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Nachweis für West-Nil-Virus schwierig

Einfache Tests sind ungenau, genaue Tests aufwendig und teuer

Von Anna-Lena Dohrmann

Das West-Nil-Virus unter dem Mikroskop.
Das West-Nil-Virus unter dem Mikroskop. (CDC/Wikipedia)

Medizin.- Zahlreiche Vögel haben ihr Leben in der Vergangenheit an das West-Nil-Virus verloren. Es wird von Stechmücken übertragen und kann auch den Menschen infizieren. Auch in Europa kommt es vermehrt zu Todesfällen. Das Fraunhofer-Institut Leipzig hat einen sicheren Nachweistest für den Erreger entwickelt.

"Hier sehen sie jetzt so einen Schüttelkolben, wo die Bakterien eben drin wachsen. Diese Bakterien wurden von uns so gentechnisch verändert, dass sie eben die West-Nil-Virus-Fragmente herstellen."

Diese Fragmente sind ganz spezifische Proteine, die so nur in dem West-Nil-Virus verschlüsselt sind. Sie sollen in einem einfachen Bluttest nachweisen, ob ein Patient mit West-Nil infiziert ist. Es ist ein sogenannter Antikörper-Test. Nach circa einer Woche ist das Virus selbst nämlich nicht mehr im Blut nachweisbar. Der Körper hat bis dahin allerdings Antikörper gegen die Proteine des Virus gebildet, um sich zu wehren. Und die können nachgewiesen werden, so Sebastian Ulbert, Leiter der Forschungsgruppe Impfstoff-Technologien des Fraunhofer Institutes in Leipzig.

"Die Antikörper erkennen dann diese Virusbruchstücke, die wir hergestellt haben und diese Erkennung oder diese Bindung kann dann eben nachgewiesen werden mit biochemischen Methoden. Und das kann uns eben sagen: Hier ist ein Antikörper drin, der erkennt euer Virusbruchstück, insofern ist diese Person mit West-Nil-Virus infiziert worden."

Das klingt einfach und ist es im Prinzip auch. Die Herausforderung liegt darin, wirklich ein Protein zu finden, an das ausschließlich Antikörper binden, die gegen West-Nil Virus produziert wurden. Das ist bisher nämlich nicht möglich:

"Das Problem ist eben, dass das West-Nil-Virus sehr ähnlich ist in seiner Struktur zu verwandten Flaviviren wie zum Beispiel dem FSME-Virus, ein von Zecken übertragenes Flavivirus. Und die Antikörper, die gegen das West-Nil-Virus gebildet werden, können eben kreuzreagieren mit Antikörpern, die zum Beispiel gegen das FSME-Virus gebildet werden. Und wenn man sich jetzt zum Beispiel gegen FSME impfen lässt, werden Antikörper gebildet und auch selbst diese Antikörper können halt diesen West-Nil-Virus Test stören und man kann dann keine sichere Aussage treffen."

Und das bedeutet: Auch Menschen, die gegen FSME, die Frühsommer-Meningoenzephalitis, geimpft sind, könnten ein positives Testergebnis bekommen. Bisher können nur virologische Tests, die das aktive Virus benutzen, zwischen den unterschiedlichen Flaviviren unterscheiden. Diese Tests müssen im Hochsicherheitslabor durchgeführt werden und sind dementsprechend teuer. Doch eine genaue Unterscheidung der Viren ist wichtig – nicht nur im Menschen.

"Sie müssen auch daran denken, dass man ja seit 2011 bei uns auch das sogenannte Usutu-Virus gefunden hat, auch das ist ein Vogelvirus, ist übrigens auch ein Flavivirus und ist dem West-Nil Virus sehr, sehr ähnlich."

Eine Unterscheidung ist bisher also schwierig. Das Usutu-Virus hat im vergangenen Jahr zu einem Massensterben von Amseln geführt. Die Verbreitung der Viren in den Vögeln kann immer auch einen Hinweis auf eine potenzielle Gefahr für den Menschen liefern. So fanden letzten Sommer Forscher in Norditalien vermehrt Vögel, die an West Nil gestorben waren. Das sei besorgniserregend, so Ulbert.

"Das deutet darauf hin, dass die Virusstämme halt auch für die Vögel bei uns gefährlicher werden, und eine vermehrte Infektiosität für den Vogel ist in der Regel auch immer verbunden mit einer erhöhten Gefährdung für den Menschen. Bisher waren eigentlich die europäischen Vögel immer relativ resistent gegen West-Nil Viren, eine völlig andere Situation als in den USA, wo das Einschleppen des West-Nil-Virus 1999 zu einem extrem großen Vogelsterben geführt hat."

Und es gibt noch etwas, was die Situation in Europa von der in den USA unterscheidet: In Europa gibt es sehr viele verschiedene Varianten auf engstem Raum, die zwischen den Vögeln hin- und her zirkulieren. Dadurch kann sich das Virus schneller verändern.

"Die Gefährdung ist eben, dass da noch mehr noch gefährlichere Varianten auch entstehen können. Und das ist natürlich schon etwas, womit man rechnen muss und das ist auch das, warum gefördert wird, dass da eben Forschungsnetzwerke entstehen, und dass eben Know-how entwickelt wird, um mit solchen potenziellen Gefährdungen halt umgehen zu können."

Doch Ulbert betont auch: Es gibt momentan noch keinen Grund, Angst vor einer West-Nil-Epidemie zu haben. Schließlich ist das Virus nicht von Mensch zu Mensch übertragbar und ist nur in wenigen Fällen lebensbedrohlich.



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