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Mitgliederwerbung auf dem Campus

Die Attac-Sommerakademie in Mainz

Von Ludger Fittkau

Die Initiative Attac wirbt um Nachwuchs (picture alliance / dpa / Marcel Mettelsiefen)
Die Initiative Attac wirbt um Nachwuchs (picture alliance / dpa / Marcel Mettelsiefen)

Rund 25.000 Mitglieder zählt die globalisierungskritische Organisation Attac in Deutschland. Studierende findet man unter den Mitgliedern bisher allerdings nur selten. Mit der Attac-Sommerakademie, die vom 1. bis 5. August an der Uni Mainz stattfindet, soll sich das ändern.

"Die Welt ist keine Ware". Das Transparent mit dem bekannten Attac-Slogan hängt an der Fassade des Philosophicums auf dem Mainzer Uni-Campus. Im Innenhof steht ein Verpflegungszelt, im Foyer sind Tische für die Anmeldung aufgestellt, auf dem Boden werden weitere Transparente gemalt.

Mehrere Hundert Globalisierungskritiker aus dem deutschsprachigen Europa haben sich angesagt, am heißen Eröffnungstag herrscht zwar schon Betrieb, doch der Andrang hält sich noch in Grenzen.

Über die Lage auf den Finanzmärkten oder über Griechenland soll in den nächsten Tagen diskutiert werden. Hendrik Specken, Ethnologiestudent an der Uni Mainz und Mitglied der Attac-Hochschulgruppe der Uni, hat die Sommerakademie mitorganisiert:

"Natürlich sind das schwierige Themen und es ist schwierig zu verkaufen. Und es ist nicht einfach, Leute zu finden, die sich in Seminare setzen zum Thema: Was ist Geld? Aber ich finde, es geht uns alle an und das ist der Punkt, an dem ich sage: Dann interessiere ich mich doch dafür und versuche mal zu verstehen, was passiert gerade in der Welt, was passiert gerade mit der Finanzordnung."

Astrid Haitok und Hanna Rösler sind Studentinnen an der agrarwissenschaftlich ausgerichteten Wiener Universität für Bodenkultur, kurz "BoKu" genannt. Die Studienanfängerinnen suchen auf der Attac-Sommerakademie politische Diskussionen, für die es an ihrer Uni kaum Gelegenheit gibt:

"Der Studiengang, in dem ich bin, ist ziemlich groß, da ist nicht viel Zeit zu diskutieren oder Fragen zu stellen."

Fragen stellen – die will auch Michael Bodner, Philosophiestudent an der Uni Regensburg.
Fragen hat er auch an die Organisation Attac selbst. Etwa: Warum kümmern sich die Globalisierungskritiker bisher zu wenig um die für ihn zum Teil fragwürdigen ökonomischen Zwänge, denen die heimischen Hochschulen ausgesetzt werden:

"Na klar, vor allem weil ja Universitäten auch immer mehr Unternehmen sind heutzutage, die viele Gelder zu verwalten haben, viel mit Firmen in Kontakt stehen, mittlerweile auch viel Lobbyarbeit an den Universitäten betrieben wird."

Attac selbst bekommt es zu spüren, dass die Hochschulen sich in den letzten Jahren deutlich marktförmiger aufstellen – etwa beim Gebäudemanagement, das mehr Geld in die Hochschulkassen bringen soll. Frauke Distelrath, Pressesprecherin der Organisation:

"Ja, es ist für uns immer schwieriger geworden, Räume zu finden für unsere großen Veranstaltungen, für Kongresse oder hier unsere Sommerakademie, weil eben öffentliche Institutionen wie Universitäten oder auch Schulen so viel privatisiert haben im Gebäudemanagement. Dass es sowieso schwieriger ist, Räume zu bekommen und wenn, sind sie deutlich teurer geworden."

Das bisher größte Engagement zeigten studentische Attac-Mitglieder an den Hochschulen in den Auseinandersetzungen um die Einführung der Studiengebühren. Das erkennt auch der Regensburger Student Michael Bodner an:

"Also damals, als das mit den Studiengebühren aufkam, vor vier, fünf Jahren, da hat das bei Attac schon eine Rolle mitgespielt, da wurde sich auch mit den Studenten solidarisiert. Aber mittlerweile ist das aber wenig, was da an Kontakten hergestellt wird. Es sind mehr so Vorträge, die mal erarbeitet werden mit Studenten oder eher andere Themen, aber das ist eher die Ausnahme."

Selbst an der traditionsreichen Wiener Universität für Bodenkultur – BoKu - seien etwa Themen wie die gerechte Verteilung des Bodens oder Chancen für ökologischen Landbau in einer globalisierten Agrarwirtschaft noch zu selten auf der Tagesordnung, glaubt Astrid Haitok:

"Mir ist aufgefallen, dass man eher nicht so viel über Alternativen lernt, also ich bin erst im zweiten Semester, deswegen kommt das vielleicht noch. Aber das außerhalb vom Lehrplan einfach viele Aktionen stattfinden. Es wurde dieses Semester besetzt von Studierenden und Landlosen und Nachbarn ein Versuchsgarten der BoKu, der wieder zurückgegeben werden sollte an eine Immobiliengesellschaft und der wurde dann brutal geräumt. Es wurde dann verhandelt, ob es ein Gemeinschaftsland sein sollte oder nicht. Aber solche Sachen gibt es halt schon, die finden schon statt."

Vielleicht demnächst auch auf dem Mainzer Uni-Campus. Hendrik Specken will mit seiner noch jungen Mainzer Attac- Hochschulgruppe jedenfalls die Themen aufgreifen, die auch die Studierenden heute bewegen:

"Ich vermute, mit mehr Hochschulgruppen und mehr aktiven jungen Leuten wird es da auch einen Wandel geben hin zu mehr Hochschulthemen."

Doch jetzt ist er erstmal froh, dass die Organisation der Sommerakademie auf dem Campus geklappt hat, zu der in den nächsten Tagen bis zu 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet werden.

"'"Die Uni ist halt riesig groß, viel Verwaltung, viel im Vorfeld zu organisieren, aber jetzt sind wir froh und wir hoffen auf viele Gäste.""

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