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StartseiteComputer und KommunikationMitfahrzentrale auf dem Smartphone02.07.2011

Mitfahrzentrale auf dem Smartphone

Mit open.Ride lassen sich spontane Fahrgemeinschaften organisieren

Mobilität.- Mitfahrgelegenheiten sind für Fahrer und Mitfahrenden gleichermaßen interessant: beide reisen letztendlich günstig. Fraunhofer-Forscher arbeiten nun an einem Open-Source-Projekt, mit dem auch innerstädtische Mitfahrgelegenheiten schnell gefunden sind.

Von Wolfgang Noelke

Die Software "open.Ride" soll es möglich machen, auch kurzfristig Mitfahrgelegenheiten zu finden.  (AP)
Die Software "open.Ride" soll es möglich machen, auch kurzfristig Mitfahrgelegenheiten zu finden. (AP)

Es ist drei Uhr Nachts und es regnet. Der reguläre Öffentliche Nahverkehr beginnt erst in zwei Stunden. Zwei übernächtigte Touristen möchten nach Hause, können sich aber kein Taxi leisten. Über Twitter senden sie einen Hilferuf: "Followerpower: Wer fährt von Kreuzberg nach Charlottenburg und nimmt uns mit?" Dass jemand auf diese Bitte reagiert, ist fraglich. Zumal Autofahrer während der Fahrt die Finger vom Handy lassen. Falls tatsächlich jemand die Strecke fahren sollte, die Meldung liest und seine Twitterfreunde mitnehmen will, müsste man erst mal miteinander telefonieren, um sich zu finden.

Jan Henrik Ziesing, Projektleiter "Elektronic Government and Applications" bei Fraunhofer FOKUS entwickelt eine andere Lösung: Auf der Website von "OpenRide" gibt man künftig nur noch sein Ziel an. Das Smartphone sendet den Fahrtwunsch zusammen mit dem per GPS ermittelten Standort an alle Fahrer, die ebenfalls ihr Fahrtziel im System anmeldeten und ungefähr auf dieser Strecke unterwegs sind:

Jan Henrik Ziesing:

"Im Hintergrund läuft eine Routenberechnung. Das heißt, wir berechnen die Route, die der Fahrer höchstwahrscheinlich fahren wird. Das läuft ganz normal ab, wie bei einem ganz klassischen Navigations- oder Routenberechnungssystem auch. Danach sorgen verschiedene Overlay- Algorithmen dafür, dass wir feststellen können, wer etwa dazu passen würde. Über eine neue Routenberechnung prüfen wir das sehr genau und machen dann Vorschläge an den Fahrer, beziehungsweise Mitfahrer, mit wem er fahren könnte oder von wem er mitgenommen werden könnte. Bei diesen Vorschlägen müssen sich die beiden nur noch gegenseitig bestätigen oder halt im schlechteren Fall ablehnen. Im Bestätigungsfall fahren sie dann zusammen und es wird übermittelt, wann der Fahrer wo sein wird, wann man abgeholt wird, wie das Auto aussieht und natürlich eine Telefonnummer, damit man noch eine Feinabstimmung vornehmen kann für den Fall, dass man sich verspätet."

Telefonnummern und Autokennzeichen werden erst dann übermittelt, wenn sich Mitfahrer und Fahrer tatsächlich fest verabreden. Das ist der datenschutzrelevante Unterschied zu bestehenden Online-Systemen, in denen meist die Daten der Autofahrer hinterlegt und offen sichtbar sind. Selbstverständlich, so Jan Henrik Ziesing, sollen die Autofahrer auch auf Kurzstrecken ihre Betriebskosten erhalten. Das Programm macht je nach Umweg und Fahrzeugtyp einen unverbindlichen Preisvorschlag. Automatische Micropayment-Dienste nutzen die OpenRide- Entwickler bewusst nicht:

"Bisher noch nicht, was vor allem daran liegt, dass Micropayment sehr hohe Kosten für die Betreiber verursacht. Das ist wirtschaftlich nicht vernünftig abbildbar und ich glaube auch nicht, dass Fahrer und Mitfahrer bereit wären, 40 Prozent ihres Unkostenbeitrags an einen Payment- Provider abzugeben."

Da das bei bei FOKUS entwickelte Programm nicht an Navigationsgerätehersteller gebunden sei, würde es noch keine Baustellen berücksichtigen oder Alternativstrecken berechnen. Falls sich Autofahrer verspäten, weil sie zum Beispiel in einer Baustelle festsitzen.

"Da müssten Sie kurz anrufen. Also wir haben tatsächlich noch nicht für jeden Sonderfall vorgesorgt, sondern das System, das so entwickelt ist, ist im Großen funktionsfähig, enthält alle wichtigen Funktionalitäten, aber es gibt sehr viel – und das ist ein gutes Beispiel, wo man durchaus noch nacharbeiten könnte, wo man durchaus die Gelegenheit hätte, Dinge zu verbessern. Und da würden wir uns auch sehr freuen, wenn gerade Entwickler bereit wären, uns hier zu unterstützen, denn das Ganze ist ein Open-Source- Projekt."

Das Ziel, so Jan Henrik Ziesing, sei ein Plattform- und herstellerunabhängiges Programm, in das sich auch die bestehenden Dienste für Langstrecken-Mitfahrgelegenheiten integrieren lassen:

Ziesing:

"So wie ich es einschätze, sind wir die einzigen, die eine Lösung aus einer Hand anbieten können. Wir haben eine eigene Routenberechnung drin, wir haben einen eigenen Matching-Algorithmus. Auf der einen Seite ist unser Matching sehr weit ausgereift. Da sind wir sicherlich weiter als die meisten Konkurrenten. Auf der anderen Seite ist es unser eigenes und wir sind auch in der Lage, es selber zu adaptieren, für andere Märkte zu öffnen oder auch, wie wir es jetzt getan haben, unter eine Open-Source- Lizenz zu stellen. Auf der anderen Seite arbeiten wir sehr stark browserbasiert. Das heißt, wir sind nicht darauf angewiesen, für jede Plattform und jede neue Plattform eine spezielle Applikation zu entwickeln, sondern der Nutzer kann es – egal, welche Plattform er hat – über seinen mobilen Internet- oder seinen Internetbrowser zu Hause öffnen."

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