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StartseiteSerengeti-TagebuchReisetagebuch Tag 530.11.2007

Reisetagebuch Tag 5

Vom Elefanten und Menschen

Heute verlassen wir die Serengeti und fahren in zwei Dörfer der Umgebung. Die Serengeti ist nicht nur der Nationalpark im Zentrum, sondern ein etwa noch einmal großes Gebiet drum herum, in dem inzwischen etwa zwei Millionen Menschen leben, in dem aber auch die Gnus und Zebras, die Löwen und Elefanten herumziehen. Zum Schutz des Ökosystems Serengeti gehört es also auch, einen fairen Ausgleich zwischen Anwohnern und Naturschutz zu erreichen.

Von Dagmar Röhrlich

Dagmar Röhrlich im Gespräch mit Bauern am Rand der Serengeti. (Holger Kroker)
Dagmar Röhrlich im Gespräch mit Bauern am Rand der Serengeti. (Holger Kroker)

Wessen Fahrzeug in der Serengeti streikt, der muß sich selbst helfen. (Holger Kroker)Wessen Fahrzeug in der Serengeti streikt, der muß sich selbst helfen. (Holger Kroker)Die Serengeti ist kein von der Umgebung abgenabeltes Schutzgebiet. Zwar dürfen die umliegenden Hirten ihre Herden nicht in den Park treiben, aber die Wildtiere ziehen auf ihren Wanderungen auch durch die benachbarten Dörfer. Außerdem führt die Hauptverkehrsstraße von Arusha nach Nairobi und zum Viktoriasee quer durch den Nationalpark. Dieser "Highway" ist zwar auch nur eine Schotterpiste, aber die ist relativ breit und gut in Schuß und deshalb auch für dortige Verhältnisse stark befahren. Kurz nach der Abfahrt kommen wir sogar in eine Art Stau. In einer Baustelle ist ein LKW nach einem Achsbruch im Straßengraben gelandet und versperrt die gesamte Fahrbahn. Der gesamte Verkehr muss runter von der Straße, über den unbefestigten Savannenboden rumpeln und hinter dem Havaristen wieder zurück auf die Fahrbahn. Wir mit unserem Geländewagen haben kein Problem damit, aber vor uns fährt hoch beladener Laster, der sich mühsam voranquält.

Elefanten verstehen keinen Spaß, wenn sich etwas in ihrem Weg befindet. (Dagmar Röhrlich)Elefanten verstehen keinen Spaß, wenn sich etwas in ihrem Weg befindet. (Dagmar Röhrlich)Glücklicherweise können wir ihn kurz darauf überholen und rauschen zum Ikoma-Tor des Nationalparks. Eigentlich dürfen wir als Gäste den Park nicht verlassen, aber Lukas Mubulu, mit dem wir unterwegs sind, hat vorgesorgt. Außerhalb des Parks sammeln wir noch Alais auf, einen Mitarbeiter der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft, der sich um eins der Dörfer, die wir besuchen, kümmert. Dann geht es über zunehmend schlechtere Straßen nach Bunchugu, einem hauptsächlich von den Wakuria bewohnten Dorf an der Nordwestgrenze der Serengeti. Die Wakuria sind Bauern und Viehzüchter und Bunchugu liegt unmittelbar an der Nationalparkgrenze. Für die Elefanten im Nationalpark sind die Felder von Bunchugu eine Verführung, der sie nur zu gerne nachgeben. Lukas erprobt mit den Bauern daher Methoden, mit denen die Dickhäuter abgeschreckt werden können.

Wir werden sehr freundlich empfangen. Der Ortsbürgermeister und eine ganze Abordnung der Bauern wollen mit uns reden. Einer von ihnen hat sein Sorghum-Feld für die Methode von Lukas zur Verfügung gestellt und ist von seinen Kollegen dafür ausgelacht worden. Denn die Abschreckung funktioniert ganz einfach mit Chilischoten. Tatsächlich hat es gewirkt und der Bauer hat zum ersten Mal seine Ernte einfahren können, Getreide für umgerechnet fünf Dollar. Dazu sollte man wissen, dass es selbst hier auf dem Dorf 40 Dollar im Jahr kostet, ein Kind in die Grundschule zu schicken.

Die traditionellen Lehmhütten prägen immer noch die Szenerie. (Holger Kroker)Die traditionellen Lehmhütten prägen immer noch die Szenerie. (Holger Kroker)Wir werden auf das Versuchsfeld geführt, vorbei an den Plünderspuren der Elefanten, die ganze Sisalpflanzen aus der Erde rupfen, um die wasserhaltigen Blätter auszulutschen. Das Feld ist der einzige Acker des Bauern, davon und von einer kleinen Rinderherde leben drei Generationen. Bis auf dieses Jahr hat er noch nie hat ernten können, weil die Elefanten alles auffraßen. Jetzt wollen die anderen Bauern die Chili-Waffe auch einsetzen. Es ist eine bestechend simple Methode – und die Bauern haben eine Chance, sie relativ schnell weitgehend mit eigenen Mitteln betreiben zu können, ohne dass der gnädige Westen ihnen dauernd unter die Arme greift. Der Besuch dauert wesentlich länger als gedacht, aus einer geplanten werden vier Stunden.

Hinweis: Das Hörfunkfeature "Grzimeks bedrohtes Erbe" können hier nachlesen.

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