• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 18:10 Uhr Informationen am Abend
StartseiteForschung aktuellPaukenschlag in der Stammzellforschung20.05.2005

Paukenschlag in der Stammzellforschung

Koreanische Forscher verbinden menschliche Körper- mit Keimzellen

Reproduktionsbiologie. – Koreanische Stammzellforscher warten in der jüngsten "Science" wieder mit einem Paukenschlag auf. Sie konnten menschliche Eizellen mit fremden menschlichen Zellkernen versehen und daraus Stammzelllinien züchten.

Von Grit Kienzlen

Der Koreaner Woo Suk Hwang sorgte erneut für einen Paukenschlag in der Stammzellforschung. (AP)
Der Koreaner Woo Suk Hwang sorgte erneut für einen Paukenschlag in der Stammzellforschung. (AP)

Elf Patienten in Korea, neun davon mit Rückenmarksverletzungen, ein Diabetiker, und einer mit einer seltenen erblichen Immunschwäche sind für die Experimente von Woo Suk Hwang an der Nationalen Universität in Seoul geklont worden. Die so entstandenen Embryonen platzierten die Forscher nach fünf Tagen Reifung auf einem Bett aus Bindegewebszellen. Dort begannen die Stammzellen aus den Embryonen sich zu vermehren. Diese Stammzellen erfühlen zum ersten Mal viele der Bedingungen, ohne die eine Therapie damit gar nicht denkbar wäre und zwar durch Fortschritte beim Verfahren:

Erstens arbeiteten die Koreaner mit hoher Effizienz. Sie verbrauchten pro Stammzelllinie und Patient im Schnitt nur 17 Eizellen. Das ist nur wenig mehr als eine einzige Frau nach einer Hormonstimulation spenden kann. Zweitens gelang es Ihnen Hautzellen ihrer Patienten zu klonen und damit Zellen, an die sehr leicht heranzukommen ist. Die Patienten waren zwischen zwei und 56 Jahren alt und beiderlei Geschlechts, also spielte auch das keine Rolle. Drittens züchteten die Koreaner die Zelllinien der Patienten auf einem Bett aus deren eigenen Bindegewebszellen. Früher waren dazu Mauszellen verwendet worden und es bestand die Gefahr, dass die Patientenzelllinien durch Stoffe oder Viren aus den Mauszellen verunreinigt werden. Diese Gefahr ist nun gebannt. Schließlich konnten die koreanischen Forscher nachweisen, dass die so gewonnen Zelllinien dieselben Immuneigenschaften besitzen wie die Patienten, was der eigentliche Zweck des Verfahrens ist. Nach einer Transplantation würden sie wahrscheinlich nicht abgestoßen werden.

Eine solche Transplantation wird allerdings in absehbarer Zeit nicht stattfinden. Das ist das Irreführende an der Erfolgsmeldung aus Korea. Noch gibt es kein Stammzelltransplantationsverfahren, durch das Querschnittsgelähmte wieder laufen lernen oder Diabetiker neue Insulinproduzierende Zellen erhalten. Es gibt Tierversuche dazu, doch die haben neben Heilungserfolgen auch gezeigt, dass die Stammzellen sich im Körper nicht immer so entwickeln wie erwartet. Oft sind dabei bösartige Tumore entstanden.

Das Fachmagazin "Science" hat sich bei der Publikation um Transparenz bemüht, hat Ethiker zu Wort kommen lassen und Material wie die Einwilligungserklärungen der beteiligten Patienten und Eizellspenderinnen zur Verfügung gestellt. In einem redaktionellen Artikel prognostiziert das Magazin, die Geschwindigkeit und Effizienz der koreanischen Forschungsarbeit werde Wellen schlagen in Labors und Legislaturen auf der ganzen Welt.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk