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Seit 02:07 Uhr Kulturfragen
StartseiteSprechstundeLeberzysten 19.08.2014

Radiolexikon Gesundheit Leberzysten

Leberzysten sind flüssigkeitsgefüllte Hohlräume im Lebergewebe oder auf dem Organ. Sie treten in der Regel einzeln auf und sind wenige Millimeter bis Zentimeter groß. Meist sind sie angeboren, in seltenen Fällen entstehen sie auch durch äußere Einflüsse - zum Beispiel durch einen Schlag.

Von Andrea Westhoff

Der Name, abgeleitet vom griechischen cystis – Blase, sagt es schon: Leberzysten sind flüssigkeitsgefüllte Hohlräume im Lebergewebe oder auf dem Organ. Sie treten meist einzeln auf und sind wenige Millimeter bis Zentimeter groß. Wie es dazu kommt, erklärt Professor Bertram Wiedenmann, Spezialist für Lebererkrankungen an der Berliner Charité:

"Einmal können sie angeboren sein und dann mit zunehmendem Alter auch an Größe zunehmen; die zweite Variante ist die, dass sie ganz selten durch einen Schlag von Außen, also ein Trauma, ausgelöst werden können. Ganz selten können sie auch mal durch einen Tumor bedingt sein, und als Letztes gibt es dann auch die Möglichkeit, dass Parasiten, zu solchen zystischen blumenkohlartigen Hohlräumen führen können."

Gemeint sind hier der Fuchs- oder der Hundebandwurm, dessen Eier beziehungsweise Larven über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden. Von dort gelangen sie über das Blut in die Leber, wo sie zu relativ großen Leberzysten führen können. Aber, fügt Professor Wiedenmann gleich hinzu:

"Die meisten Zysten sind so klein – auch wenn sie in größerer Zahl vorliegen –, dass man sie nicht merkt. Und dass sie auch den Patienten nicht verunsichern sollten, der hat damit die gleiche Lebenserwartung wie jeder Andere."

Etwas anderes ist die "Zystenleber"

"Die angeborene Zystenleber führt dazu, dass das Organ immer größer wird und irgendwann seine Funktion verliert, zudem aber auch für die Patienten zu erheblichsten Beschwerden führt, weil einfach dieses riesige Organ überall hindrückt, und dann muss man sehen, dass man diese Zysten entlastet und irgendwann diese Patienten sogar im Extremfall transplantieren muss."

Gutartige Leberzysten wachsen sehr langsam

Aber noch einmal: Die Zystenleber ist eine eigenständige Erkrankung, nicht zu verwechseln damit, dass jemand Leberzysten hat. Bei denen empfehlen Ärzte, sechs oder zwölf Monate nach dem ersten Befund nachzuschauen, ob sie größer geworden sind. Gutartige Leberzysten wachsen sehr langsam und "entarten" auch nicht, das heißt, sie wandeln sich nicht in bösartige Gewebeveränderungen um. Ansonsten muss man sich eigentlich erst wieder darum kümmern, wenn Beschwerden auftauchen:

"Also meist sind die ersten Beschwerden ein Druckgefühl im rechten Oberbauch, und das ist natürlich ein größenabhängiges Geschehen, die Zysten können auch mal auf den Gallengang drücken, so dass dann der Patient – was ganz selten ist – sich über eine Gelbsucht wundert; ein weiteres Beschwerdebild kann sein, dass diese Zysten sich auch mal infizieren können."

Dann hat der Patient in der Regel Fieber und spezielle Entzündungszeichen im Blut. Auch sonst können Leberzysten sehr gut und differenziert diagnostiziert werden:

"Also das einfachste und kostengünstigste Verfahren ist der Ultraschall, der Ultraschall erlaubt einem auch zu erfassen, ob diese Zyste normale Flüssigkeit enthält oder infiziert ist. Klar ist, wenn man den dringenden Verdacht hat, dass es ein Tumor sein könnte, dann heißt es einmal, dass man versucht, diese Veränderung für den Pathologen durch eine Biopsie zu sichern, man muss aber vorsichtig sein, wenn man nur den geringsten Verdacht hat, dass es ein Bandwurm sein könnte, dass man dann in diese Veränderung hinein sticht, weil man dabei diese Keime im Bauchraum verschleppen kann und dies für den Patienten fatal wäre."

