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Respekt in allen Lebenslagen

"RespectResearchGroup" an der Uni Hamburg

Von Tillmann Bendikowski

Gegenseitiger Respekt ist auch im Beruf entscheidend
Gegenseitiger Respekt ist auch im Beruf entscheidend (AP)

Wer an Respekt denkt, denkt vielleicht nicht unbedingt sofort an Politik. Aber warum eigentlich nicht?

Wenn man sich die letzte Diskussion um den Bundespräsidenten anhört, dann kam immer wieder so ’ne Neigung hoch, dass man das Gefühl hatte, der Respekt vor dem Amt wurde verloren. Was das jetzt konkret heißt, ist glaube ich, dass man einfach dieses Amt für Machtspielchen missbraucht hat und im Prinzip die Würde und der Status, der diesem Amt zusteht, ihm eigentlich nicht mehr zugestanden hat und somit dieses Amt etwas ausgehöhlt hat.

Respekt vor dem Amt, Respekt vor den Mitmenschen – das sind Fragen, die den Hamburger Psychologen Niels van Quaquebeke umtreiben. Für ihn hat der Begriff nichts Antiquiertes, auch wenn er in den letzten Jahren ein wenig aus der Mode gekommen ist. Ausgesprochen aktuell seien etwa Fragen von Respekt bei der Analyse von Arbeitsbeziehungen, die der 26-Jährige für sein Dissertationsprojekt untersucht.

Also wenn ich zum Beispiel von meinem Chef respektiert werde, dann gibt es Studien dazu, dass ich mich dann auch mehr für das Unternehmen einsetze oder mehr für die Arbeitsgruppe einsetze.

Wirtschaft, Politik und alltägliches Leben – überall hat Niels van Quaquebeke Aspekte von Respekt ausgemacht, denen sich die Forschung bislang noch nicht ausreichend zugewendet hat. Deshalb hat er sich jetzt mit vier anderen Diplomanden und Doktoranden von der Uni Hamburg zusammengetan, um gemeinsam ihrem Interesse am Thema nachzugehen. Ihr Zusammenschluss nennt sich "RespectResearchGroup", eine selbstorganisierte Gruppe von Nachwuchswissenschaftlern, an deren Anfang eine gewisse Frustrationserfahrung stand. Etwa bei Valentin Heyde, der sich bei den Politikwissenschaftlern auf seine Diplomarbeit vorbereitet:

Ich hab’ mich, wie wahrscheinlich viele an der Uni, seit Jahren eigentlich immer in überfüllten Seminaren mit 80 Leuten wirklich unwohl gefühlt und kam immer sehr ins Grübeln, wenn meine Professoren erzählt haben, dass sie früher mit zwölf Leuten und ihren Professor irgendwie abends noch bei einem Wein zusammensaßen und ja, über die Welt philosophiert haben – und im Prinzip Forschung betrieben haben. Und das kam mir immer vor wie: Ach schade, hätte ich doch damals studiert.

Über mangelnde Kommunikation kann sich Valentin Heyde jetzt nicht mehr beklagen. Kernstück der gemeinsamen Arbeit sind die wöchentlichen Treffen, bei denen entweder organisatorische Fragen wie der inzwischen verwirklichte Internetauftritt besprochen werden, bei denen aber auch inhaltlich diskutiert wird.

Meist ist es so, dass jemand im stillen Kämmerlein eine Idee hat, eine neue Idee zum Respekt, das dann in der Gruppe vorstellt und dann zusammen diskutiert wird und einfach sehr sehr schnell das weitergetrieben wird. Entweder landet’s sofort im Papierkorb oder es ist was, was dann noch Monate später bei uns hier an der Wand hängt, und wo wir jeden Tag darauf gucken und denken, ja, die Richtung stimmt nach wie vor.

Bislang haben sich in der Forschungsgruppe Mitstreiter aus der Psychologie, den Wirtschaftswissenschaften, der Politologie und Soziologie zusammengefunden. Jetzt wirbt die Initiative dafür, dass auch Studierende und Promovierende aus anderen Fächern dazustoßen. Ein Anreiz dafür ist sicherlich die Erwartung, damit die eigenen Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Niels van Quaquebeke:

In unserem Fäll sähe es dann so aus, wenn man zu Respekt geforscht hat, dann kann man sich natürlich relativ gut im Bereich Beratung und Training, also nehmen wir jetzt Coaching oder nehmen wir Unternehmensberatung, in den unterschiedlichen Domänen ganz gut profilieren. Wenn man zum Beispiel sagt: Ich bin der Coach, der einfach die Forschung gemacht hat zu Respekt bisher.

Um den Praxisbezug ihrer Forschung zu demonstrieren, organisiert die Initiative im Mai während eines Kongresses für Wirtschaftpsychologie ein Forum, bei dem es um "respektvolle Führung" gehen wird. Für Niels van Quaquebeke zeichnet sich hier nur ein mögliches Einsatzgebiet für Respektforscher ab, viele andere ließen sich noch vorstellen:

Ein ganz anderes Beispiel ist die Politik. Also zu sagen, o.k., warum sind bestimmte Institutionen in der Politik wichtig, warum sollte man den Respekt von denen wahren, oder – wenn man das manipulativer machen möchte –, was für eine Media-Strategie muss ich als Kanzler fahren, damit die Bevölkerung noch Respekt vor mir hat?



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