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StartseiteWirtschaft am MittagWas Musik in Deutschland wert ist23.09.2015

MusikwirtschaftsstudieWas Musik in Deutschland wert ist

Welchen Stellenwert hat die deutsche Musikindustrie für die hiesige Wirtschaft? Das hat die Branche in ungewöhnlicher Breite untersuchen lassen. Ihre in Hamburg vorgestellte Studie erfasst neben dem Verkauf von Tonträgern auch Faktoren wie Musikunterricht und die Bedeutung von Musikveranstaltungen für den Tourismus.

Von Axel Schröder

Ein Mädchen am Klavier hört einem Jungen beim Saxofon-Spielen zu. (Aleksandr Pogotov / RIA Novosti)
Über 14 Millionen Deutsche spielen ein Instrument - auch das ist ein Wirtschaftsfaktor (Aleksandr Pogotov / RIA Novosti)
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Florian Drücke, Geschäftsführer vom Bundesverband der Musikindustrie ist beeindruckt. Die Zahlen der jüngsten Studie über die Bruttowertschöpfung der deutschen Musikindustrie sind deutlich höher, als bislang gedacht:

"Wenn man die Bruttowertschöpfung der gesamten Musikwirtschaft sieht mit 3,9 Milliarden Euro, dann ist das natürlich schon eine beeindruckende Zahl. Für uns ganz wichtig ist vor allem auch, dass wir über 120.000 Beschäftigte haben. Und das ist natürlich etwas, was der Wahrnehmung unserer Branche so bisher noch nicht präsent war. Zumindest nach unserer Meinung. Und deshalb haben wir uns mit den anderen Partnern zusammengetan und zum ersten Mal diese Studie durchgeführt."

Selber machen: aktive Musiknutzung als Wirtschaftsfaktor

In Auftrag gegeben haben die Studie die Branchenverbände all jener Firmen, die mit der Vermarktung, der Produktion oder mit dem Aufführen von Musik ihr Geld verdienen. Also auch der Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft, die Gesellschaft zur Verwertung des Leistungsschutzrechts oder der Verband der Konzertdirektionen. Geleitet wurde die Studie von Professor Wolfgang Seufert von der Uni Jena. Was die Studie ausmacht, ist die Breite der Untersuchung. Denn, so Wolfgang Seufert, zur Wertschöpfung in der Musikindustrie trägt eben nicht nur der Verkauf von Tonträgern oder moderner: der Verkauf eines MP3-Clips über das Internet bei:

"Es gibt auch den ganzen Bereich, der mit aktiver Musiknutzung zu tun hat. Also über 14 Millionen Deutsche spielen ein Instrument. Das heißt, da kommt noch eine ganz Menge an Nachfragen an Musikinstrumenten, Noten, auch Musikunterricht in einem großen Umfang dazu. Und in der Gesamtsumme kommt man dann eben auf diese Zahl."

Musik strahlt aus

1.300 Unternehmen mit Umsätzen von über fünf Milliarden Euro wurden für die Untersuchung befragt, öffentlich geförderte Musikschulen, Theater und Orchester wurden nicht erfasst. Im Ergebnis unterscheidet die Studie zwischen direkte und indirekte Wertschöpfungseffekte der Musikwirtschaft und drittens sogenannte Ausstrahlungseffekte. Die kommen zustande, weil eine MP3-Datei eben einen MP3-Player oder Computer braucht, um abgespielt werden zu können.

127.000 Menschen arbeiten laut Studie direkt in der Musikwirtschaft. Dazu gehören selbstständige Komponisten, Textdichter, Musiker oder Musikpädagogen. Und trotz der nun errechneten 3,9 Milliarden Euro an Wertschöpfung der Musikindustrie gibt es, wenig verwunderlich, auch eine Vielzahl von prekären Beschäftigungsverhältnisse in diesem Bereich. Von den 50.000 über die Künstlersozialkasse kranken- und rentenversicherten Menschen erzielen, so schätzt es der Autor der Studie Wolfgang Seufert, rund zwei Drittel ein Jahreseinkommen unter 17.500 Euro.

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