit Jörg Biesler

In Aachen gibt es ein Mentorenprogramm für Medizinstudenten (AP)
In Aachen gibt es ein Mentorenprogramm für Medizinstudenten (AP)

Jörg Biesler: 20 bis 25 Prozent der Studentinnen und Studenten sind es im Schnitt, die nicht den Abschluss erreichen. Bei den Medizinern sind es viel weniger, nur etwa fünf Prozent. Das ist trotzdem zu viel, sagt die RWTH Aachen, schließlich kostet ein Medizinstudienplatz richtig Geld. Und deshalb gibt es auch in Aachen ein Mentorenprogramm für alle Studiengänge, auch für die Mediziner. Ziel ist natürlich, die Quote zu drücken. Stefan Galow ist einer der Mentoren. Guten Tag, Herr Galow!

Stefan Galow: Guten Tag!

Biesler: Mit welchen Problemen haben denn die Studentinnen und Studenten zu kämpfen, wenn sie über einen Abbruch nachdenken?

Galow: Ja, das hat verschiedene Gründe. Das liegt einerseits in der Lernorganisation begründet. Wer direkt nach dem Abitur ein Studium beginnt, muss natürlich erst mal lernen, sich viel mehr selbst zu organisieren und die Dauer bis zu einer Klausur entsprechend so zu planen, dass man nicht drei Wochen vorher erst anfängt zu lernen.

Dann gibt es viele, die eine gewisse Prüfungsangst haben und eventuell mit der Situation nicht zurechtkommen, dann auf den Punkt sozusagen ihre Leistung zu bringen. Es gibt Studenten, die auch halt extreme Sprachprobleme haben, die am Anfang überhaupt nicht verstehen, was überhaupt in einer Klausur von ihnen verlangt wird, und deswegen auch nicht ihre gelernten Sachen abliefern können.

Dann gibt es eine gewisse Anzahl von Studierenden, die psychische Probleme haben, die auch vielleicht erst im Studium sozusagen damit konfrontiert werden, dass es da eventuell mit der psychischen Gesundheit nicht so steht, wie es vielleicht sein sollte, um ein Studium erfolgreich zu absolvieren.

Biesler: Das ist ja ein richtig breites Spektrum. Sagen Sie ruhig, was noch dazukommt.

Galow: Ja, da ist noch ein Punkt, den ich jetzt noch sagen wollte, und zwar gibt es natürlich gerade im ersten Studienjahr auch immer die Situation, dass man feststellt, dass die Studienwahl nicht die richtige ist und dass man dann eventuell vor sich selber auch eingestehen muss, na ja, ich sollte vielleicht lieber was anderes studieren. Und das ist auch ein Schritt, der nicht jedem so leicht fällt.

Biesler: Ja, es ist ein breites Spektrum. Ich denk, einige Sachen sind verhältnismäßig leicht zu beheben, zum Beispiel wenn man schlecht in der Organisation ist – das kann man ja lernen –, bei psychischen Problemen, da kommen aber dann irgendwann auch Ihre Grenzen, vermute ich.

Galow: Da kommen auf jeden Fall unsere Grenzen. Wir haben natürlich ein bisschen hier durch die RWTH einen relativ großen Background, dass wir auch die Sachen, die wir vielleicht nicht selber erledigen können oder wo wir selber bei der Beratung an unsere Grenzen stoßen, dass wir da zu Folgeterminen weiterleiten können – die zentrale Studienberatung ist da eine wichtige Anlaufstelle –, und es gibt auch Stellen, wo man die Studenten mit psychischen Problemen dann quasi vermitteln kann. Aber das sind, wie Sie schon sagen, natürlich … das ist nur ein Teil, viele von den Sachen, die so am Anfang vom Studium oder auch im Laufe des Studiums auftauchen, die können wir schon durch unser Konzept selber auch versuchen, in den Griff zu kriegen.

Biesler: Wie machen Sie das denn? Also es gibt wahrscheinlich akutes Eingreifen von Ihnen, aber als Mentoren arbeiten Sie auch kontinuierlich, also es ist so eine Art, ich nenne das mal betreutes Studieren.

Galow: Richtig. Also durch die Einführung des Modellstudiengangs im Jahr 2003 an der RWTH ist mit eingeführt worden ein umfassendes Betreuungskonzept. Das bedeutet, dass es für jedes Studienjahr einen sogenannten Jahrgangskoordinator gibt, der erstens, ich sag jetzt mal seine Schäfchen kennt, also Studierende, die in dem Jahr studieren, sind bekannt. Wir haben die Prüfungsleistungen von denen vorliegen und können letztendlich auch genau sehen, wann hat sich einer von einer Klausur abgemeldet, hat einer überhaupt eine Klausur geschrieben, wenn ja, mit welchem Erfolg.

