Sport am Wochenende / Archiv /

Offensive der Minderheiten

Die Sorben veranstalten in der Lausitz die EM der sprachlichen Minderheiten

Von Ronny Blaschke

Junge Frauen in traditioneller sorbischer Tracht.
Junge Frauen in traditioneller sorbischer Tracht. (AP)

Es ist nicht die einzige Europameisterschaft im Fußball, die zurzeit stattfindet. Nicht weit von Polen entfernt spielen 19 Mannschaften einen zweiten Champion aus. Dort treten nicht Nationen gegeneinander an, sondern autochthone, also sprachliche Minderheiten.

Wieder ist es der Fußball, der Gruppen eine Stimme gibt, die sonst selten zu hören sind. Am Wochenende begann in der Lausitz die Europeada, die Europameisterschaft der Minderheiten. Bis zum 24. Juni, dem Finaltag in Bautzen, wollen die Mannschaften das Turnier zur Vernetzung nutzen. Gastgeber sind die Sorben. Die Minderheit lebt in Ostsachsen und im Süden von Brandenburg, mit 60000 Angehörigen sind sie das kleinste slawische Volk Europas. Ihre Vorfahren sind slawische Stämme, die vor 1400 Jahren in die Region übersiedelten. Schirmherr der Europeada ist der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich, der selbst zu den Sorben gehört. Tillich lobt das Turnier als Bühne für kulturelle Vielfalt. In Europa leben 300 Minderheiten, mit mehr als 100 Millionen Angehörigen. In der EU sprechen 40 Millionen Menschen eine der 60 Sprachen von Minderheiten, Friesisch, Romanes oder Walisisch. Die Europeada soll unterstreichen, dass Europa auch von seinen Minderheiten geprägt wird. Teilnehmer des Turniers sind unter anderem: die deutsche Minderheit in Polen, Slowenen aus Kärnten, Roma aus Ungarn, Russlanddeutsche, Westthrakier, Türken, Ladiner, Nordfriesen, Südtiroler, Karatschaier, Zimber, Waliser oder Okzitaner. Die erste Europeada hatte 2008 in der Schweiz stattgefunden, Organisator waren die Rätoromanen im Kanton Graubünden. Nun in der Lausitz geht es um einen Pokal, der nicht so hell glänzt wie die Trophäe der EM in Polen und der Ukraine. Der Pokal der Europeada ist aus Granit und Holz. Neben dem Fußball ist ein Lindenblatt zu sehen, das Symbol der Sorben.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Sport aktuell

WettbetrugVom Matchwinner zum Inhaftierten

Ein Modellbauer des Miniaturwunderlands klebt am in Hamburg Miniaturfußballspieler auf einen Wettschein,

Wilson Raj Perumal ist in Ungarn Kronzeuge in einem groß angelegten Wettbetrugs-Prozess. In Finnland, wo er bereits wegen einschlägiger Delikte im Gefängnis saß, wurde er kürzlich erneut verhaftet. Jetzt droht ihm Abschiebung nach Singapur.

FIFALohnfortzahlung für einen Gefeuerten

Blick auf das FIFA-Hauptquartier in Zürich.

Die FIFA und Jerome Valcke müssen sich neue Fragen in Sachen Ethik stellen lassen. Obwohl der Fußballweltverband seinen heutigen Generalsekretär 2006 als Marketingdirektor entlassen hatte, zahlte er ihm bis zur Neuanstellung offenbar weiter Gehalt. Das nährt einen alten Verdacht.

Financial FairplayIn der katarischen Investorenfalle

Zlatan Ibrahimović von Paris Saint Germain (aufgenommen während des Spiels gegen den FC Chelsea am 2. April 2014) 

Gegen 20 Klubs ermittelt die UEFA-Finanzkommission wegen Verstößen gegen das Financial Fairplay. Darunter: Paris Saint Germain. Klubeigner Quatar Sports Investment ist gleichzeitig Besitzer des Senders BeIN Sport, dem wichtigsten TV-Partner der UEFA in Frankreich.