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Putins Prestigeprojekt

Olympia wird in Sotschi zum Umweltsünder

Von Stephan Laack

Olympia in Sotschi: Die veranschlagten Kosten liegen mit fast 24 Milliarden Euro beim Zehnfachen der Spiele von Vancouver.
Olympia in Sotschi: Die veranschlagten Kosten liegen mit fast 24 Milliarden Euro beim Zehnfachen der Spiele von Vancouver. (AP)

Im russischen Sotschi am Schwarzen Meer werden zurzeit die Olympiabauten für die Winterspiele 2014 aus dem Boden gestampft. Und leider zeigt sich dort: Wenn olympische Scheckbücher gewedelt werden, bleibt die Umwelt schnell auf der Strecke.

Ski-Europacup der Herren im Abfahrtslauf in Sotschi: Strahlend blauer Himmel – tief verschneite Berge. Die besten Nachwuchsfahrer Europas testen die neue Olympiapiste. Drei Jahre vor den Winterspielen in Russland geht der Bau von Sportstätten und Verkehrsinfrastruktur mit großem Tempo voran. IOC-Mitglied Jean-Claude Killy stellte zufrieden fest:

"Wir sehen hier Fortschritte, die unglaublich sind. Vize-Regierungschef Kosak hat mir mitgeteilt, dass 40 Prozent aller Bauprojekte abgeschlossen sind. Ende des Jahres werden es 75 Prozent oder sogar mehr sein. Es ist das größte Vorhaben in der Geschichte der modernen olympischen Spiele. Wir haben die Spiele einem Land gegeben, in dem 80 bis 85 Prozent aller Einrichtungen neu gebaut werden müssen."

Entsprechend teuer wird das Mega-Unterfangen – die veranschlagten Kosten liegen mit fast 24 Milliarden Euro beim zehnfachen der Spiele von Vancouver. Neben einigen privaten Investoren kommt vor allem die Regierung dafür auf. Gelder dafür sind auf staatlicher Seite vorhanden – handelt es sich doch um das Prestigeprojekt von Premier Putin, der sich für die Spiele in Sotschi stark gemacht hatte. Mittlerweile sind die alpinen Skistrecken im Gebiet Krasnaja Poljana fertig gestellt, die anderen Stadien und Wettkampfstrecken etwa für Langlauf und Biathlon nehmen Gestalt an.

Am Sichtbarsten sind die Fortschritte jedoch in der Imeretinskaja Bucht - dort, wo der Olympiapark mit insgesamt sechs Stadien entsteht. Die große Eishockeyarena mit 12.000 Sitzplätzen erhält derzeit seine Glasdachkonstruktion. Ebenfalls schon deutlich zu erkennen sind die Konturen des Stadions für Eiskunstlauf. Im Winter 2013 sollen alle Sportstätten einsatzbereit sein, dann finden in sämtlichen Disziplinen Wettkämpfe auf Weltcup-Niveau statt.

Auch wenn der Zeitplan nun allem Anschein nach eingehalten werden kann – die Vorbereitungen in Sotschi kamen zunächst schwer in Gang. Unverändert machen Berichte über Korruption, explodierende Kosten und Umweltschäden die Runde. Drei Mal wurde der Chef des staatlichen Olympia-Bauers Olimpstroi ausgewechselt.

Im vergangenen Jahr kündigte die Umweltschutzorganisation WWF ihre Zusammenarbeit mit Olimpstroi auf. Ihre Vorschläge seien nicht befolgt worden. Wladimir Kremer vom WWF führt dies auch auf den großen Zeitdruck zurück.

"Es gibt Standards für die Bauarbeiten an ökologisch sensiblen Orten. Diese werden aber nicht eingehalten. Wenn die olympischen Sportstätten in nur drei bis fünf Jahren gebaut werden müssen, ist es fast unmöglich, alle gesetzlich vorgeschriebenen Verfahren zu befolgen."

Dmitri Kopzow von der lokalen Umweltschutzorganisation Ökologische Wacht Nordkaukasus berichtet fast täglich von kleinen und großen Umweltsünden, die beim Bau der olympischen Stätten begangen werden. Am gravierendsten sei die Situation am Fluss Msymta – eine der wichtigsten Ressourcen für die Wasserversorgung von Sotschi. Entlang des Flusses werden zurzeit Straßen und Eisenbahntrassen gebaut. Abwasser und Bauschutt, der bei den Tunnelbauarbeiten entsteht, sei in wichtige Nebenflüsse geschüttet worden.

"Diese Abfälle sind sehr giftig, weil beim Tunnelbohren viele chemische Stoffe verwendet werden. Das stellt eine große Gefahr dar und es passierte zudem in einem Teil des Nationalparks, was gesetzeswidrig ist. Bislang gab es diese Verunreinigung nur an einigen Stellen, sollte es aber in größerem Ausmaß geschehen, wäre dies eine Katastrophe für die Stadt."

Für Dmitri Kopzow ist es absurd, von grünen Spielen in Sotschi zu sprechen. Hoffnung auf eine Verbesserung der Situation hat er nicht – wichtige Teile des dortigen Nationalparks seien bereits unwiederbringlich zerstört – der Preis für olympische Winterspiele im UNESCO Weltnaturerbe Westkaukasus zu hoch.

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