Wirtschaft und Gesellschaft / Archiv /

 

Portugiesische Fluggesellschaft wird versteigert

Der einzige bekannte Bieter kommt aus Brasilien

Von Tilo Wagner

Flugzeuge der TAP Portugal
Flugzeuge der TAP Portugal (picture alliance / dpa /Jose Sena Goulao)

Portugal unterliegt einem harten Sparkurs. Auch die Privatisierung von Staatsunternehmen soll Geld in die klammen Staatskassen spülen. Noch in diesem Jahr will man sich von der Fluggesellschaft TAP trennen. Der einzige bekannte Bieter ist der brasilianische Unternehmer Germán Efromovich.

Der Privatisierungsprozess der portugiesischen Fluggesellschaft TAP verlief alles andere als optimal. Obwohl mehrere große europäische Fluggesellschaften, darunter auch die Lufthansa, zu Beginn des Verkaufsverfahrens ihr Interesse bekundet hatten, gibt heute nur ein Investor ein verbindliches Angebot ab: Der brasilianische Unternehmer Germán Efromovich, der seit 1998 Besitzer einer kleinen brasilianischen Fluggesellschaft ist. Sein Mischkonzern Synergy Group, den er 2003 zusammen mit seinem Bruder José gründete, hat in den vergangenen Jahren die marode kolumbianische Fluggesellschaft Avianca und andere südamerikanische Airlines aus Ecuador und Peru übernommen. Mit dem Kauf der TAP will der 62-jährige Unternehmer nun den Schritt in den europäischen Markt wagen:

"Die TAP ist die beste verfügbare Fluggesellschaft, die zur Zeit zum Verkauf angeboten ist. Die TAP deckt geografisch ein interessantes Gebiet ab, sie ist wie unsere südamerikanische Fluggesellschaft Mitglied der Star Alliance und sie fliegt ähnliche Flugzeuge. Mit der TAP können wir sehr interessante Verbindungen zwischen Südamerika, Europa und Afrika schaffen. Außerdem hat die TAP die richtige Größe. Sie ist nicht zu klein und nicht zu groß."

Ob Germán Efromovich überhaupt einen einzigen Cent an die portugiesische Regierung überweisen wird, ist bisher unklar. Schließlich würde der brasilianische Unternehmer eine Schuldenlast von rund 1,2 Milliarden Euro für eine Flotte von 71 teilweise überalterten Flugzeugen übernehmen. Efromovich hat bereits Ideen, wie er die Sanierung der TAP finanzieren will:

"Einen Teil des Unternehmens könnten wir an die Börse bringen, um an frisches Kapital zu kommen. Schließlich müssen wir die Flugzeugflotte modernisieren und auch in andere Bereiche viel Geld investieren."

Eigentlich dürfen nicht-europäische Investoren laut EU-Regelung nur 49 Prozent einer europäischen Fluggesellschaft besitzen. Doch Efromovich hilft seine Familiengeschichte, um die Marktbeschränkungen der europäischen Luftfahrt zu umgehen. Seine jüdischen Eltern stammten aus Polen und flohen nach dem Zweiten Weltkrieg nach Südamerika . Jetzt hat der Brasilianer einen polnischen Pass beantragt.

"Das ist kein billiger Kartentrick. Ich bin nach polnischem Staatsbürgerecht ein echter Pole. Und deshalb haben wir auch kein Problem mit den europäischen Regelungen. Denn ich bin Europäer."

Bis zum Jahresende, also noch in den nächsten Tagen, will die portugiesische Regierung Efromovichs Angebot prüfen. Die Privatisierung ist in Portugal sehr umstritten. Kritiker befürchten, dass viele Flugrouten nach Portugal gestrichen werden, wenn der hoch verschuldete Airliner in die Hände von ausländischen Investoren fällt. Für den Tourismus, der in dem Land am südwestlichen Rand Europas eine große Rolle spielt, hätte das weitreichende negative Folgen. Dem Staat bleibt noch eine Notbremse: Wenn das Projekt von Germán Efromovich die Interessen Portugals nicht ausreichend schützen sollte, kann Lissabon den Privatisierungsprozess jederzeit stoppen.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Wirtschaft und Gesellschaft

WarnstreikBahn bemüht sich um Schadensbegrenzung

Rangierbahnhof, Eisenbahn, Deutsch Bahn, Güterverkehr, Frachtverkehr, Güterwagen, Bahnhof, 

Die Lokführergewerkschaft GDL hat ihre Mitglieder zum Warnstreik aufgerufen, die Bahn bereitet indes Schadensbegrenzung vor. Drei Stunden lang, bis 21 Uhr, soll gestreikt werden. Vor allem den Güterverkehr wolle man treffen. Doch die Maßnahme wird auch der Personenverkehr spüren.

RusslandEU-Kommission prüft weitere Sanktionen

Ukrainisch-russischer GasstreitVermittler mit eigenen Interessen

EU-Energiekommissar Günther Oettinger während einer Pressekonferenz am 24. Juni 2014 in der EU-Kommission in Brüssel, Belgien

Im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine geht es auch um Gas. Gestritten wird vor allem um ukrainische Schulden beim russischen Konzern Gazprom. Die EU hatte - nicht ohne Eigennutz - versucht, im Konflikt zu vermitteln. Bisher ohne Erfolg. Jetzt will EU-Energiekommissar Oettinger in Moskau einen neuen Anlauf unternehmen.