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Seit 16:30 Uhr Forschung aktuell
StartseiteForschung aktuellEin Ozeansatellit für jedermann16.02.2016

Sentinel-3AEin Ozeansatellit für jedermann

Das englische Wort Sentinel bedeutet Wächter. Es ist auch der Name für mehr als zehn Satelliten aus Europa, die die Erde so genau wie nie zuvor überwachen sollen. Der dritte der Reihe, "Sentinel-3A", soll jetzt ins All geschickt werden. Das Besondere: Die Daten werden weltweit frei verfügbar gemacht.

Von Karl Urban

Die Illustration zeigt den Satelliten "Sentinel-3" wie er über Wolken und das Meer fliegt. (ESA / Pierre Carril / dpa)
Die Illustration zeigt den Satelliten "Sentinel-3" wie er über Wolken und das Meer fliegt. (ESA / Pierre Carril / dpa)
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Chris Gordon spricht als Umweltforscher an der Universität von Ghana für viele seiner Kollegen in Afrika, die mit zunehmenden Dürren oder Fluten kämpfen. Prinzipiell ist ihnen bewusst, dass sie heute Gegenmaßnahmen ergreifen müssten, also zum Beispiel gezielt Wälder aufzuforsten und neue Dämme zu bauen. Aber welche Maßnahmen an einem bestimmten Ort am effizientesten sind, lasse sich gar nicht so leicht beurteilen, sagt Chris Gordon. "Jede Entscheidung sollte ja auf Fakten beruhen. Uns fehlen aber schlicht die Daten, um einige dieser Entscheidungen fundiert zu treffen."

Solche Daten soll Copernicus liefern – ein Erdbeobachtungsprogramm, das sich die Europäische Union und die ESA über vier Milliarden Euro kosten lassen. Nach und nach sollen mindestens zehn Satelliten ins All starten. Die ersten zwei sind mittlerweile im Orbit. Nummer drei, genannt Sentinel-3A, könnte Chris Gordon bei seiner Arbeit helfen. Im vergangenen Herbst stand der Satellit noch in einem Reinraum im südfranzösischen Cannes. Seine Aufgabe sei es, die Wasserflächen der Erde zu vermessen, erklärte Volker Liebig damals, der Direktor für Erdbeobachtung bei der ESA. "Wir werden von diesem Satelliten sehr viele Datensätze bekommen, die wir für die Ozean- und Wettervorhersage, aber auch für viele andere Applikationen brauchen. Zum Beispiel, um ständig die Temperaturen an der Ozeanoberfläche, den Sedimenteintrag, die Verschmutzung oder Algenblüten an den Stränden zu messen."

Das soll mit einem Spektrometer gelingen, das ständig die Farbe der untersuchten Wasseroberfläche bestimmt. Ein zweites Instrument ermittelt die abgestrahlte Infrarotstrahlung, aus der sich die Temperatur ableiten lässt. Dazu kommt die Fähigkeit, mit einem Radar den Pegel vergleichsweise kleiner Wasserflächen wie Flüssen und Seen zentimetergenau zu vermessen.

Die einzige Beschränkung bei den Sentinel-Daten ist die Bandbreite

Sentinel-3A soll alle zwei bis drei Wochen fast jeden Punkt der Erde einmal überfliegen – ein baugleicher Zwillingssatellit soll diesen Zeitraum ab nächstem Jahr auf einen Tag verringern. Zahlreiche Nutzer in Afrika wie Europa dürften davon profitieren, sagt Volker Liebig. "Jeder, der zur See fährt - ob das jetzt Fischer sind, die gewerbliche Schifffahrt - ähnlich wie in der Meteorologie: Kein Schiff geht aus dem Hafen, ohne eine Wettervorhersage. Wir haben auch schon Ozeanvorhersagen. Aber die werden deutlich besser werden jetzt mit diesen Daten."

Bisher mussten sich die möglichen Nutzer allerdings gedulden. Nach dem Start des Radarsatelliten Sentinel-1 dauerte es ganze 12 Monate, bis die Betreiber die Güte der Daten geprüft hatten und die gesamten Messwerte freigaben. Seine Bilder blieben lange die einzigen, die die EU-Kommission über ihre Server freigegeben hatte. Seit wenigen Wochen erst sind nun auch die Daten von Sentinel-2 verfügbar, der mit Spezialkameras die Vegetation der Erde überwacht. Diese Daten interessieren viele Landwirte. Die Server der EU waren aber zunächst tagelang nicht zu erreichen – wegen Überlastung. Und dieser Ansturm könnte anhalten. "Unsere einzige Beschränkung bei den Sentinel-Daten ist die Bandbreite. Wir sprechen immerhin über viele Terabytes."

Andras Roboz war vergangenes Jahr als Vertreter der Europäischen Kommission mit im Reinraum in Cannes. Und er berichtet vom zähen Ringen mit den zahlenden Mitgliedsstaaten von EU und ESA, um die Rohdaten der Satelliten nicht wie bisher an Unternehmen zu verkaufen. Für ihn sind die nun freien Daten aus dem All ein hohes Gut, um nicht nur Staaten zu helfen, sich vor zunehmenden Naturkatastrophen zu wappnen. "Es ist ein freies Angebot für alle Bürger der Welt. Und ich glaube das ist ein wichtiger Schritt vorwärts."

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