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StartseiteForschung aktuellSchwitzende Dinosaurier11.11.2009

Schwitzende Dinosaurier

Neue Indizien für die Warmblütigkeit der Saurier

Paläontologie. - Fische, Amphibien oder Reptilien - sie alle sind Kaltblüter und wechseln ihre Körpertemperatur mit der Umwelttemperatur. Ob auch die Dinosaurier Kaltblüter waren, wird unter Paläontologen seit einigen Jahren heftig debattiert. Neueren biomechanischen Untersuchungen zufolge könnten zumindest die zweibeinigen Räuber Warmblüter gewesen sein.

Von Michael Stang

Kalt oder warm? Der Körperbau soll Antworten geben. (AP)
Kalt oder warm? Der Körperbau soll Antworten geben. (AP)

"Wie wollten herausfinden, ob sich bestimmte Dinosaurierarten mit einer kaltblütigen Physiologie fortbewegen konnten, oder ob sie warmblütig sein mussten, um überhaupt laufen und rennen zu können","

sagt Herman Pontzer von der Washington University im US-amerikanischen St. Louis. Studien an heute lebenden Tieren hatten gezeigt, dass die Energiekosten bei der Fortbewegung stark mit der Beinlänge korrelieren. Da Fossilien von Beinknochen vieler Dinosaurierarten vorliegen, untersuchte der Paläontologe den Knochen der Urzeitechsen.

""Interessanterweise können warmblütige Tiere im Gegensatz zu kaltblütigen zehnmal mehr Energie freisetzen. Wir haben daher Methoden entwickelt, mit denen wir berechnen können, wie hoch der Sauerstoffverbrauch der Dinosaurier beim Laufen und Rennen war. Übersteigt dieser Energiewert ein bestimmtes Level, kann ein untersuchtes Tier nicht kaltblütig gewesen sein, sondern es muss sich um einen Warmblüter handeln."

Pontzer und seine Kollegen berechneten, wie hoch der Sauerstoffverbrauch in den Beinmuskeln bei zweibeinigen Sauriern bei jedem Schritt war. Die rekonstruierten anatomischen Daten der Dinosaurier wie Muskelvolumen, Gewicht und Gelenkstellungen speisten die Forscher in ihre Modelle ein. Insgesamt wurden 14 Spezies untersucht, darunter auch der Urvogel Archaeopteryx und der Urzeiträuber Tyrannosaurus rex.

"Die Knochen und die Muskeln der Dinosaurier mussten bestimmte Vorgaben erfüllen, also die Tiere stützen, damit die aufrecht gehen konnten und bestimmte Laufgeschwindigkeiten aushalten. Die dazu notwendige Muskelmasse kann man zusammen mit detaillierten anatomischen Modellen anhand der Fossilien relativ einfach hochrechnen."

Anhand der Hüfthöhe lasse sich die Frage nach kalt- oder warmblütigen Dinosauriern mit einer Sicherheit von 98 Prozent beantworten. Der Grund, warum sie bei der Studie nur zweibeinige und nicht auch vierbeinige Dinosaurier analysiert haben, sei einfach, sagt Herman Pontzer. Bei Zweibeinern muss jedes Bein die notwendige Energie zum Laufen und Rennen aufbringen. Bei Vierbeinern hingegen gebe es große Unterschiede. Während etwa Hunde überwiegend die Vorderbeine einsetzen, benutzen Primaten meist die Hinter- und nicht die Vorderextremitäten. Die Ergebnisse waren eindeutig: Fast alle untersuchten Dinosaurier waren Warmblüter. Schon bei schnellem Gehen verbrauchten die großen zweibeinigen Saurier mehr Energie, als der Körper eines wechselwarmen Tiers überhaupt bereitstellen könnte.

"Überraschend für mich war, wie weit verbreitet Warmblüter bei den zweibeinigen Dinosauriern waren. Bei allen nun untersuchten Spezies, die zu Lebzeiten schwerer als 20 Kilogramm waren, können wir das eindeutig belegen. Bei leichteren Tieren können wir es zwar nicht beweisen, aber auch nicht definitiv ausschließen. Möglicherweise waren sie alle warmblütig und das ist schon eine große Überraschung."

Eine der untersuchten Spezies war auch der über 600 Kilogramm schwere Plateosaurus. Er lebte vor 220 Millionen Jahren und gehört zu den frühen Vertretern der Dinosaurier. Da er nun als Warmblüter gilt und diese Stoffwechselform weit verbreitet war, sei es nicht ausgeschlossen, dass die Urväter der Dinosaurier eine ebenfalls konstante Körpertemperatur besessen haben, vermutet Herman Pontzer.

Um Klarheit zu schaffen, wollen er und seine Kollegen demnächst auch vierbeinige Spezies untersuchen. Sie hoffen, damit Physiologie der ersten Dinosaurier endgültig auf die Schliche zu kommen.

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