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StartseiteUmwelt und VerbraucherNeue Technologien in der Energiewirtschaft06.03.2007

Neue Technologien in der Energiewirtschaft

Die Umweltfachmessen Terratec und enertec in Leipzig

Energieverbrauch und Umweltbelastung sind zum Dauerthema geworden. Das gilt natürlich auch für die Energiemesse enertec und die Umweltmesse Terratec in Leipzig. Gestern wurden die beiden Ausstellungen eröffnet. Vier Tage lang dreht sich alles um Energieeffizienz und Einsparmöglichkeiten, um Energiesicherheit und erneuerbare Energien.

Von Ronny Arnold

Sogar die Glühbirnen sind in die Diskussion geraten. (AP)
Sogar die Glühbirnen sind in die Diskussion geraten. (AP)

" Ich selber fahre seit vier Jahren ein Elektroauto im Nahbereich. Ich habe eine 4 KW-Solaranlage auf dem Hausdach. Ich mache damit viermal mehr Strom als ich selber verbrauche mit dem Elektroauto. Ich fahre auf Langstrecke einen umgebauten Diesel mit Pflanzenöl. Ich habe natürlich mein Haus gedämmt. "

In Halle 1 am Stand C89 sitzt er, der Mann der Zukunft. Roland Reichel vom Bundesverband Solare Mobilität lebt vor, worüber viele bisher nur reden. Seine Devise: Jeder hat die Möglichkeit, umweltbewusst zu leben und Energie zu sparen, man muss es nur wollen. Roland Reichel ist ein gefragter Mann auf der Leipziger Energiemesse, denn die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien:

" Das ist ein großer Verdienst von ganz wenigen Politikern, die in Deutschland das EEG, das Erneuerbare-Energien-Gesetz, durchgefochten haben. Das wird, ich weiß es von meinen Auslandskontakten, mit voller Bewunderung und Verwunderung gesehen, was da in Deutschland passiert ist und dass das möglich ist. "

Reichel schätzt, dass durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz in Deutschland über 150.000 neue Arbeitsplätze entstanden - mittlerweile haben sich 35 Länder das EEG zumindest teilweise zum Vorbild genommen. Erneuerbare Energien sind das Hauptthema am ersten Tag der enertec und der Terratec - vollmundig prophezeien die Experten und Politiker auf den Messepodien, dass Sonne, Wind, Wasser und Biomasse schon bald Kohle und Öl in den Schatten stellen werden. 2020 könnte rund ein Fünftel des Energiehungers deutscher Haushalte aus erneuerbaren Quellen gestillt werden, 2050 sollten die fossilen Brennstoffe der Vergangenheit angehören. Nur wenige Meter von Roland Reichels Solarstand entfernt wird diese Zukunft im Forum "Nachhaltige Energiewirtschaft und Klimaschutz" diskutiert - und relativiert. Zentrales Thema ist das "Nationale Energiekonzept", welches beim ersten Energiegipfel vor knapp einem Jahr im Bundeskanzleramt angestoßen wurde. Der Klimaschutz ist wichtig, keine Frage - doch er steht nicht an erster Stelle in der Energiedebatte der letzten Monate, so Ulrich Schmack, der damals in Berlin dabei war:

" Als wir uns das erste Mal zum Energiegipfel getroffen haben, hieß es, das magische Dreieck zu finden zwischen Sicherheit in der Energieversorgung, Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz. Und wenn wir uns das letzte halbe Jahr anschauen, dann stellen wir fest, dass das Wichtigste doch wohl die Energieversorgungssicherheit ist, gerade wenn wir an den Gasstreit mit der Ukraine denken. "

Doch Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit könnten in Zukunft auch in Deutschland erreicht werden, wenn man sich Schritt für Schritt von ausländischen Energiequellen lossagt. Mehrere Energieversorger auf der enertec stellen dafür so genannte dezentrale Lösungen vor - zum Beispiel kleinere Blockheizkraftwerke, die unter anderem mit Biogas betrieben werden. Mit diesen Anlagen, erklärt Christian Wurst von Deutz Power Systems, könnten sich in Zukunft auch kleinere Kommunen, unabhängig und effizient, mit Energie und Wärme versorgen. Und gleichzeitig den schädlichen Co2-Ausstoß verringern:

" Dadurch, dass wir den Brennstoff effektiver einsetzen als andere Technologien, verbraucht man weniger Primärenergie, das heißt man produziert auch weniger CO2. Biogas ist für uns derzeit das größte Thema, besonders in Deutschland über das EEG-Gesetz. Viele Landwirte schaffen sich Biogasanlagen an. Dazu brauchen sie einen Verbrennungsmotor, der dann die elektrische Energie und auch die Wärme produziert. Je nach Leistungsklasse liegen wir bei 40 Prozent elektrisch und dazu kommt aber noch mal der gleiche Anteil, ca. 43 Prozent Wärme. Und insgesamt kommt man dann so auf ca. 85 Prozent. "

Die Leipziger Energiemesse hat in diesem Jahr um 15 Prozent an Ausstellungsfläche zugelegt - ein Zeichen dafür, dass der Energiemarkt in Deutschland ein gutes Geschäft ist. Und die enertec hat das Thema Klimawandel und erneuerbare Energien für sich entdeckt - vielleicht ein Zeichen dafür, dass unsere Umwelt noch zu retten ist.

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