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StartseiteForschung aktuellMysteriöse Erscheinungen09.04.2009

Mysteriöse Erscheinungen

Wissenschaftler dokumentieren Kugelblitze im Flugverkehr

Physik. - Kugelblitze gehören zum Rätselhaftesten, was die Physiker auf der Erde kennen. Ein Meteorologe und ein Umweltpsychologe haben jetzt eine Fallsammlung aus der Luftfahrt vorgelegt. Auf dem Jahrestreffen der Europäischen Geowissenschaftler in Wien wird in 14 Tagen auch darüber diskutiert werden. Volker Mrasek tut dies bereits jetzt im Gespräch mit Gerd Pasch.

Im Flugverkehr drohen auch exotische Gefahren. (AP)
Im Flugverkehr drohen auch exotische Gefahren. (AP)

Pasch: Was ist denn das Besondere an diesen Kugelblitzen?

Mrasek: Also Kugelblitze sind für die Physiker sowieso ein sehr exotisches Thema, das sind Entladungen, man kann nicht richtig einschätzen, was das ist. Sind das ionisierte Gase, sind das schwebende, sich bewegende Entladungen, sind das unter Umständen sogar auch Verbrennungsprozesse, wenn ein Blitz in Materie einschlägt, sei es Sand, sei es Gelände, sei es Wasser. Also ein großes Mysterium. Und zwei Forscher legen jetzt das erste Mal eine Fallsammlung vor, sie zählen Zwischenfälle auf, in denen diese Kugelblitze in der Luftfahrt aufgetreten sind, außerhalb, aber auch an Bord von Flugzeugen.

Pasch: Welche Zahlen liegen den vor, dass dieses Thema auf dem Geophysikerkongress zur Tagesordnung wird?

Mrasek: Das ist quasi ein Zufallsprodukt, es gibt zwei Forscher, wie gesagt, die das machen, ein Brite namens Robert Doe, ein englischer Meteorologe, und ein österreichischer Forscher namens Alexander Keul, Umweltpsychologe an der Universität Salzburg. Die haben unabhängig voneinander schon immer solche Fälle gesammelt und nach dem, was sie jetzt vorlegen, gibt es oder gab es in der Zeit zwischen 1938 und 2001 38 Fälle insgesamt. Es gab sie im Luftraum über den USA, über Kanada, über Europa, über Russland. Es gab Fälle in der Zivil- wie in der Militärluftfahrt. Und interessant ist: 50 Prozent dieser geschilderten Fälle außerhalb des Flugzeug und 50 Prozent aber auch an Bord. Solche Schilderungen werden heute immer noch als, man könnte sagen, Luftfahrtfolklore oft aufgefasst, oder als Halluzination angesehen. Aber es gibt tatsächlich dokumentierte Fälle, die sind in dieser Sammlung enthalten. Und es ist natürlich sinnvoll, sich einmal einige anzuhören. Alexander Keul, der Umweltpsychologe von der Universität Salzburg hat die ganz sauber dokumentiert. Hier ist einer von ihnen:

"Es ist also im Oktober 1997 eine Fokker F-28 von Amsterdam-Schiphol gestartet, und es hat dann in einer relativ kurzen Zeit einen Blitzschlag in die Radarkuppel am Bug der Maschine gegeben und in weiterer Folge war dann eine Leuchterscheinung zwischen den beiden Piloten im Cockpit zu sehen. Kugelförmig, die sich dann nach hinten bewegt hat und am linken Notausstieg auf Tragflächenhöhe verschwunden ist."

Zu diesem Vorfall gab es seinerzeit auch einen offiziellen Untersuchungsbericht des Air Accident Investigation Branch, das ist die Fachstelle, die sich um Zwischenfälle im Luftverkehr kümmert. Und dieser Report enthält auch Skizzen des Kugelblitzes an Bord, wie in Crew und Passagiere beschrieben haben. Es gibt auch Fälle, bei den tatsächlich Menschen zu Schaden gekommen sind. Noch einmal Alexander Keul:

"Das war im Juni 1999 eine Boeing 777 im Steigflug von Chicago O'Hare, ungefähr eine Viertelstunde nach dem Staat hat an offenbar der Blitz in die Maschine eingeschlagen und Flugbegleiter haben dann gesehen, dass ein Kollege kurzzeitig in eine helle Lichterscheinung eingehüllt war, und sie haben auch Funken gesehen, offenbar hat es da eine Entladung gegeben. Und er ist getroffen worden, hat sich neurologisch untersuchen lassen und hat dann auch tatsächlich noch Monate später Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Vergesslichkeit, neurologische Störungen gehabt."

Auch dieser Fall, der ist dokumentiert, die behandelnden Ärzte aus Denver in den USA haben darüber später in einer Fachzeitschrift berichtet, im "Journal of Trauma". Also Beispiele für verschiedene Fälle, die regelmäßig auftauchen, und die Wissenschaftler sagen, sie wollen keine Panik erzeugen, das ist auch kein besonders großes Risiko in der Luftfahrt, aber es verdient die weitere Untersuchung. Und deswegen dieser Vortrag auch auf der Geophysikertagung. Die beiden erhoffen sich, dass da das Thema mal publik wird, und dass man vielleicht auch mal bei den Fluglinien oder bei den Flugsicherheitsstellen sich damit beschäftigt.

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