Mittwoch, 13.12.2017
StartseiteUmwelt und VerbraucherNeues Netz für neue Energie20.11.2009

Neues Netz für neue Energie

Greenpeace stellt Konzept für das Stromnetz der nächsten Generation vor

Sonnen- und Windenergie kann nicht kontinuierlich und gleichbleibend geliefert und eingespeist werden. Ein speziell angepasstes Stromnetz kann die Nutzung erneuerbarer Energie optimieren, meint die Umweltorganisation Greenpeace.

Von Verena Kemna

Auch die neue Bundesregierung möchte erneuerbare Energie fördern. (AP)
Auch die neue Bundesregierung möchte erneuerbare Energie fördern. (AP)

Strom aus erneuerbarer Energie, also beispielsweise aus Solar- und Windkraftanlagen, ist naturgemäß davon abhängig, wie intensiv die Sonne gerade scheint, wie stark der Wind gerade weht. Stromerzeugung aus konventionellen Energieträgern, etwa aus Kohle- und Atomkraftwerken, dagegen funktioniert nur bei einer kontinuierlich gleichbleibenden Einspeisung.

Kohle- und Atomkraftwerke lassen sich nicht einfach abschalten. Dazu kommt, dass sich Strom aus erneuerbaren Energien noch nicht speichern lässt, erklärt Sven Teske, Energieexperte von Greenpeace International.

"Das heißt, es gibt einen Systemkonflikt innerhalb des Netzes. Das ist so, als wenn man von analog auf Digitaltechnik umstellt. Man kann nicht beides gleichzeitig laufen lassen. Man muss wirklich von einem zum anderen gehen."

Nur sogenannte intelligente Stromnetze könnten nach den Ergebnissen der Greenpeace Studie die Stromversorgung durch erneuerbare Energien sicherstellen.

Nur wenn Stromverbrauch und Stromerzeugung aufeinander abgestimmt werden, lässt sich der Anteil der erneuerbaren Energien europaweit in den nächsten 40 Jahren auf bis zu 90 Prozent steigern. Das Konzept berücksichtigt die Kapazitäten von Offshore-Windkraftanlagen an Nord- und Ostsee sowie solarthermische Kraftwerke etwa in Südspanien und Südfrankreich.

"Dafür müssen wir jetzt in den nächsten zehn, 15 Jahren das Netz komplett umbauen. Das heißt nicht, dass wir das Netz, so wie es ist, abbauen und ein neues aufbauen, sondern: Wir machen schrittweise mehr Kommunikationstechnik rein, mal eine Querverbindung, damit man eben besser ausregeln kann. Wir schlagen auch vor, keine neuen Hochspannungsleitungen zu nehmen, sondern Erdkabel."

Er rechnet vor, dass europaweit etwa 6000 Kilometer solcher Erdkabel neu verlegt und 10.000 Kabelkilometer technisch aufgerüstet werden müssten. Mit neuer Software und neuen Regelwerken ließen sich Stromnetze für die Zukunft intelligent auf- und umrüsten. Dazu gehört auch, dass Siedlungsnetze und Überlandverbindungen harmonisch miteinander kombiniert werden.

"Das Konzept ist so angelegt, dass wir auf Gemeindeebene anfangen. Also, diese intelligenten Netze sind erst regional begrenzt, und man geht Schritt für Schritt von einer Region zur anderen und verbindet mehrere Regionen, um dann ein europäisches Netz zu haben. Wir sehen nicht, dass die Notwendigkeit in den nächsten fünf Jahren besteht, sondern unser Konzept geht bis 2050."

Spanien und Dänemark seien bereits erfolgreich bei der Umstellung ihrer Stromnetze. Die Gesamtinvestitionssumme für eine europaweite Modernisierung liegt laut Greenpeace Studie bei 209 Milliarden Euro. Jährliche Investitionen also von fünf Milliarden Euro. Umgelegt auf den Strompreis liegen die Mehrkosten bei 0,15 Cent pro Kilowattstunde; etwa fünf Euro pro Haushalt pro Jahr, so der Energieexperte Teske.

"Wir müssen dabei nicht warten mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien, das kann parallel weitergehen. Wir haben so ein Konzept nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa vorgeschlagen, weil wir im europäischen Kontext noch weniger ausgleichen müssen, weil wir die Situation eigentlich nie haben, dass in ganz Europa plötzlich kein Wind weht."

Greenpeace fordert eine schrittweise Erneuerung und Modernisierung der ohnehin veralteten Stromnetze. Außerdem müssten die Stromnetze in eine unabhängige Netz AG mit staatlicher Beteiligung überführt werden. Eine europa- und deutschlandweite Netzplanung wäre ein erster Schritt, damit in 40 Jahren der gesamte Strombedarf aus erneuerbarer Energie gedeckt werden kann. Noch einmal der Greenpeace Energieexperte Sven Teske:

"Wir brauchen noch ein bisschen Forschung und Entwicklung speziell bei Speichermedien, die dann im zweiten Schritt auch kommen müssen. Und wir brauchen eine Ausbauplanung über ein oder zwei Jahrzehnte. Neue Netze zu bauen, dauert teilweise sehr lange. Es gibt Beispiele, wo Netzausbauten über zehn Jahre gedauert haben."

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