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StartseiteForschung aktuellNeuer Anlauf gegen Aids21.05.2007

Neuer Anlauf gegen Aids

Neue Feldstudie untersucht Schutzimpfung gegen das HI-Virus

<strong>Medizin. - Als das Aids-Virus 1983 entdeckt wurde, rechneten Wissenschaftler mit einem schützenden Vakzin innerhalb nur weniger Jahre. Doch Jahrzehnte später suchen Mediziner noch immer nach einem wirksamen Impfschutz. Jetzt startet im stark betroffenen Südafrika ein neuer großer Feldversuch mit neuen Impfstoffen.</strong>

Von Martin Winkelheide

Wäre der neue HIV-Impfstoff wirksam, könnten vor allem infizierte Patienten davon profitieren, hoffen Ärzte. (AP)
Wäre der neue HIV-Impfstoff wirksam, könnten vor allem infizierte Patienten davon profitieren, hoffen Ärzte. (AP)

Das Interesse an der Impfstoffstudie ist groß in Südafrika, sagt die Koordinatorin Glenda Gray von der Universität Witwatersrand.

"Die meisten Menschen, die an der Studie teilnehmen, wissen, was Aids anrichtet. Ihre Onkel, ihre Brüder oder Schwestern sind an Aids gestorben. Und deshalb wollen sie etwas gegen die Epidemie tun."

Die Studie ist auf vier Jahre angelegt. Bis zu 3000 gesunde Erwachsene im Alter zwischen 18 und 35 Jahren werden teilnehmen – im Idealfall.

"Bislang war keiner der Feldversuche mit experimentellen Aids-Impfstoffen erfolgreich. Deshalb beginnen wir unsere Studie zunächst einmal mit 600 Freiwilligen. Sind die Ergebnisse gut, machen wir weiter. Falls nicht, brechen wir die Studie ab. Wir haben die Spielregeln vorher genau festgelegt."

Nach den Rückschlägen der letzten 25 Jahre Impfstoff-Forschung sind die Erwartungen bescheiden. Mit einem Durchbruch rechnet Linda Gray nicht.

"Wenn etwa jeder dritte Geimpfte eine starke Immunantwort gegen das Aids-Virus entwickeln würde, dann wäre das ein sehr gutes Ergebnis. Es wäre ein wirklicher Fortschritt. Denn bei früheren Impfstoffen gab es gar keinen Effekt – absolut nichts."

Entwickelt wurde der Test-Impfstoff vom US-amerikanischen Pharmakonzern Merck. Es handelt sich um abgeschwächte Erkältungsviren. Die so genannten Adenoviren können sich nicht mehr vermehren – und also auch nicht krank machen. In ihnen sind drei Schlüsselgene des Aids-Virus verpackt: nef, gag und pol. Das Immunsystem von Geimpften soll lernen, Zellen zu erkennen, die die Produkte dieser Gene herstellen. Und diese Zellen dann zerstören. Das Immunsystem, so die Hoffnung, wäre in der Lage, HIV-infizierte Zellen abzutöten. Dass die Impfung auch vor einer Ansteckung mit HIV schützen kann, ist dagegen eher unwahrscheinlich.

"Möglicherweise schützt die Impfung nicht vor einer Ansteckung mit HIV. Wir gehen aber davon aus, dass selbst Menschen, die sich anstecken, von der Impfung profitieren würden. Denn: Wenn das Immunsystem infizierte Zellen zerstört, dann können sich die HI-Viren schlechter vermehren. Die Schäden, die das Aids-Virus am Immunsystem anrichten könnte, fielen geringer aus. Die Menschen blieben also länger gesund. Das wären die guten Seiten einer solchen Impfung."

Eines Tages einen Impfstoff einzusetzen, der nicht zuverlässig vor einer Ansteckung mit HIV schützen kann – das wäre ungewöhnlich. Aber möglicherweise dennoch die einzige Option, so Glenda Gray.

"Es wird wahrscheinlich niemals die zu 100 Prozent wirksame Aids-Impfung geben. Und so werden wir mehrere Schutzmaßnahmen kombinieren müssen. Wir würden Männern sagen: Lasst Euch impfen, lasst Euch beschneiden und benutzt Kondome. Es ist wie beim Autofahren: Wer sicher fahren will, legt den Gurt an, er fährt langsamer, kauft sich vielleicht ein besonders stabiles Auto. Und er trinkt keinen Alkohol, bevor er sich ans Steuer setzt. Die Aids-Impfung, um im Bild zu bleiben – ist nicht alles, aber sie ist, sagen wir mal: der Airbag."

Ob dieses Konzept aufgehen kann – auch darauf wird die Impfstudie in Südafrika erste Hinweise geben. Denn die Studienteilnehmer lernen vor der Impfung, wie sie sich zusätzlich vor HIV schützen können. Sie lernen den Umgang mit Kondomen. Männern wird angeboten, sich kostenlos beschneiden zu lassen. Egal wie gut oder wie schlecht der experimentelle Impfstoff funktionieren wird, von einem ist die Koordinatorin Glenda Gray von der Universität Witwatersrand daher überzeugt.

"Das Risiko, sich mit HIV anzustecken, ist für die Menschen, die an unserer Studie teilnehmen, deutlich niedriger als sonst in Südafrika."

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