Und so ergibt sich nach dem ersten Semester schon mal so ein kleines Bild, das man im zweiten Semester, also vor Abschluss des ersten Studienjahres auf jeden Fall, mit den Leuten ein Gespräch vereinbart. Und das tun wir auch, wir gehen also einerseits aktiv auf die Studierenden zu, bieten aber auch durch verschiedene Kommunikationswege, sei es jetzt durch eine eigene Veranstaltung im Hörsaal, die ich regelmäßig mache, oder auch durch E-Mail an quasi das gesamte Studienkollektiv die Möglichkeit, Leute, ihr könnt zu mir kommen, ihr könnt mich jederzeit zum Gespräch auch anfragen, und wir können dann über die entsprechende Situation sprechen.

Biesler: Sie selbst sind ja Physiker, da ist die Abbrecherquote besonders hoch, also über ein Drittel aller Physik-Studierenden kommt nicht zum Abschluss. Haben Sie sich das auch manchmal gewünscht früher im Studium, dass da jemand wäre?

Galow: Ja, ich hab mir das sehr gewünscht. Es ist mittlerweile über 20 Jahre her, dass ich studiert habe, und solche Betreuungskonzepte hat es damals nicht gegeben, da gab es vielleicht eine Studienberatung, die aber über das Fachliche eigentlich nicht hinausging. Und so eine persönliche Betreuung, dass man weiß, es gibt jederzeit eine Anlaufstelle, wo ich mich hinwenden kann, die hätte ich mir damals schon gewünscht. Und ich glaube, dass das ein gutes Konzept ist, um den Studierenden, die heutzutage teilweise auch sehr jung ins Studium kommen, wirklich die Möglichkeit zu geben, mit ihren Sorgen irgendwo zu landen.

Biesler: Im Bundesdurchschnitt sagt man, fünf Prozent ungefähr sind es in den Medizinstudiengängen, die ihr Studium dann nicht abschließen, sondern zwischendurch abbrechen. Wie viel Prozent der Studierenden – haben Sie da statistische Angaben – bekommen denn Probleme im Verlauf, jetzt in Aachen?

Galow: Also wir haben da keine großen Statistiken bisher. Wir haben eine relativ hohe Absolventenquote, das hat vielleicht mit dem Modellstudiengang zu tun, aber da gibt es bis jetzt noch keine konkreten Zahlen. Den Modellstudiengang, den gibt es wie gesagt seit 2003 – wenn man jetzt die Studiendauer von sechs Jahren berücksichtigt, sind es jetzt gerade mal zwei bis drei Jahrgänge, die jetzt den Studiengang durchlaufen haben, und wir haben zumindest die klare Ansage, dass bis jetzt die Erfolgsquote mindestens so hoch ist, wie das vorher auch war.

Biesler: Jetzt habe ich gerade gesagt, es klingt nach betreutem Studieren, das ist natürlich ein bisschen abfällig, aber die Frage stellt sich ja schon, wenn jemand an einer Hochschule, an einer Universität studiert, dann muss er natürlich auch gewisse Selbstorganisationsfähigkeiten zum Beispiel mitbringen oder zumindest im Verlauf des Studiums erwerben. Wird die Möglichkeit und die Notwendigkeit dazu dann nicht genommen durch solche Mentorenprogramme?

Galow: Das ist so – Sie haben da völlig recht –, wir haben da auch im Team oft drüber diskutiert, inwieweit wir da überhaupt bis zu einer bestimmten Grenze gehen können, und wir sind mittlerweile der Ansicht, dass natürlich am Anfang vom Studium die Betreuung intensiver sein sollte, gerade um in der Studieneingangsphase eine vernünftige Begleitung zu haben, dass der Studienstart gelingt. Weil wenn der Studienstart gelungen ist, dann ist auch Erfolg da und dann sind die Studierenden auch zufriedener.

Und wenn sie ihre Leistung bringen, dann ist es natürlich einfacher, dann auch sozusagen weiterzustudieren, sodass die Art und Weise, wie wir betreuen, im Laufe des Studiums abnimmt und dass das später natürlich auch durch Förderprogramme ergänzt wird, dass wir also nicht nur die Leute fördern, die quasi vor einem Studienabbruch stehen, sondern dass wir später auch die Leute fördern, die wirklich sehr gute Studienerfolge haben im Studium – durch gute Noten, durch erfolgreiches Studieren. Und die werden dann explizit noch mal gefördert, durch Stipendien, durch gewisse Mentoren, in dem Sinne, dass sie eine Eins-zu-eins-Betreuung bekommen durch einen Professor oder einen Oberarzt, der dann die Studenten quasi mit an die Hand nimmt und gegen Ende des Studiums sozusagen ein bisschen in die Karriereplanung einsteigt.

Biesler: Das Studium an der RWTH Aachen wird leichter durch ein Mentorenprogramm, das vor allem die Gefahr von Studienabbrüchen verringern soll. Stefan Galow ist einer der Mentoren. Vielen Dank!


Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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