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Nummer 8 lebt bald nicht mehr

Europa schießt nächsten geostationären Wettersatelliten erfolgreich ins All

Von Volker Mrasek

Mit einer Ariane hob der zehnte Meteosat-Satellit jetzt in Französisch-Guyana vom Erdboden ab.
Mit einer Ariane hob der zehnte Meteosat-Satellit jetzt in Französisch-Guyana vom Erdboden ab. (AP / ESA / CNES / ARIANESPACE)

Meteorologie. - Europas Wettersatelliten der Meteosat-Reihe haben Maßstäbe gesetzt. Jetzt wurde von einer Ariane-Rakete der zehnte Satellit in den geostationären Orbit geschossen, das dritte Exemplar der zweiten Generation.

"Coming up to the one minute mark … une minute."

Eigentlich hätte der neue europäische Wettersatellit schon Mitte Juni ins All befördert werden sollen. In der vergangenen Nacht, beim endgültigen Start in Französisch-Guyana, gab es dann aber keine Verzögerung. Gegen 23:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit hob der inzwischen 10. Satellit der Meteosat-Reihe problemlos ab, als Nutzlast auf einer Ariane-Rakete.

"Quatre, trois, deux ..."

1977, also vor 35 Jahren, startete das Programm. Damals trat Meteosat-1 seinen Dienst an. Es folgten sechs baugleiche Nachfolger und dann, vor zehn beziehungsweise sieben Jahren, Meteosat-8 und -9 – stark verbesserte Satelliten der zweiten Generation. Zu ihr gehört auch Meteosat-10, der neue europäische Himmelsspäher. Er wird Nr. 8 ablösen, dessen Leben im All sich allmählich dem Ende zuneigt, und soll mindestens sieben Jahre lang Daten liefern.

"Wir sind da absolut führend. Die Meteosat-2.-Generation ist im Moment mit Abstand das allerbeste geostationäre Wettersatelliten-System."

Aus den Worten von Marianne König spricht so etwas wie Besitzerstolz. Die Meteorologin arbeitet bei Eumetsat in Darmstadt, der europäischen Organisation, die für den Betrieb der Wettersatelliten zuständig ist. Geostationär bedeutet dabei: Die Meteosat-Satelliten umkreisen die Erde in rund 36.000 Kilometern Höhe über dem Äquator, einem vortrefflichen Orbit für die kontinuierliche Wetterbeobachtung. Dort benötigt auch Meteosat-10 genau 24 Stunden für die Erdumrundung. König:

"Die Erde dreht sich ja nun auch in 24 Stunden einmal um sich selbst, das heißt, von der Erde aus gesehen scheint dieser Satellit stillzustehen an einem bestimmten Punkt über dem Äquator. Und das Ganze hat dann natürlich den Vorteil, daß dieser Satellit quasi eben immer denselben Ausschnitt der Erde fest im Blick hat, dort ganz, ganz viele Bilder in schneller zeitlicher Reihenfolge machen kann, so daß man halt eben schnelle Wetteränderungen gut damit entdecken kann."

Meteosat-8, -9 und -10 haben alle ein spezielles Radiometer an Bord. Es nimmt Messungen in zwölf verschiedenen Spektralbändern des sichtbaren und infraroten Spektrums vor. Und erfasst dabei nicht nur Größen wie Luftfeuchte und Temperatur, sondern auch die Höhe, den Wasser- und Eisgehalt von Wolken. Die Satelliten stehen dabei räumlich versetzt über dem 0. Längengrad von Greenwich beziehungsweise nicht weit davon entfernt. Ihre Radiometer decken somit Europa und Afrika ab. Im Prinzip scannen sie fast die gesamte Strecke vom Nord- bis zum Südpol und brauchen dafür lediglich 15 Minuten. Marianne König:

"Wir haben den Meteosat-8 in einer ganz speziellen Konfiguration, dass er nicht die gesamte Erde abdeckt von Südpol bis Nordpol, sondern den Scan erst anfängt in Nordafrika und dann Europa überdeckt. Das heißt, da geht es dann auch sehr viel schneller hintereinander. Da haben wir also alle fünf Minuten die aktuellen Wetterinformationen über Europa. Ist wirklich wichtig bei sich schnell entwickelnden Wetterlagen wie Gewitter. Wir können dort wirklich eben hier in Europa jetzt alle fünf Minuten genau sehen: Was macht diese spezielle Gewitterwolke? Wo bewegt sie sich hin? Wie entwickelt sie sich weiter?"

In Europa gibt es zwar auch ein Messnetz von Wetterradargeräten speziell für die Beobachtung von Niederschlagsfeldern. Doch die Meteosat-Späher im All sehen mehr, wie Marianne König sagt:

"Es gibt Situationen, wo halt Wetterradar im Prinzip gar nicht mehr so hoch reicht, wie halt tatsächlich auch diese Wolke ist. Das heißt, was sich da wirklich an ganz Gefährlichem ganz oben an der Wolkenkante abspielt, kann man eigentlich sehr viel besser eben von oben, eben vom Satelliten aus, sehen als mit dem Wetterradar."

Meteosat-10 wird nicht der letzte Satellit der zweiten Generation sein. In knapp drei Jahren soll auch noch ein vierter ins All geschossen werden – dann, wenn Nummer 9 allmählich den Geist aufgibt. 2018 folgt dann die dritte Generation von Meteosat, so ist im Moment die Planung. Sie soll noch einmal stark verbessert werden und noch schnellere Wetterfotos aus dem All liefern.

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