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StartseiteUmwelt und VerbraucherRund 800 Millionen Tonnen CO220.12.2010

Rund 800 Millionen Tonnen CO2

Deutschlands Energiebilanz für das Jahr 2010

2010 wird der CO2-Ausstoß im Vergleich zum Vorjahr um circa vier Prozent steigen, prognostiziert Hans-Joachim Ziesing von der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen. Zwei Faktoren seien dafür entscheidend: die gute Konjunktur und das kalte Winterwetter.

Hans-Joachim Ziesing im Gespräch mit Theo Geers

Eine mit Schnee bedeckte Weltkugel (AP)
Eine mit Schnee bedeckte Weltkugel (AP)

Theo Geers: Kein Land präsentiert sich lieber und öfter als Vorreiter beim Klimaschutz als Deutschland, und bezogen auf unsere Wirtschaftskraft kann sich die deutsche CO2-Bilanz auch sehen lassen. Das ändert aber nichts daran, dass der CO2-Ausstoß weiter sinken muss. Heute Vormittag gab es nun erste Zahlen darüber, wie viel CO2 Deutschland in diesem Jahr ausstoßen würde. Errechnet wird das ganze von der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen, und deren Geschäftsführer, Hans-Joachim Ziesing, ist jetzt am Telefon. Guten Tag, Herr Ziesing.

Hans-Joachim Ziesing: Guten Tag, Herr Geers.

Geers: Herr Ziesing, auch wenn das Jahr noch nicht ganz herum ist, der CO2-Ausstoß dürfte in diesem Jahr wieder gestiegen sein. Was erwarten Sie und warum steigt er wieder?

Ziesing: Was wir erwarten ist nach ersten Schätzungen – das muss man schon dazu sagen -, dass die CO2-Emissionen, die energiebedingten CO2-Emissionen knapp vier Prozent steigen könnten, und es gibt zwei wesentliche Gründe dafür. Das eine ist die gute Konjunktur. Man muss bedenken, dass wir vermutlich in diesem Jahr ein Bruttoinlandsprodukt haben, das vielleicht 3,7 Prozent höher sein dürfte als im Vorjahr. Und dann hatten wir ein schrecklich kaltes Jahr, was man ja jetzt noch immer spürt. Beides zusammen hat dazu geführt, dass wir auch den Anstieg bei den CO2-Emissionen haben.

Geers: Wie viel CO2 stößt Deutschland denn eigentlich aus, wenn man das in absoluten Zahlen mal sagen kann?

Ziesing: Wenn man das mal so rundgerechnet nimmt – das schwankt natürlich auch immer mal ein bisschen von Jahr zu Jahr -, sind es rund gerechnet 800 Millionen Tonnen, also eine ganz erklägliche Menge.

Geers: Nun sagen Sie, der Wirtschaftsboom führt wieder zu steigenden Emissionen, auch das kalte Winterwetter sowohl Anfang dieses Jahres als auch jetzt aktuell. Nun steckten wir aber letztes Jahr alle in einer Wirtschaftskrise, damals ging der CO2-Ausstoß auch deutlich zurück. Wie ist denn dieser Wert plus vier Prozent, den Sie gerade genannt haben, jetzt einzuschätzen im Vergleich zu 2009 und 2008?

Ziesing: Zunächst einmal ist es richtig: Im vergangenen Jahr mit der Wirtschaftskrise sind die Emissionen deutlich zurückgegangen in einer Größenordnung von 6 bis 7 Prozent gegenüber 2008. Und wenn wir jetzt wieder einen Anstieg von knapp vier Prozent haben, liegen wir noch immer ein gutes Stück unterhalb des Wertes, den wir im Jahr 2008 gehabt haben. Das heißt, es ist von Dramatik im Moment nicht die Rede. Natürlich wäre es schöner, wenn es andauernd zurückginge, aber es ist nicht verwunderlich angesichts des Vorjahrestiefs, dass jetzt mit der anziehenden Konjunktur und bei den kalten Temperaturen es wieder zu einem Anstieg gekommen ist.

Geers: Aber wenn wir jetzt, Herr Ziesing, eine konjunktur- und wetterbedingte Trendumkehr haben, das heißt die CO2-Emissionen wieder steigen, und jeder umgekehrt weiß, dass der CO2-Ausstoß eigentlich sinken müsste – die EU will ja den Ausstoß gegenüber 1990 bis 2020 um 20 Prozent senken, Deutschland sogar um 40 Prozent, was auch so ein bisschen daran liegt, dass ja früher einmal die DDR-Wirtschaft zusammengebrochen ist, da ist uns einiges an CO2-Einsparungen in den Schoß gefallen -, aber dennoch gefragt, sind unsere Klimaschutzziele jetzt in Gefahr, wenn der Ausstoß wieder steigt?

Ziesing: Sie sind nicht in Gefahr, denn immerhin muss man bedenken, dass wir noch immer deutlich über dem Zielwert von 2008 für 2012 liegen. Da hatte Deutschland sich ja verpflichtet, bezogen auf die gesamten Treibhausgasemissionen eine Reduktion in einer Größenordnung von 21 Prozent zu haben, und wir liegen noch immer deutlich über diesem Wert. Insofern sind wir noch auf diesem Pfad, aber richtig ist, wenn wir auf die 40 Prozent minus kommen wollen, kann es nicht im nächsten Jahr und in den Jahren darauf zu weiteren Steigungen kommen. Es muss zu deutlichen Rückgängen der Emissionen kommen, sonst werden wir Probleme mit der Zielerreichung haben.

Geers: Das würde bedeuten, Herr Ziesing, dass sich Wirtschaftswachstum und CO2-Ausstoß stärker entkoppeln müssten?

Ziesing: Es müsste noch stärker entkoppeln, als in den vergangenen Jahren in der Tendenz schon war. Das ist völlig richtig. Wir brauchen eine höhere Energieproduktivität auch auf der einen Seite, um einfach, sagen wir mal, den Anstieg des Energieverbrauchs nicht zu haben, sondern das Gegenteil, einen Rückgang, und wir brauchen einen zunehmenden Anteil von erneuerbaren Energiequellen als emissionsfreie Energiequellen, wenn wir das Ziel erreichen wollen.

Geers: Danke schön! – Das war Hans-Joachim Ziesing, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen, über den Wiederanstieg beim CO2-Ausstoß in Deutschland in diesem Jahr.

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