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Smog in der Arktis

Umweltforscher warnen vor Folgen arktischer Transportrouten

Monika Seynsche im Gespräch mit Dagmar Röhrlich

Neue Schifffahrtsrouten durch eine eisfreie Arktis würden die Umwelt stark belasten, prognostizieren Simulationen.
Neue Schifffahrtsrouten durch eine eisfreie Arktis würden die Umwelt stark belasten, prognostizieren Simulationen. (AP)

<strong>Umwelt. - Noch bedeckt Eis auch im Sommer den Nordpol. Doch schreitet der Klimawandel weiter voran, könnte schon Mitte dieses Jahrhunderts der arktische Ozean sommers eisfrei sein - und neue und schnellere Schifffahrtspassagen eröffnen. Umweltforschern warnen bereits vor den Folgen eines solchen Verkehrsbooms.</strong>

Monika Seynsche: Forscher haben untersucht, welche Umweltfolgen die neuen Schiffspassagen haben werden. Ihre Ergebnisse haben sie auf der Jahrestagung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union vorgestellt. Frau Röhrlich, was berichten die Experten?

Dagmar Röhrlich: Es war ein internationales Forscherteam aus Frankreich, Deutschland und den USA, das einmal Simulationen hat laufen lassen, wie sich die Umwelt in der Arktis verändern wird, wenn die Nordwestpassage und die Nordostpassage denn existieren werden. Eigentlich können wir uns das Ergebnis schon denken - es wird schlechter werden. Die Schifffahrt wird der Region neue Umweltprobleme bringen.

Seynsche: Welche Auswirkungen hätte das genau für die Arktis?

Röhrlich: Hochseeschiffe unterliegen nicht dem Kioto-Protokoll, sprich, sie können soviel Dreck in die Luft blasen, wie es ihnen gerade passt - und das machen sie auch, jedenfalls die meisten. Sie halten die globalisierte Wirtschaft in Schwung, weil sie unschlagbar billig Waren von A nach B bringen. Aber das klappt zum Teil nur deshalb, weil vielen Reedern nur der billigste Treibstoff in den Tank kommt. Das freut auf der anderen Seite die Mineralölwirtschaft, die kann das quasi als Abfalltonne benutzen, denn sie ist gezwungen durch die Gesetzgebung in den Industrienationen, dass die Kraftstoffe, die wir etwa in Autos fahren, nahezu schwefelfrei sind. Der Schwefel ist trotzdem da, er fällt in den Raffinerien an, er muss also irgendwo hin: er landet also im Schweröl für die Schifffahrt, dann ist man ihn los, und deshalb sind im Schiffsdiesel oft 2,7 Prozent Schwefel enthalten. Im Benzin dagegen sind es nur noch ganz wenige Teile pro Million Teile Benzin, die da drin sind. Das zeigt schon, dass da ziemlich viel Dreck drin ist. Und es ist nicht nur Schwefel, wir haben auch jede Menge Ruß, der bei der Verbrennung des Schiffsdiesels entsteht - so viel, dass man auf Kreuzfahrtschiffen spezielle Kamine einsetzt, damit die Smokinghemden abends schön sauber bleiben. Und wir haben jede Menge Stickoxyde.

Seynsche: Was bewirken diese Schadstoffe genau im arktischen Ökosystem?

Röhrlich: Die Stickoxyde sind photochemisch aktiv, sie sind die Vorläufersubstanzen von Ozon, das daraus entsteht. Ozon reizt die Schleimhäute, es ist giftig für Pflanzen. Das heißt, wir hätten in der Arktis dann einen Stoff, der heute da überhaupt nicht oder so gut wie gar nicht vorkommt - in Bodennähe. Die Simulationen, die gerechnet worden sind von Ulrike Niemeier vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg, haben ergeben, dass die Belastung mit Ozon in der Arktis etwa so hoch wäre wie heute in den norddeutschen Industriegebieten. Ozon ist langlebig, es verteilt sich über die gesamte Arktis - in Alaska, in Nordsibirien - es käme sehr weit und würde die Umwelt sehr schädigen.

Seynsche: Den Ruß haben Sie noch angesprochen, und den Schwefel. Bei Schwefel fällt mir saurer Regen ein. Ist das ein Problem, das die Forscher erwarten?

Röhrlich: Ja, das erwarten sie, und sie wissen auch, dass es kommen wird, denn man sieht heute schon, dass in Schweden entlang der Küsten aufgrund der Schifffahrt saurer Regen entsteht, der die Wälder dort schädigt. Es ist also jetzt schon vorgezeichnet. Der Schwefel wird auch dafür sorgen - zusammen mit anderen Emissionen aus der Schifffahrt - dass die Wolkenbildung sich verstärken wird. Das weiß man auch, weil man Versuche in der irischen See und im Ärmelkanal gemacht hat. Dort gibt es heute viel mehr Wolken als früher. Das liegt schlicht und einfach an der Schifffahrt. Das kühlt natürlich, man könnte sagen, wunderbar, das kühlt dann auch die Arktis, aber wir haben dort eine Gemengelage. Auf der anderen Seite wird auch viel Kohlendioxid ausgestoßen durch die Verbrennung des Schiffsdiesels, wir haben den Ruß, der wirkt auch aufheizend auf das Klima. Wir haben also ein buntes Gemisch, dass wir also nicht genau wissen, was passiert. Und die Simulationen, die dazu gerechnet werden in der Zukunft, die sind bestimmt sehr interessant.

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