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StartseiteSonntagsspaziergangUnterwegs auf der Leipziger Notenspur27.12.2015

Musikgeschichte erlebenUnterwegs auf der Leipziger Notenspur

Silberfarbene, geschwungene Stahlbänder im Pflaster der Innenstadt machen den Leipzig-Besucher neugierig. Sie sind die "Stummen Diener" der 2012 eröffneten Leipziger Notenspur. Ein musikalisches Band, auf der die wichtigsten Musikerstätten Leipzigs in 23 Stationen von Bach über Wagner bis Schumann erwandert werden können.

Von Karin Kühne

 Das ehemalige Wohnhaus des Komponisten Robert Schumann (1810-1856) in Leipzig. Der Musiker lebte 16 Jahre in der Stadt.  (picutre alliance/dpa/Peter Endig)
Auch das ehemalige Wohnhaus des Komponisten Robert Schumann (1810-1856) ist Teil der Leipziger Notenspur. Der Musiker lebte 16 Jahre in der Stadt. (picutre alliance/dpa/Peter Endig)
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Elke Leinhoß begleitet mich auf der "Leipziger Notenspur". Das von der Universität Leipzig 2012 entwickelte Kunstprojekt verbindet auf über fünf Kilometern die wichtigsten Musiker-und Musikstätten in der City. Jahrhunderte war die Stadt mit ihrer Messe immer auch ein Mekka für Künstler.

"Auf unserem Weg durch die Stadt haben wir unsere Klanginstallation eingebaut, weil es natürlich auch wichtig ist, dass man in einer Musikstadt auch Musik hört, ist es hier eine Kombination aus Musik und aus Stadtklängen."

Am besten hört man diese kleinen atmosphärischen Stückchen zum Beispiel aus der Zeit Johann Sebastian Bachs, wenn man unter der "Klangdusche" steht. Sie hängt im Durchgang von Kretschmanns Hof zum Hôtel de Pologne. In der Nobelherberge trifft sich der junge Richard Wagner 1832 mit seinem Redakteur von der "Zeitung für die elegante Welt", Heinrich Laube, um ihm einen ersten Aufsatz anzubieten - natürlich über die "Deutsche Oper".

Wo Schumann und Gottsched im Café saßen

Nähe Richard Wagner Platz liegt im Baulärm ein aus den Zeiten der DDR stammendes Kaufhaus. Wegen seiner geschwungenen Fassade von den Leipzigern gern als Brotbüchse bezeichnet. Haben wir hier etwa Wagner in der "Bemmenbüchse"? Elke Leinhoß lacht:

"Richard Wagner ist 1813 hier geboren, auf dem Großen Blumenberg hieß das damals. Das Haus ist aber abgerissen Ende des 19. Jahrhunderts, also davon steht nichts mehr. Aber Sie können sich darüber informieren, zum Beispiel in den Tafeln, die in diesem Gebäudekomplex 'Höfe am Brühl' eingelassen sind."

Wir flanieren nun Richtung Altes Rathaus. Auf dem Pflaster weisen "Stumme Diener" in Form geschwungener Bänder aus poliertem Stahl den Weg zu den einzelnen Stationen dieses "Musikbandes" durch die Stadt. In der Kleinen Fleischergasse steht das älteste Café Deutschlands. Ab 1720 "Zum Arabischen Coffe Baum" genannt. Seitdem schmückt das Eingangsportal die Figur eines Mohren, dem ein kleiner Putto ein "Schälchen Heißes" serviert.

"Schumann saß hier und hat seine Davidsbündler um sich versammelt, Gottsched saß hier und hat vor sich hingeschrieben und Bach ging hier natürlich auch ein und aus und dass Bach was mit Kaffee zu tun hat, das weiß man ja."

Musik begleitet den Notenspurwanderer

Die Kaffeekantate wird vermutlich im damaligen nahen "Zimmermannschen Kaffeehaus" uraufgeführt. Dort hält der Komponist, neben seiner Arbeit als Thomaskantor, wöchentliche Konzerte ab. Musik begleitet den Notenspurwanderer fast überall. Im Garten des Mendelssohn-Hauses in der Goldschmidtstraße, wo der Komponist bis zu seinem frühen Tod 1847 lebt, kann man Klangblumen lauschen, aus denen Lieder klingen.

Ein paar Schritte weiter, Ecke Tal-und Goldschmidtstraße, gilt es, ein Kleinod der Musikgeschichte zu entdecken. Der restaurierte Gebäude-Komplex des berühmten Musik-Verlags Peters. Zu dem gehört ein Salon mit original erhaltener Wandpaneelierung aus dunklem Holz gehört. In dem für Konzerte genutzten Saal treffen wir Wolfgang Golzsch. Er ist der Leiter der dortigen Edvard Grieg-Begegnungsstätte:

"An diesem Piano, es ist ein Piano aus dem Jahre 1880 von der Firma Duysen in Berlin, an diesem hätte er spielen können, aber hat er nicht gespielt. Es hat früher hier ein anderes Piano gestanden und an diesem Piano hat Edvard Grieg bei seinen Besuchen in Leipzig zwischen 1875 bis zu seinem Todesjahr 1907 jährlich vor den Verlegern vorgespielt."

Verleger Peters beziehungsweise seine Nachfolger Abraham und Hinrichsen entscheiden jeweils danach, ob das neue Werk von ihnen verlegt wird. Später schließt der Norweger einen Generalvertrag für die alleinigen Publikationsrechte mit dem Verlag ab und erhält dafür zunächst 4.000, später 6.000 Reichsmark jährlich.

Leipzigs Musikwelt in vielen Formen erleben

In der eigens für ihn eingerichteten Dachgeschosswohnung in Gebäude verfasst er 1888 seine erste heute noch populäre Peer-Gynt-Suite. Am Rande des im Zweiten Weltkrieg stark zerstörten Grafischen Viertels, wo der Peters-Musikverlag liegt, steht in der Inselstraße ein eleganter, spätklassizistischer Bau. In der Dämmerung glitzert in der Beletage ein Kronleuchter einladend durch die Bäume.

"Das ist der Musiksalon, den haben sich mehrere Parteien geteilt. Die Wohnung der Schumanns war rechts davon. Dort haben sie gewohnt. Dort sind sie eingezogen praktisch am Tage ihrer Hochzeit. Robert und Clara Schumann haben sich ihre Hochzeit gegen ihren Vater erstritten und sind dann am 12. September 1840 hier in dieses Haus eingezogen."

In der Wohnung von Clara und Robert Schumann ist ein charmantes kleines Museum entstanden, wo
man seine Musik entweder während eines Konzertes im Salon oder als Konserve erleben kann. So die
hier komponierte Frühlingssinfonie.

Die Leipziger Notenspur mit ihren 23 Stationen bietet die Möglichkeit, Leipzigs Musikwelt in vielen
Formen zu erleben, ob in der Schumannschen Wohnung, ob auf der Spur der Musikverlage oder im
Konzertsaal des Gewandhauses.

Die "Leipziger Notenspur" wurde unterstützt von Leipzig Tourismus und Tourismus Marketing Sachsen.

 

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