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StartseiteForschung aktuellRegen hopp, Verdunstung topp08.08.2007

Regen hopp, Verdunstung topp

Wie der Klimawandel den Spreewald austrocknet

Umwelt. - In Brandenburg liegt mit dem Spreewald ein einzigartiges Feuchtgebiet, das auch touristisch von großer Bedeutung ist. Die Kulturlandschaft mit einem über 1000 Kilometer großen Geflecht aus Wasserwegen und rund 300 Flussläufen ist Biosphärenreservat und erhielt vor sechs Jahren die Anerkennung der Unesco. In Folge des Klimawandels ist das in Europa einmalige Wald- und Wassergebiet von akuter Austrocknung bedroht - mit Folgen nicht nur für die berühmten Spreewaldgurken.

Von Volker Mrasek

Noch mildert abgepumptes Grundwasser vom Tagebau in der Lausitz die Wasserknappheit des Spreewalds. (AP)
Noch mildert abgepumptes Grundwasser vom Tagebau in der Lausitz die Wasserknappheit des Spreewalds. (AP)

"Das ist hier im Prinzip der Punkt, an dem der Spreewald beginnt und die Lebensader des Spreewaldes, die Spree, in das Gebiet fließt."

Ottfried Dietrich auf Inspektionstour. Der Ingenieur arbeitet im Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg östlich von Berlin. Jetzt steht er auf einem Stauwehr, etwa 70 Kilometer südöstlich der Bundeshauptstadt.

"Im weiteren Verlauf gliedert sich die Spree dann in immer mehr Fließe auf und verteilt das Wasser so in der Niederung."

Der Spreewald! Beliebtes Naherholungsgebiet der Berliner und Reiseziel für Touristen. In Kähnen und Kajaks erkunden sie das dichte Netz der Kanäle:

"Es ist ein sehr flaches Gebiet. Gekennzeichnet durch viele kleine landwirtschaftlich genutzte Flächen. Und dann immer wieder Gewässer mit Baumgruppen, die diese Landschaft im Prinzip gliedern."

Doch der Wissenschaftler interessiert sich nicht so sehr für den Bootsverkehr. Sein Ziel ist die Kernzone des Feuchtgebietes:

"Wir sind jetzt hier in der sogenannten Stauabsenkung Nord im Oberspreewald. Eigentlich mittendrin im Gebiet."

"Gut, also wir haben geschaut. Daten sind alle da. Alle ausgelesen. "

Auch Ralph Tauschke ist mit draußen im Gelände. Er betreut alle Versuchsflächen des Zentrums für Agrarlandschaftsforschung. An mehreren Stellen im Spreewald hat der Ingenieur automatische Datensammler installiert. Kontinuierlich erfassen sie den Wasserstand in den Kanälen und auf angrenzenden Grasflächen. Tauschke überträgt die Messdaten in seinen Laptop:

"So, das war's an der Stelle schon. Wir klappen einfach zu und gehen zum nächsten Punkt."

Der Spreewald liegt in einer klimatischen Risikozone. Ostdeutschland soll die allgemeine Erwärmung der Atmosphäre besonders stark zu spüren bekommen. Die Temperatur könnte im Mittel bis 2050 um ein ganzes Grad Celsius steigen. Deswegen befassen sich Experten wie Dietrich mittlerweile intensiv mit dem Wasserhaushalt des Feuchtgebietes. Nicht nur, dass die Sommerniederschläge zurückgehen sollen. Bei größerer Hitze verdunstet auch mehr Wasser in der Niederung:

"Wir haben in unseren Ergebnissen ausgerechnet, dass in mittleren Jahren die Verdunstung von heute zu 2050 um 30 Millimeter im Jahr ansteigt. Das hört sich nicht [nach] viel an. Aber bei der Fläche des Spreewaldes sind das über zehn Millionen Kubikmeter Wasser. Und wenn man das vergleicht mit dem Wasserverbrauch einer Großstadt, dann könnten Sie damit rund 250.000 Einwohner ein ganzes Jahr lang versorgen."

Es ist klar, dass das nicht ohne Folgen für den Spreewald bleibt:

"Es würden die Wasserstände tiefer absinken. Das Gebiet könnte in Bereichen seinen Feuchtgebietscharakter verlieren."

Im Moment fließen noch große Mengen Sümpfungswasser zusätzlich in die Spree. Das ist das Grundwasser, das die Braunkohlentagebau in der Lausitz ständig abpumpen müssen. Doch auch damit ist Schluss, wenn der Abbau in den nächsten Jahrzehnten endet. Das Wasser wird dann noch knapper werden. Auch in Berlin:

"Mit den geringen Zuflüssen der Spree sind in Berlin natürlich auch 'ne Menge Probleme verbunden. Es ist nicht so, dass dort das Flussbett austrocknen würde. Aber wenn nicht entsprechend sauberes Frischwasser immer wieder nachkommt, dann bekommt man irgendwann Gewässergüte-Probleme."

"Jetzt gucken wir nach, ob die Station richtig gerechnet hat. Und den Niederschlag aufgezeichnet hat, indem wir den noch mal kontrollieren mit einem Maßgefäß."

Ralph Tauschke und Ottfried Dietrich haben eine ihrer festen Wetterstationen im Gebiet erreicht. Ringsherum Schilfgras und Rohrkolben. Eine alte Weidefläche, kaum noch genutzt.

"So, also 100,3 Millimeter hat's geregnet im letzten Monat."

Inzwischen tut sich etwas an der Spree. Es gibt jetzt eine länderübergreifende Planungsgruppe. Sie soll Konzepte für die Wasserbewirtschaftung in einem heißeren Klima entwickeln. Geplant ist bereits, ein Tagebau-Restloch in einen zusätzlichen Wasserspeicher für den Fluss zu verwandeln.

Brandenburg hat daneben einen eigenen "Masterplan Spree" verabschiedet. Er sieht vor, den Fluss stellenweise zu renaturieren. So sollen etwa frühere Auen und Altarme wieder mit dem Hauptstrom verbunden werden. Damit das Wasserreservoir insgesamt wächst.

Im Spreewald selbst gibt es Überlegungen, das Wasser in den Kernzonen im Winter stärker aufzustauen. Um es dann in trockenen Sommern in gefährdete Randbereiche zu leiten. So soll das einmalige Feuchtgebiet dem Klimawandel trotzen.

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