• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 09:30 Uhr Nachrichten
StartseiteCampus & KarriereNachwuchssorgen bei Physikern29.06.2006

Nachwuchssorgen bei Physikern

Kritik am Schulunterricht

Mit dem Physik-Unterricht an deutschen Schulen sieht es nicht gut aus, befindet die Deutsche Physikalische Gesellschaft. In Bad Honnef feierten die Wissenschaftler das 30-jährige Bestehen des Physikzentrums und trugen bei der Gelegenheit ihre Sorge um den Nachwuchs vor.

Von Mathias Schulenburg

Studenten an der Tafel. (Stock.XCHNG / John Julian Hansen)
Studenten an der Tafel. (Stock.XCHNG / John Julian Hansen)
Mehr bei deutschlandradio.de

Externe Links:

Deutsche Physikalische Gesellschaft

Die Misere, sagte Eberhard Umbach, Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, habe viele Gründe:

"Das liegt zum einen sicher an starren Lehrplänen, an sehr klaren Vorstellungen der Ministerien, was im Unterricht stattzufinden hat und dadurch eine Einengung des Schulunterrichts, es liegt zum anderen sicher auch daran, dass Lehrer durch ihre Ausbildung zu wenig darauf vorbereitet sind, einen Unterricht zu machen, der junge Leute motiviert, bei jungen Leuten ankommt, und das liegt auch an den Universitäten, die in ihrer Ausbildung zu wenig Rücksicht auf genau diese Gesichtspunkte genommen haben aus ganz verschiedenen Gründen, vielleicht, weil ihnen die Lehrerausbildung nicht so sehr am Herzen liegt wie die Ausbildung des Forschernachwuchses, vielleicht auch deshalb, weil die Einschränkungen durch Mitteleinsparungen, durch Personalknappheit so groß sind, dass man gar nicht anders handeln kann."

Der Physik-Unterricht müsse farbiger gestaltet werden, wenn der Nachwuchs für das Fach gewonnen werden solle.

"Also ich stelle mir vor, dass man sich überlegt, wie kann man jungen Leuten Physik spannend machen. Man geht zum Beispiel von Naturphänomenen, von technischen Anwendungen aus und versucht, die so auszuwählen, dass man damit den wichtigen Schulstoff, den man unbedingt bringen muss, hiermit abdecken kann."

Trockener Formelkram solle nicht mehr als als nötig präsentiert werden, wichtiger sei es, die Begeisterung der Jugendlichen zu wecken. Damit derlei möglich würde, sei für Physiklehrer eine besondere Ausbildung sinnvoll,

"die darauf Rücksicht nimmt, dass Lehrer eben keine Forscher werden sondern dass sie Inhalte vermitteln sollen. Dass man darauf Rücksicht nimmt, dass Lehrer auch noch andere Sachen lernen müssen, und das in der gleichen Zeit wie die Fachphysiker, zum Beispiel. Dass man also zum Beispiel ein Studium sui generis, also ein Studium, dass sich genau an der Lehrerausbildung orientiert, versucht hochzuziehen, ein Studium, bei dem man die Besonderheiten des Schulunterrichts auch von fachlicher Seite her einbezieht."

Der Föderalismus hierzulande sei der Sache auch nicht förderlich, jedes Land gehe seine eigenen Wege, die Ausbildung der Lehrer werde ständig eher unterschiedlicher als ähnlicher, was auch für die Lehrpläne gelte.

"Eigentlich eine ganz verhängnisvolle Entwicklung, weil sie dazu führt, dass die Mobilität innerhalb des Landes Deutschland reduziert wird, dass die Schüler beim Wechsel von einem Bundesland ins andere Nachteile in Kauf nehmen müssen. Wir werden einfach behindert, wenn wir den Föderalismus an dieser Stelle zu weit treiben."

Die Diskussion, die die gestrige Veranstaltung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft abschloss, war wenig erhellend. Immerhin: Gute Lehrer gab es ja mal, sagte Dieter Meschede vom Physikzentrum, nur keine Stellen:

"Wir haben also Leute ausgebildet, die hervorragend waren und die über drei, vier Jahre auf Wartelisten standen und dann irgendwann die Nase voll hatten und weg waren, ganz einfach. Also uns ist in den letzten zehn Jahren ein Potenzial von guten Lehrern verloren gegangen, und jetzt plötzlich ist das Loch da, und dann nimmt man halt jeden."

Dazu, erwiderte Dieter Röß, Vorstandsvorsitzender der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung, die die Deutsche Physikalische Gesellschaft unterstützt, könne er eine Anekdote beisteuern. Immer wenn es der Industrie gut gehe, alle vier Jahre vielleicht, beschließe der Vorstand, nun wirklich antizyklisch einzustellen. Der gute Vorsatz sei aber bei der nächsten Krise dahin. Und der Staat sei durch allzu viele Verpflichtungen mittlerweile so ausgepowert, dass er sich antizyklisches Verhalten auch nicht mehr leisten wolle oder könne.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk