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Schreibtisch auf Zeit

Bürokonzept bietet neue Möglichkeiten für Freiberufler

Von Dana Sindermann

Zu Hause arbeiten ist für viele auf Dauer schwer.
Zu Hause arbeiten ist für viele auf Dauer schwer. (Stock.XCHNG / Cemal Kurtuluş)

Vom Studium direkt in die Festanstellung - so ein fliegender Wechsel ist heute alles andere als selbstverständlich. Viele Absolventen finden zunächst Arbeit in zeitlich begrenzten Projekten oder versuchen sich als Freiberufler. Als Arbeitsplatz dient dann meist das Home-Office. Ein eigenes Büro zu mieten erscheint in der Startphase zu riskant. Einen Schreibtisch auf Zeit gibt es nun in sogenannten Coworking Spaces.

Der Lastenaufzug, der früher Kisten und Paletten transportierte, befördert heute meist junge Leute. Viele von ihnen sind Berufseinsteiger. In dem Büro-Loft in der dritten Etage suchen sie sich einen Schreibtisch und stellen ihren Laptop auf. Die Arbeitsplätze lassen sich tage-, wochen- oder monatsweise mieten. Coworking Space nennen sich solch neuartige Büros. Das "Betahaus" in Berlin ist so eins. Christoph Fahle, einer der Gründer, hat, wie die meisten Nutzer, selbst erst kürzlich sein Studium abgeschlossen.

"Ich hatte mir eigentlich überlegt, wie können wir so frei und unabhängig wie in der Universität weiterarbeiten? In kleinen Gruppen, in Projekten, die sich nach drei Monaten wieder auflösen, und deswegen haben wir dann das Betahaus konzipiert."

Das Betahaus bietet rund 40 Arbeitsplätze. Von einfachen Böcken mit Holzplatte, über den massiven Schreibtisch, bis hin zum Gruppenarbeitsplatz. Regale und Pflanzen schaffen Nischen, insgesamt ist der Raum aber offen und bietet einen Küchenbereich sowie eine Sofa-Ecke. Die Nutzer finden hier sowohl Konzentration als auch Geselligkeit. Diese Atmosphäre schätzt auch Anne. Sie hat gerade ihr Magisterstudium beendet und arbeitet nun als freie Journalistin.

"Ich komm hierher, weil ich in den letzten Monaten hauptsächlich zu Hause gearbeitet hab und im Café, zum Beispiel, und das geht jetzt irgendwie nicht mehr, weil wenn man den ganzen Tag alleine so in seiner Küche sitzt oder stundenlang in irgendwelchen Cafés abhängt, das ist irgendwie nicht so ne gute Arbeitsatmosphäre, und ich glaub, da schafft man einfach mehr, wenn man so ein richtigen Büroplatz hat. "

Anne ist zum zweiten Mal im Betahaus. Ihr gegenüber arbeitet heute Cord.

Die Nutzer des Betahauses kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Buchhalter und Programmierer finden sich hier genauso wie die Architektin oder Designerin. Von dieser Vielfalt profitieren die Arbeitenden. Tonia Welter, aus dem Gründungsteam des Betahauses.

"Was halt spannend ist, ist dass die Leute anfangen, sich wirklich kennenzulernen und sich gegenseitig zu helfen. Also, sehr oft kommen hier über den Verteiler irgendwie Fragen, kennt jemand einen Grafiker, der Zeit hat, dieses Layout zu machen oder man spricht sich halt direkt an, geht zum Buchhalter rüber, wenn man irgendwie ne Steuerfrage hat, so was, und das ist halt auch die Idee dahinter, dass man sich halt auch gegenseitig unterstützt und professionalisiert."

Die Zahl der Selbstständigen in Deutschland steigt seit Jahren. Dass sich Arbeitsinfrastrukturen für Freiberufler bilden, wird dieser Entwicklung gerecht. Auch in Köln existiert ein Coworking Space, in weiteren deutschen Großstädten wurden Gründungen initiiert. Den Bedarf nach flexiblen Arbeitsplätzen erklärt Ernst Hoff, Professor für Arbeitspsychologie, damit, dass der Berufsweg auch nach dem Studium zunehmend ungeklärt ist.

"Es sieht heute so aus, dass erstmal eine Art Findungsphase eintritt, und in solchen Orientierungsphasen sind Leute phasenweise erwerbslos oder sie engagieren sich, sie steigen in solche Büros ein, mit irgend einer Idee für eine Freiberuflichkeit, für eine Solo-Selbstständigkeit. Sie versuchen vielleicht, andere zu gewinnen, beim Aufbau einer Firma. Also, der Übergang in die eigentliche Berufslaufbahn, wenn es denn eine solche kontinuierliche überhaupt gibt, der ist schwieriger geworden."

Wie seine Nutzer, steckt auch das Berliner Betahaus noch im Entwicklungsstadium. Die monatliche Miete von 100 Euro für einen Arbeitsplatz ist eine Art Laborpreis. In der verbesserten Büro-Landschaft, die im April zusätzlich eröffnet, wird sie leicht steigen. Die Entwicklung des Betahauses wird auch dann, denn wie der Name schon sagt, es ist eine Testversion, in jedem Fall weiter gehen.

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