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Berlin und Paris fördern Forschungskooperationen

Von Suzanne Krause

Der Elysée-Vertrag hat auch die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Forschung gefördert.
Der Elysée-Vertrag hat auch die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Forschung gefördert. (picture alliance / dpa / Marc Tirl)

Das Interdisziplinäre Zentrum für Studien und Forschung über Deutschland in Paris verbindet zehn Hochschulen und Forschungsinstitute. Es ist Modell und Plattform für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Europa.

In der deutsch-französischen Forschungskooperation beginnt eine neue Ära: Die Themen werden internationaler. Gehen hinaus über die reine Beschäftigung mit dem jeweiligen Nachbarland, sagt Nathalie Faure. Die Geschäftsführerin des CIERA, des in Paris angesiedelten Interdisziplinären Zentrums für Studien und Forschung über Deutschland, betreut das neue Prestigeprojekt "Europa als Herausforderung".

"Das Projekt wird von sieben Forschungsinstitutionen der Geistes- und Sozialwissenschaften beiderseits des Rheins getragen. Das interdisziplinäre Team strebt an, das Projekt Europa gewissermaßen neu zu denken und zwar hinsichtlich dreier Themenbereiche: Sozialstaat, nachhaltige Entwicklung, urbane Gewalt."

Das geeinte Europa gilt landläufig als etwas Gegebenes. Die Projektleiter jedoch postulieren: Europa stelle eine Herausforderung dar, für Politik, Gesellschaften und auch die Wissenschaft. Die deutsch-französische Projektarbeit dient dabei als Plattform für eine weitere Grenzen überschreitende Zusammenarbeit.

"Wir wollen, je nach Entwicklung unseres Projekts, andere europäische Partner mit einbinden."

Erklärtes Ziel des Projekts ist gleichfalls die Nachwuchsförderung.

"Die Arbeitsgruppen werden von Postdoktoranden geleitet. Die Mitte 2013 frischgebackene Doktoranden anwerben werden. Und gleichfalls erfahrenere Wissenschaftler ins Team holen."

Anahita Grisoni leitet die Arbeitsgruppe "Nachhaltigkeit". Die dreißigjährige Französin ist Doktorin für Soziologie. An der Pariser Fachhochschule für Architektur hält sie mehrmals wöchentlich Seminare ab, als Assistenz-Dozentin, ein Halbtagsjob, auf ein Jahr begrenzt. Bei einer Kaffeepause berichtet sie begeistert von ihrem neuen Posten beim Europaprojekt.

"Als ich mich für die Postdoc-Stelle beworben habe, war zwar der Posten per se ausgeschrieben. Aber ich konnte selbst mein Arbeitsthema vorschlagen. Und das ist eine Freiheit, die ich aus Frankreich nicht kenne."

Überhaupt ist es in Frankreich immer schwieriger, eine Postdoc-Stelle zu ergattern. Anahita Grisoni sagt: Vor zwei Jahren meldeten sich auf eine ausgeschriebene Stelle zehn Bewerber. Heute seien es 150. Denn überall werden die Budgets radikal gekürzt, staatliche Gelder erhalten nur noch ausgewählte, zeitlich begrenzte Projekte. Das erlebt Anahita Grisoni selbst bei dem deutsch-französischen Forschungsprojekt. Zwar hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung für das auf fünf Jahre angelegte Projekt 2,3 Millionen Euro bewilligt. In Paris hingegen steht die Finanzierung noch längst nicht. Und das Ministerium begrenzt die Postdoc-Stellen auf maximal drei Jahre.

"Als ich nach drei Monaten Wartezeit endlich meinen Vertrag unterschreiben konnte, sagte mir der Verantwortliche: Super, du hast nun einen Vertrag über ein ganzes Jahr!"

Von ihrer Mitarbeit in dem deutsch-französischen Projekt erhofft sich Anahita Grisoni einen Karriere-Bonus. Und zukunftsträchtige Kontakte. Denn bei dem binationale Wissenschaftsaustausch entstehen neuerdings immer mehr dauerhafte Kooperationen. Für Christiane Schmeken, die das DAAD-Büro in Paris leitet, ein Verdienst des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags.

"Da sind mittlerweile, seit 1963, Zehntausende von jungen Leuten ausgetauscht worden, die inzwischen schon in der zweiten und dritten Generation als Hochschullehrer, als Personen in Wissenschaft und Wirtschaft an den Schalthebeln sitzen, und das ist natürlich ein unglaubliches gesellschaftliches Kapital, was da entstanden ist."

Kleiner Grenzverkehr
Reihe: Deutsch-französische Geschichten aus Bildung und Beruf
Die deutsch-französische Freundschaft besteht nicht nur auf dem Papier: In vielen Bereichen sind die Länder seit dem Elysée-Vertrag ganz natürlich zusammengewachsen, so auch in der Bildung. "Campus & Karriere" stellt in einer vierteiligen Reihe solche "Grenzgänger" im Bildungswesen vor.

Zur Themenseite 50 Jahre Elysée-Vertrag



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