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StartseiteUmwelt und VerbraucherPro oder contra Atomkraft23.12.2010

Pro oder contra Atomkraft

Geldanleger tun können

Deutsche Banken unterstützen die Kernenergiebranche mit Krediten, Anleihen und dem Kauf von Aktien.. In welchem Umfang Geldinstitute die Atomwirtschaft finanzieren und wie Verbraucher darauf reagieren können, hat jetzt die NGO Urgewald untersuchen lassen.

Von Philip Banse

Die umstrittene Atomkraft wird auch mit Hilfe von Anlegern gefördert. (AP)
Die umstrittene Atomkraft wird auch mit Hilfe von Anlegern gefördert. (AP)

"Die Idee dahinter ist relativ simpel: Es gibt immer mehr Menschen in Deutschland, denen ethischer oder umweltbewusster Konsum wichtig ist. Die Menschen gehen im Bioladen einkaufen oder sie schauen, ob sie nicht den Stromanbieter wechseln und wir haben uns gedacht: Gut, man sollte das noch einen Schritt weiter führen und schauen, bei welcher Bank man sein Konto hat. Denn die Banken sind ein wichtiger Stützpfeiler der Atomwirtschaft und versorgen sie mit Geld.",

sagt Heffa Schücking, Geschäftsführerin von Urgewald. Die Umweltorganisation hat untersuchen lassen, mit wie viel Geld deutsche Banken die internationale Atomwirtschaft unterstützen. Dazu haben Urgewald und andere Umweltorganisationen wie Greenpeace 80 Unternehmen der Atomwirtschaft ausgewählt. Sie sollen den gesamten Kreislauf abdecken: vom Uranabbau bis zur Verwaltung des radioaktiven Atommüll. Das niederländische Forschungsinstitut Profundo hat dann untersucht, welche Banken diese 80 ausgewählten Unternehmen der Atomindustrie in welchem Umfang unterstützen: mit Krediten etwa, aber auch durch den Besitz von Aktien. Untersuchter Zeitraum: 2000 bis 2009. Ergebnis:

"An Stelle eins steht die Deutsche Bank. Sie ist genauso radioaktiv wie alle anderen deutschen Banken zusammen und hat die Atomindustrie in den letzten Jahren mit über 7,8 Milliarden Euro versorgt."

Die Deutsche Bank finanziere vor allem den Energieriesen EON und den französischen AKW-Betreiber EDF. Außerdem habe sich die Deutsche Bank an einem Kredit beteiligt, mit dem der Uranabbau in Afrika ausgebaut werden solle.

Platz zwei belegt demnach die Commerzbank. Knapp vier Milliarden Euro habe das Frankfurter Institut in den letzten neun Jahren die Atomindustrie investiert. Die Commerzbank sei etwa der größte Finanzdienstleister des größten deutschen AKW-Betreibers EON. Auf Platz drei landete die UniCredit/HVB, die 2,3 Milliarden Euro investiert hat, unter anderem in EON, den italienischen Energiekonzern Enel und den deutschen Brennstoffhändler Nukem. Auf den weiteren Plätzen folgen die Postbank und zahlreiche Landesbanken, also auch Sparkassen. Urgewalt weist darauf hin, dass nur Investitionen in 80 Firmen der Atomindustrie untersucht wurden, die tatsächlich investierten Summen also wesentlich höher sein dürften.

Der Deutschlandfunk hat die drei erstplatzierten Banken per Email um Stellungnahme gebeten. Die Deutsche Bank teilte telefonisch mit, das Geldinstitut sei sich der der Auswirkungen seines Handelns "bewusst". Deutsche Banksprecher Klaus Winker sagte, er empfinde die Finanzierung der Atomwirtschaft nicht als Makel. Kritiker führen an, dass der Uranabbau in Afrika negative soziale und ökologische Folgen habe. Auf die Frage, ob die Deutsche Bank dafür eine Mitverantwortung trage, sagte der Deutsche Bank Sprecher: "Dazu will ich mich nicht äußern." Die von Urgewalt errechneten 7,8 Mrd. Euro Investitionen in die Atomindustrie wollte der Sprecher der Deutschen Bank nicht kommentieren. Die Commerzbank teilte telefonisch mit, sie wolle die Studie generell nicht kommentieren. UniCredit/HVB hat auf die Anfrage gar nicht reagiert. Heffa Schücking von Urgewald ist überzeugt, dass ihre Zahlen stimmen. Urgewalt habe den Banken die Zahlen vorlegt, niemand habe sie in Zweifel gezogen:

"Es gab ein Treffen, wo wir die Hauptrecherche-Ergebnisse vorgestellt haben. Die Tabellen mit den einzelnen Finanzierungen, die stattgefunden haben für jede Bank. Das kannten die Banken vorher, hätten also auch die Gelegenheit gehabt, Korrekturen anzumerken, falls tatsächlich in einer der Datenbanken falsche Angaben gewesen wären. Das haben sie nicht gemacht. Bisher hat keiner diese Zahlen in Zweifel gezogen."

Bankkunden, die nicht wollen, dass mit ihrem Geld die Atomwirtschaft unterstützt wird, sollten die Bank wechseln, sagt Heffa Schücking.

"Es gibt in Deutschland zum Beispiel vier Banken, die ganz explizit jede Zusammenarbeit mit der Atomwirtschaft ausschließen. Das sind die GLS Bank, die Umweltbank, die Ethikbank und die Triodos Bank."

Alle vier dieser alternativen Bank böten Möglichkeiten zur Geldanlage. Ein Girokonto böten allerdings nur GLS Bank und Ethikbank.

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