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Säckeweise tote Bienen

Imker demonstrieren vor dem Bundeskanzleramt

Von Dieter Nürnberger

Mancherorts haben rund 30 Prozent der Völker den vergangenen Winter nicht überlebt.
Mancherorts haben rund 30 Prozent der Völker den vergangenen Winter nicht überlebt. (AP)

Massenhaft sind Bienen in Deutschland schwer erkrankt und werden den Winter möglicherweise nicht überleben. Bienenzüchter machen blütenarme Monokulturen auf den Äckern für das drohende Massensterben mitverantwortlich.

Es war vor allem auch eine lautstarke Demonstration - rund 100 Hobby- oder auch Berufsimker waren heute früh zum Berliner Kanzleramt gezogen, um auf die Problematik des zunehmenden Bienensterbens aufmerksam zu machen. Es wurden gleichzeitig rund 130.000 Unterschriften im Kanzleramt abgegeben. Die Unterschriften sind überwiegend im Internet gesammelt worden. Zudem wurden auch tote Bienen haufenweise vor dem Regierungssitz ausgeschüttet.

Der Befall von Bienen durch die Varroa-Milben ist ja inzwischen seit mehreren Jahren ein Problem, nicht nur in Deutschland, sondern auch international. Derzeit gilt da nur noch Australien als Ausnahme, ansonsten tritt das Problem weltweit auf. Mit drastischen Folgen, denn das Sterben der Bienenpopulationen erreicht jährlich stets eine Größe zwischen 10 und 30 Prozent. Zur Kundgebung gekommen war auch Julia Horst-Siehms, sie ist Hobby-Imkerin und somit auch selbst betroffen.

"Bei uns in Falkensee haben rund 30 Prozent der Völker den vergangenen Winter nicht überlebt. Normalerweise ist es auch so, dass sterbende Bienen bei ihrem Volk bleiben, jetzt ist es aber so, dass die Bienen nicht mehr zurückfinden. Wir erklären uns dies durch den Einsatz von Pestiziden. Das führt zu Orientierungsstörungen bei Bienen."

Umweltgruppen fordern deshalb schon seit längerem eine Reduzierung der eingesetzten Pestizide in der Landwirtschaft. Der Einsatz von chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln gilt für viele Experten als Hauptverursacher des Bienensterbens. Pestizide hätten nicht nur Auswirkungen auf Pflanzenschädlinge, sondern auch auf Bienen, Hummeln, größere Insekten und sogar auf Vögel. So fordern Umweltgruppen eine verstärkte staatliche Kontrolle des Pestizideinsatzes und auch härtere Strafen, wenn gegen Auflagen verstoßen werde. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland war heute auch mit unter den Demonstranten – Tomas Brückemann, Pestizid-Experte beim BUND.

"Wir haben gestern gemeinsam mit Greenpeace ein verbot der gefährlichsten Pestizide – der Neonikotinoide – gefordert. Pestizide schädigen die Bienen, Pestizide machen sie anfällig für die Varroa-Milben. Der BUND fordert, dass deutlich weniger Pestizide auf den Äckern eingesetzt werden. Zudem fordern wir eine Umkehr – hin zum ökologischen Landbau."

Neonikotinoide gehören zu einer neueren Stoffklasse von Insektiziden. Diese Mittel werden nicht direkt auf den Feldern gespritzt, sondern als sozusagen Saatgutbeize verwendet, so der BUND. Mit dem Wachstum durchdringen sie dann die gesamte Pflanze. Somit sind die Blätter vor Schädlingen geschützt.

Politische Unterstützung gab es heute vormittag auch von Bärbel Höhn, verbraucherpolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion.

"Mein Vater ist Hobbyimker, deswegen, weiß ich auch, dass das Problem des Bienensterbens schon länger existiert. Für mich ist der entscheidende Punkt, dass wir immer mehr Pestizide haben, die auch in das Immunsystem der Bienen eingreifen, es handelt sich also auch um hormonell wirkende Pestizide, die gerade dann, wenn die Brut der Bienen im Entstehen ist, in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Zum Schaden der Bienenvölker. Diese Pestizide müssen massiv reduziert werden, ansonsten werden wir das Bienensterben nicht aufhalten können."

Allerdings sei auch noch weitere Forschung von Nöten, um dem Bienensterben auf den Grund zu gehen. Im Wesentlichen aber machen die Demonstranten den Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln als Hauptgrund aus.

Die Ausbreitung der Milben lässt sich zudem durch den Einsatz von Ameisensäure zumindest etwas reduzieren. Im Grunde aber helfe vor allem eine andere, eine ökologischere Landwirtschaft, so die Ansicht der meisten Demonstranten hier in Berlin.

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