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StartseiteCampus & KarriereSeminare elektronisch verwalten06.10.2005

Seminare elektronisch verwalten

Viele deutsche Unis greifen auf die Internetplattform Stud.IP zurück

Mit der Internetplattform Stud.IP kann man virtuelle Seminarordner erstellen und Sprechstunden übers Netz abhalten. Mittlerweile gibt es Stud.IP an über 50 Standorten in Österreich, der Schweiz und vor allem in Deutschland.

Von Ulrich Kurzer

Statt im Leitzordner werden Seminarunterlagen jetzt mit dem PC verwaltet. (Stock.XCHNG / Victoria Clare)
Statt im Leitzordner werden Seminarunterlagen jetzt mit dem PC verwaltet. (Stock.XCHNG / Victoria Clare)

Für den erfolgreichen Einsatz von Stud.IP an den Hochschulen kommt es vor allem darauf an, dass die Lehrenden bereit sind, diese Internetplattform einzusetzen. An der Universität Bremen hat man deshalb extra eine Beratung organisiert, um Berührungsängste abzubauen, berichtet Jens Bücking vom Bremer Zentrum für Multimedia in der Lehre:

"Viele sind darauf angewiesen, dass sie direkte Ansprechpartner haben, dass sie 'nen kurzen Draht haben und schnell Hilfe bekommen. Hochschullehrer stehen ständig unter hohem Zeitdruck und haben ständig Befürchtungen, dass sie hier mit Mehrarbeit konfrontiert werden."

Die Beratung geschieht meist per E-Mail und Telefon. Offensichtlich hat man damit Erfolg. Vor einem Jahr erst startete Stud.IP an der Uni Bremen und heute wird dort damit bereits ein Drittel aller Lehrveranstaltungen verwaltet. An über 50 Standorten in Österreich, der Schweiz, und vor allem in Deutschland, wird das Programm inzwischen angewendet. Viele große deutsche Universitäten greifen auf Stud.IP zurück, neben Bremen und Göttingen etwa Oldenburg, Halle, Freiburg, Gießen, Leipzig oder Hannover.

Ralf Stockmann vom Digitalisierungszentrum der Göttinger Unibibliothek war vor sechs Jahren an der Entwicklung der Software beteiligt. Er hat beobachtet, dass sich im Laufe der Jahre unter den Lehrenden verschiedene Benutzertypen herausgebildet haben:

"Das eine sind Dozenten, die das Ganze eigentlich nur als quasi virtuellen Seminarordner ansehen, das heißt, der Seminarordner, wo sie ihre eigenen Unterlagen reinstellen und wo die Hausarbeiten der Studierenden reingeheftet werden, wird ersetzt durch 'ne online-Variante wo man sich das bequem von zu Hause runterladen kann und ausdrucken wenn man's möchte."

Die überwiegende Zahl der Lehrenden wendet Stud.IP bisher nur in dieser Weise an. Weitergehende Möglichkeiten werden derzeit nur von einigen Dozenten genutzt, etwa eine virtuelle Sprechstunde oder der Chatroom in dem sie via Internet mit ihren Studierenden kommunizieren können.

Maria Rhode ist Historikerin und unterrichtet an der Universität Göttingen. So wie die meisten Lehrenden nutzt auch sie Stud.IP bislang in erster Linie, um ihre Seminare zu verwalten. Von Ihrem PC ruft sie mit www.StudIP.de das Programm auf:

" So, ich hab', geb' jetzt die Adresse ein. Das geht flink. Kann mich dann auch gleich anmelden und die Veranstaltungen angucken, die ich in diesem Semester mache oder im letzten Semester gemacht habe. Ich kann auch an der Farbe gleich beim ersten Blick erkennen, ob eine neue Datei angekommen ist, zum Beispiel, denn die erscheint dann rot, und dann weiß ich: aha, es gibt vielleicht eine neue Arbeit, ein neues Paper, was auch immer, was die Studierenden hier reingestellt haben."

Auch neue E-Mails kann Maria Rhode so schnell erkennen. Insgesamt ist Stud.IP für sie ein nützliches Instrument, das sie darum auch verstärkt einsetzen möchte.

"Das macht zunehmend dann Sinn, wenn alle die da sind, auch tatsächlich Internetzugang haben, und in der Lage sind, damit umzugehen, was natürlich in der Regel der Fall ist."

Doch gerade bei Studienanfängern dauert es manchmal noch einige Zeit, bis sie über einen Internetzugang am Studienort verfügen. Da bleibt den Lehrenden dann nichts anderes übrig, als erst einmal zweigleisig zu fahren:

"Das heißt, man fängt die Veranstaltung in doppelter Weise an, einmal mit elektronischer Unterstützung, und einmal mit dem klassischen Leitzordner, was für die Betreuer der Veranstaltung natürlich am Anfang ein doppelter Aufwand ist."

Doch diese Mehrarbeit wird sich in Zukunft wahrscheinlich immer weniger als notwendig erweisen. Schließlich stellen die Universitäten den Studierenden vermehrt Computerarbeitsplätze in so genannten Cip-Pools bereit. Dort können diejenigen ins Internet gelangen, und sich die Seminarunterlagen über Stud.IP besorgen, die zu Hause noch keinen Zugang haben. Allein an der Unibibliothek in Göttingen gibt es 250 öffentliche Computer. Und alle Wohnheimplätze des Göttinger Studentenwerks sind mit einem kostenlosen Breitbandanschluss für das Internet ausgestattet.

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