Aber, beruhigt Professor Wiedenmann, man kann mit den bildgebenden Verfahren die verschiedenen Gewebeveränderungen schon an der Form erkennen: Die harmlosen Zysten sind einzelne, glatte, runde Bläschen und unterscheiden sich deutlich von Lebertumoren oder auch von Bandwurmzysten; die werden größer, treten meist zu mehreren auf und sehen "blumenkohlartig" aus.

Was tun bei Leberzysten?

Was muss oder kann man nun tun bei Leberzysten? Dazu Professor Johann Pratschke, Leiter der Allgemeinen Chirurgischen Klinik der Charité und Spezialist für Leberoperationen:

"Bösartige muss man natürlich operieren, aber wir klassifizieren auch Leberzysten, die beispielsweise durch Parasiten verursacht werden, in gewisser Weise auch als bösartig, weil sie sich manchmal wie ein bösartiger Tumor verhalten. Und wir sagen von chirurgischer Seite: Eine Zyste, die die Lebensqualität einschränkt, da muss man überlegen, ob man die operiert oder mit anderen Kollegen einer anderen Therapie zuführt auch."

Solch eine andere, nicht-operative Therapie ist das Absaugen der Flüssigkeit aus der Zyste. Das wird per Computertomografie kontrolliert, und anschließend verödet man die Zyste mittels einer speziellen chemischen Lösung. Aber die Erfolgsrate liegt nur bei etwa 50 Prozent. Deshalb muss man auch bei gutartigen Zysten, die Probleme machen, letztlich "unters Messer". Meistens aber ist das keine große Bauchoperation:

"Wir versuchen das natürlich mit der Schlüsselloch-Chirurgie, mit der minimalinvasiven Chirurgie, das heißt kleine Schnitte, aber im Körper, im Bauch ist die Operation dann dieselbe: Sie können die Zyste als Ganzes entfernen mit dem umgebenden Lebergewebe, sie können allerdings auch die Zyste sozusagen wie ein Haus "entdachen", damit würde die Flüssigkeit aus der Zyste abfließen, sie müssen aber so einen kleinen Docht in die Zyste legen, damit das nicht wieder zuwächst, dafür nimmt man meistens körpereigenes Fettgewebe im Bauch und legt das wie einen Docht oder Schwamm in diese Zyste hinein."

Da die Leber stark durchblutet ist und viele lebenswichtige Stoffwechselfunktionen hat, sind alle Operationen an diesem Organ keine Banalität.

"So eine Operation gehört natürlich in erfahrene Hände, aber, die Leberchirurgie ist in den letzten 20 Jahren eine sehr sichere Chirurgie geworden. Komplikationen, die wir früher erlebt haben, gibt es heute kaum mehr; aber natürlich: Jede Operation hat Risiken, auch bei der Leberzystenentdachung. Es kann zu Nachblutungen kommen, es kann zum Austritt von Galleflüssigkeit kommen, dass aber eine Leber danach in ihrer Funktion komplett versagt, das kann man fast ausschließen."

Wegoperierte Zysten können wiederkommen

Aber auch wenn der Eingriff unproblematisch verläuft und minimalinvasiv durchgeführt wird, gehört doch eine Vollnarkose dazu und drei bis vier Tage Krankenhausaufenthalt. Und die "Krankenzeit" insgesamt beträgt schon zwei bis drei Wochen. Ist man die Zysten, wenn sie einmal wegoperiert wurden, dann wenigstens für immer los? "Leider nicht", sagt der Chirurg, Professor Johann Pratschke von der Charité:

"Weil leider Zysten die Tendenz haben, wenn sie einmal entstanden sind, immer wiederzukommen. Natürlich kommen sie dann aber mit einer kleinen Größe wieder, und es dauert sehr lange, bis sie die ursprüngliche Größe erreicht haben."

Und vorbeugen kann man der Zystenbildung leider auch nicht, fügt der Leberspezialist Professor Bertram Wiedenmann hinzu:

"Ja, der Laie denkt immer, dass er mit Ernährung viel erreichen kann, Fakt ist, dass Ernährung dabei keine Rolle spielt, und man kann auch denen, die etwas mehr Alkohol trinken, trotzdem sagen, dass der Alkohol sicherlich nicht zu diesen zystischen Veränderungen führt."

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