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Ohne Räucherstäbchen und Tarotkarten

Der Studiengang "Spiritualität und Interkulturalität" an der Uni Freiburg will mit Esoterik nichts zu tun haben

Von Thomas Wagner

Gegen den Vorwurf, mit Tarotkarten und Räucherstäbchen zu arbeiten, wehrt sich der Studiengang "Spiritualität und Interkulturalität" der Uni Freiburg vehement
Gegen den Vorwurf, mit Tarotkarten und Räucherstäbchen zu arbeiten, wehrt sich der Studiengang "Spiritualität und Interkulturalität" der Uni Freiburg vehement (Ruxandra Moldoveanu / Stock.XCHNG)

Etwas außergewöhnlich klingt es schon: Der Freiburger Studiengang "Spiritualität und Interkulturalität" will Diesseits- und Jenseitsvorstellungen verschiedener Kulturen untersuchen. Die Uni Freiburg muss sich nun des Vorwurfs erwehren, man lehre Esoterik mit Tarotkarten und Räucherstäbchen.

Das darf doch nicht wahr sein! Auch unter den Studierenden in der riesigen Eingangshalle der Universität Freiburg ist das ein Thema: der Start eines angeblichen Esoterik-Studiengangs.

"In puncto Esoterik ... also ich finde, dass das die Anti-These zur Wissenschaft schlechthin ist. Ich glaube, das hat an der Universität nicht viel verloren."

"Also ich habe Esoterik bis jetzt immer so als Freizeitbeschäftigung wahrgenommen. Ich kann mir das nicht vorstellen, dass man das auch an der Uni studieren kann. Ich persönlich kann es mir nicht vorstellen. Ich würde es nicht studieren!"

"Das darf doch nicht wahr sein!" Das sagt sich auch der Freiburger Theologieprofessor Bernhard Uhde. Den Studiengang, um den es geht, hat er mit erfunden. Und der soll etwas mit Esoterik zu tun haben?

"Dem würde ich in gar keiner Weise zustimmen, weil wir den Studiengang "Spiritualität und Interkulturalität" genannt haben und nicht Esoterik und irgendwas. Das heißt: Wir unterscheiden ganz genau zwischen Spiritualität und Esoterik."

Doch auch der Begriff 'Spiritualität' regt zu allerlei fantastischen Mutmaßungen an. Das klingt beim ersten Hinsehen so ein bisschen nach 'New Age', nach einer immateriellen, höheren, vergeistigten Welt. Und damit liegt man auch gar nicht so schlecht.

"Spiritualität ist eigentlich immer eine Art Zusatzbegriff zu seiner anderen Seite, nämlich dem, was man früher in Lateinisch 'Carnalita', also fleischlich, nannte. Ich sag's mal modern: Spiritualität ist das Immaterielle. Das andere ist sozusagen das Materielle."

Will heißen: Spiritualität bezeichnet für jeden Kulturkreis das, was sich die Menschen zur immateriellen Seite des Daseins so vorstellen. Welches Jenseitsbild, welches Gottesbild haben sie? Dies sei aber durch viele Quellen belegt, lasse sich somit auch im Rahmen eines Studiengangs weitergeben - ganz im Gegensatz zur Esoterik.

"Der Begriff 'Esoterik' sagt ja zuletzt nichts weiter als eine sogenannte Innensicht, also das, was man mit dem 'inneren Auge' sieht. Und in dem Riesenfeld der Esoterik gibt es Seriöses und eher Unseriöses. Also ich würde nicht sagen, dass das insgesamt Larifari oder Hokuspokus ist. Aber das ist nicht das, was wir treiben."

Deshalb kommt der neue Studiengang "Spiritualität und Interkulturalität" auch so ganz ohne Räucherstäbchen und Tarotkarten auf. Denn das, was die Teilnehmer da lernen, mutet manchmal von ganz alleine ziemlich geheimnisvoll an. Professor Bernhard Uhde nennt ein Beispiel:

"Für Züge der indischen Geisteswelt ist es ein erheblicher Erkenntnisgewinn, davon auszugehen, dass die materielle Umwelt um uns herum eigentlich nicht in der Form besteht, wie wir das im Westen wahrnehmen. Also wenn hinter mir der Freiburger Münsterturm ist und ich denke gerade gar nicht daran und versuche mich mit Ihnen zu unterhalten, dann würde nach dieser Art der Spiritualität der Münsterturm gar nicht existent sein - nicht nur für mich nicht, sondern überhaupt nicht."

Dass "Spiritualität und Interkulturalität" gerade an der Universität Freiburg eingerichtet wurde, dürfte allerdings kein Zufall sein. Dort haben die Forscher schon seit Jahrzehnten ein Händchen für Grenzwissenschaften; an der Uni angesiedelt ist auch das Institut für Parapsychologie. Nun also das Kontaktstudium "Spiritualität und Interkulturalität", das übrigens nicht von der Uni direkt, sondern vom "Institut West-Östliche Weisheit" angeboten wird; die Uni Freiburg hat mit dem Institut einen Kooperationsvertrag geschlossen und stellt einen Teil der Dozenten. Die 47 Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland, stehen mit beiden Beinen im Berufsleben. Sie treffen sich mehrere Male pro Jahr zu Kompaktseminaren in Freiburg. Interkulturelle Kompetenz werde schließlich bei Konzernen, die im Ausland vertreten sind, immer wichtiger. Viele derjenigen, die mitmachen, stellen sich aber auch die uralte Sinnfrage in einer modernen Zeit – und hoffen in Freiburg auf Antworten, so Professor Markus Striet von der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg:

"Man hat ja lange Zeit geglaubt, dass Religion, Religiosität absterben würden in Gesellschaften, die auf Rationalität setzen. Das kann man aber nicht beobachten. Wer in der Krise geraten ist, das sind die großen Institutionen, die Kirchen. Und in diesem freiwerdenden Feld haben viele neue religiöse Sehnsüchte ihre Orte gesucht. Und dieses Feld muss jetzt neu beobachtet werden."

… auch im Rahmen des neuen Kontaktstudiums. Und das habe damit mit Hokuspokus und Kartenlegen rein gar nichts zu tun, betont Bernhard Uhde:

"Die Universität und das Rektorat sind ja auch in ihrer Intelligenz zu unterschätzen. Würde das also merkwürdig oder weniger wissenschaftlich geschienen haben, wäre sicherlich kein Kooperationsvertrag zustande gekommen."

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