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StartseiteComputer und KommunikationOpen Source für das Handy11.10.2008

Open Source für das Handy

Zwei Anbieter konkurrieren um das Publikum

Telekommunikation. - Bei Rechnern macht das freie Betriebssystem Linux und die mit ihm verknüpfte Open-Source-Software den etablierten Softwareanbietern das Leben bereits schwer, jetzt soll es im Handymarkt ähnlich zugehen. Neben dem bereits 2006 gestarteten "Openmoko"-Projekt engagiert sich der Internetgigant Google mit seinem Betriebssystem "Android".

Von Jan Rähm

Das nächste Schlachtfeld der Softwaregiganten ist das Handy. (Deutschlandradio - Annina Müller)
Das nächste Schlachtfeld der Softwaregiganten ist das Handy. (Deutschlandradio - Annina Müller)

"Das Openmoko-Projekt besteht im Prinzip aus zwei Komponenten. Es geht einmal um offene Software und es geht einmal um offene Hardware."

Das Openmoko-Projekt hat ein Handy entwickelt, an dem jeder, der glaubt etwas beitragen zu können, etwas ändern kann. Was es von anderen marktüblichen Geräten unterscheidet, ist das Entwicklungskonzept. Lauer:

"Openmoko sagt: Gebt den Entwicklern die Chance, ihre neuen Ideen, ihre Experimente auch umzusetzen. Und dazu brauchen sie einerseits eine Hardware auf der sie die Programme schreiben können aber auch andererseits eine Software, die im Prinzip die Grundlagen der Mobilfunktelefonie, den Stack, also die Software also einfach schon mal mitliefert, damit man dann auf der Basis seine eigenen Experimente machen kann."

Das jüngste Ergebnis des Projekts ist das Openmoko "Neo". Das Neo ist ein Smartphone, also ein Gerät das mehr kann als nur zu telefonieren und Mitteilungen zu verschicken. Das Neo bringt eine reiche Palette an Anwendungen mit, um beispielsweise damit Texte zu bearbeiten. Auch einen GPS-Chip verbauten die Entwickler, so ist das Neo als Navigationsgerät nutzbar. Dem Openmoko ganz ähnlich präsentiert sich Android. Das erste Gerät mit dem neuen Betriebssystem wird das T-Mobile G1 sein – auch ein Smartphone. Telekom-Sprecher Georg von Wagner:

"Android oder das Google-Handy oder das G1 oder das Android-basierte Endgerät wie man dazu auch sagen kann, ist ein offenes Endgerät. Das heißt also, Entwickler können aufgrund der Programme, die hinterlegt sind, an der Weiterentwicklung des Endgerätes selber mithelfen und mitarbeiten, wie auch Applikationen für das Endgerät entwerfen."

Beide Projekte nutzen den Linux-Kernel als Basis für ihre Entwicklungen und beide wollen so frei wie möglich sein. Warum bündeln beide Projekte nicht ihre Kompetenzen und arbeiten gemeinsam mit ganzer Kraft am Linux auf dem Handy? Ganz abgesehen davon, dass bei Beginn der Openmoko-Entwicklung 2006 von Android noch nichts zu hören war, sieht Michael Lauer noch andere Hindernisse bei der Zusammenarbeit.

"Der andere Faktor ist, dass wir momentan dem was Google verspricht noch sehr zögerlich entgegenstehen. Wenn man schaut, wie viel Code wirklich schon offen ist, sieht man, es ist noch überhaupt kein Code offen. Und die zweite Sache ist. Offene Plattform bedeutet offene Software und offene Hardware. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Hardwarehersteller, die Googles Android-Plattform unterstützen, ein ähnliches Maß an Offenheit bringen, wie wir."

Zumindest den ersten Vorwurf will der Android-Entwickler und Google-Mitarbeiter Mike Jennings entkräften:

"Das komplette Android-System wird offen sein. Jeder Entwickler der mit integrierten Geräten arbeitet, wird einen guten Startpunkt haben. Wir geben ihnen ein komplett freies Betriebssystem mit Codecs und mit Grafik-Bibliotheken wie OpenGL – alles ist in Android. Das ist ein guter Start und ich denke, die Leute werden das Angebot annehmen."

Wenn Android in zwei Wochen auf den Markt kommt, wird es unter der Apache-2-Lizenz stehen. Die ist als echte Open Source-Lizenz anerkannt. Doch sie bietet ein Schlupfloch aus dem – meist für Hersteller – unangenehmen Umstand, allen Code veröffentlichen zu müssen. Die Apache-2-Lizenz erlaubt es, Software für Android zu schreiben, ohne den Quelltext freizugeben. Die Gründe sind nachvollziehbar.

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