Wirtschaft und Gesellschaft / Archiv /

Porsche weiterhin im Visier

Staatsanwaltschaft weitet Ermittlungen wegen Marktmanipulationen aus

Von Michael Brandt

Hintergrund der Anklage und der Ermittlungen ist der Übernahmeversuch von Volkswagen durch Porsche im Jahr 2008.
Hintergrund der Anklage und der Ermittlungen ist der Übernahmeversuch von Volkswagen durch Porsche im Jahr 2008. (AP)

Dass Ferdinand Piech bei der Übernahmeschlacht Porsche gegen Volkswagen als Sieger hervorging, verdankte er einem gelungenen Schachzug. Der aber bringt ihm nun Ärger ein: Seit heute ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart auch gegen die Porsche-Aufsichtsräte.

Am Vormittag bestätigte Jan Dietzel, Sprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart dem Deutschlandfunk, dass die Behörde die Ermittlungen wegen Marktmanipulation gegen Porsche-Verantwortliche ausgeweitet hat:

"Ich kann Ihnen bestätigen, dass die Staatsanwaltschaft Stuttgart ein Ermittlungsverfahren führt gegen alle Mitglieder des Aufsichtsrate sowie gegen einen Mitarbeiter der Porsche Automobil Holding SE wegen des Verdachts der Beihilfe zur Marktmanipulation. Maßgeblich ist dabei das Jahr 2008."

Laut Geschäftsbericht mit Stand Ende Juli 2008 gehörten dem Aufsichtsrat damals Ferdinand Piech und Wolfgang Porsche an, außerdem Betriebsrat Uwe Hück sowie Hans Baur, Ulrich Lehner, Wolfgang Leimgruber, Hans Michel Piëch, Ferdinand Oliver Porsche, Hans-Peter Porsche, Hansjörg Schmierer, Walter Uhl und Werner Weresch.

Bei dem Mitarbeiter handelt es sich um den früheren Porsche Sprecher Anton Hunger.

Dietzel erklärte weiter, dass die Ermittlungen die Folge der Ermittlungen gegen Ex-Porsche Chef Wendelin Wiedeking und Finanzvorstand Holger Härter sind, die die Staatsanwaltschaft im Dezember vor dem Landgericht Stuttgart wegen Marktmanipulation angeklagt hatte:

"So ist es, schon zu erkennen an dem Vorwurf der Beihilfe zur Marktmanipulation, Gehilfe gewesen zu sein, nicht aber der Haupttäter."

Die Anklage im Dezember war das Ergebnis von mehr als einjährigen Ermittlungen gegen Wiedeking und Härter. Zunächst war wegen Untreue und Marktmanipulation in 15 Fällen ermittelt worden, am Ende fiel der Anklagepunkt Untreue weg und es ging um Marktmanipulation in fünf Fällen. Die Behörde wirft beiden vor, so Staatsanwältin Claudia Krauth:

"Dass in öffentlichen Erklärungen des Unternehmens, die von den beiden Angeschuldigten verantwortet wurden, in Bezug auf den Beteiligungserwerb bei der Volkswagen AG unrichtige Angaben gemacht wurden."

Hintergrund der Anklage und der Ermittlungen ist der Übernahmeversuch von Volkswagen durch Porsche im Jahr 2008. Wiederking und Co. hatten damals versucht, über Beteiligungen die Kontrolle über den Volkswagen Konzern zu bekommen. Die Übernahme war am Ende wegen der Finanzmarktkrise gescheitert und Volkswagen hatte stattdessen Porsche übernommen. Die Marke wird jetzt nach und nach in den Wolfsburger Konzern integriert.

Die Transaktionen der Porsche Manager, die stets betont hatten, dass sie mit Rückendeckung des Aufsichtsrats agierten, hatten zu einem Kurssprung der Volkswagen Aktie geführt, die bei vielen Investoren zu erheblichen Verlusten geführt hatten.

Die neuerlichen Ermittlungen wurden aufgenommen, bevor die fünfjährige Verjährungsfrist für Marktmanipulation abgelaufen ist. Wegen des Komplexes läuft bereits seit einigen Monaten ein erstes Verfahren vor dem Landgericht Stuttgart gegen Finanzchef Holger Härter; ein zweites Verfahren gegen Wiedeking und Härter wird möglicherweise demnächst eröffnet; weitere Verfahren gibt und gab es vor dem Landgericht Braunschweig sowie in den USA, wo 26 Fondsgesellschaften dem Konzern ungerechtfertigte Bereicherung und Betrug vorgeworfen hatten.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Wirtschaft und Gesellschaft

SendereiheAm russischen Faden?

Der Kreml in Moskau

Viele waren Teil der Sowjetunion. Dem Ostblock gehörten sie alle an: die Länder Osteuropas von Estland bis Bulgarien, von Ungarn bis Moldau. Die historische und wirtschaftliche Verbindung zu Russland ist geblieben. Und stellt diese Länder in Zeiten der diplomatischen Probleme mit Russland vor Herausforderungen.

WüstenstromAfrika denkt um

Wüstenlandschaft am Simeonskloster bei Assuan

In jüngster Zeit haben einige deutsche Unternehmen die Initiative Desertec verlassen, die Solarenergie in der sonnenreichen afrikanischen Wüste gewinnen und nach Europa transportieren will. In Afrika hat das Projekt zu einem Umdenken geführt, denn der Energiebedarf des Kontinents ist riesig.

Rüstung"Es kann keinen Export um jeden Preis geben"

Leopard-Panzer

Bereits im Portfolio der saudischen Streitkräfte ist der Eurofighter von der Airbus-Rüstungssparte, der unter anderem in Ingolstadt hergestellt wird. Bernhard Stiedl von der IG Metall Ingolstadt fordert im Deutschlandfunk eine weltweite Harmonisierung der Exportrichtlinien.