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StartseiteUmwelt und VerbraucherPlug and Drive20.11.2007

Plug and Drive

Das Hybridauto soll Ökostrom zwischenspeichern

Immer mehr Stromanbieter stellen Elektrizität in Wind- und Solaranlagen her. Da diese Energieformen jedoch nicht rund um die Uhr in gleichen Mengen verfügbar sind, versuchen Forscher, die Speichermöglichkeiten des Ökostroms zu verbessern, und setzen dabei auf das Hybridauto. Auf der Konferenz für Erneuerbare Energien in Bonn stellten sie ihre Idee vor.

Von Joachim Budde

Solarzellen liefern nur tagsüber Strom. Die Energie muss daher zwischengespeichert werden. (AP)
Solarzellen liefern nur tagsüber Strom. Die Energie muss daher zwischengespeichert werden. (AP)
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Von Spielern, Einsätzen und Risiken

Ausgerechnet das Auto kann nach Ansicht vieler Experten ein wichtiges Problem lösen helfen, das erneuerbaren Energien - also vor allem Windkraft und Fotovoltaik - heute haben: Der Wind weht, wann er will, und die Sonne geht abends unter. Deshalb ist Strom aus Wind und Sonne nicht ohne weiteres rund um die Uhr verfügbar. Er muss dann gespeichert werden, wenn er im Überfluss zur Verfügung steht. So kann er bei Bedarf wieder ins Stromnetz eingespeist werden.

"Das Plug-In-Hybrid-Auto wird erneuerbare Energien voranbringen."

Das meint zumindest Brad Roberts, Vorsitzender der US-amerikanischen Gesellschaft für Energie-speicherung. Zusammen mit Wissenschaftlern, Unternehmern und Politikern diskutiert er in Bonn auf Einladung des Weltrates für erneuerbare Energien und von Eurosolar über Speichermöglichkeiten und Chancen für erneuer-bare Energien.

"Die meisten Leute denken: Durch all diese Windturbinen wird irgendwo ein fossiles Kraftwerk abgestellt. Stattdessen laufen manche Kraftwerke fast ohne Last, nur um bei einem Problem einspringen zu können."

Plug-in-Hybridautos sind - wie die bereits erhältlichen Hybridautos - mit einem Verbrennungsmotor, einem Elektroantrieb und einer Batterie ausgestattet. Sie können also mit Benzin und mit Strom fahren. Wie sie das Stromnetz ausgleichen können, sagt Dirk Uwe Sauer, der als Juniorprofessor an der RWTH Aachen Stromspeichersysteme erforscht.

"Plug-in ist Englisch für einstecken in die Steckdose. Das heißt, sobald Sie das Fahrzeug abstellen an irgendeinem beliebigen Punkt, bringen Sie es an das Netz, sowieso, weil Sie wollen, dass es wieder aufgeladen wird, die Batterie, aber gleichzeitig kann dieser Speicher eben auch aktiv vom Netz genutzt werden und damit Schwan-kungen, die in der Windstromerzeugung auftreten, aber auch bei ganz normalen Lastspitzen ausgeglichen werden. Das heißt ein großes Kollektiv solcher Fahrzeuge hat dieselbe Wirkung, wenn nicht sogar noch günstiger, wie das Pumpspeicherkraftwerke haben, die heute eingesetzt werden."

Um die Speicherleistung der heutigen Pumpspeicherkraftwerke in Deutschland zu bieten, reichte es Sauers Schätzungen zufolge aus, wenn jedes zehnte Fahrzeug mit einem solchen Speicher ausgestattet wäre.

"Es wird ja politische Rahmenbedingungen benötigen, die so was vorantreiben, dann kann das sehr schnell gehen, weil die Technologien, damit ist man inzwischen sehr weit fortgeschritten, die kann man im Prinzip einbauen."

In den Vereinigten Staaten hat der Kongress ein Budget von 190 Millionen Dollar pro Jahr bewilligt, um gerade diese Technologie voranzubringen. In Deutschland sei der Anfang mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz gemacht, sagt Hermann Scheer, energiepolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion und Eurosolar-Vorsitzender. Aber das reiche nicht aus.

"Wir brauchen weitere Marktrahmen, die auf diese neuen Energieträger zugeschnitten sind, weil sie der Gesellschaft unglaubliche Risiken und Kosten sparen helfen. Wenn man das jetzt einmal mit einem Lebensmittel vergleicht: Niemand würde im Ernst beanspruchen, dass offenkundig schadstoffhaltige Nahrungsmittel die gleichen Marktchancen haben sollen wie schadstofffreie Nahrungsmittel."

Dazu müssten sich vor allem die Mentalität und die Energiestruktur ändern. Dabei spielen Energiespeicher eine wesentliche Rolle. Für Brad Roberts könnte ein Netz aus Plug-In-Hybrid-Autos künftig das für Strom sein, was Computernetze heute schon für Daten sind.

"Beim Internet fließen Informationen in dieses mysteriöse Netz und verlassen es auch wieder, ohne dass irgendjemand es wirklich versteht. Etwas Vergleichbares kann man sich in 20 oder 25 Jahren für Strom vorstellen: Überall verstreute Batterien sind ans Stromnetz angeschlossen. So kann auch mit kleinen Speichern die gesamte Leistung des Netzes praktisch minütlich optimiert werden."

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