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StartseiteUmwelt und VerbraucherSolarboote aus Zahnstochern23.05.2005

Solarboote aus Zahnstochern

Mit Workshops bringen Grundschulen in Berlin Kindern erneuerbare Energien nah

Angeblich ist das Thema Alternativenergien zu komplex für Grundschüler und das passende Lehrmaterial zu rar. Doch spielerisches Herangehen kann den Lernprozess fördern, wie Workshops und Bastelaktionen am Rande des Unterrichts an Berliner Grundschulen beweisen. Und auch Unterrichtsmaterialien sind immer einfacher zu besorgen, zum Beispiel aus dem Internet.

Von Stefan Maas

Unterricht an der Tafel: Nicht immer der beste Weg zur Veranschaulichung. (AP)
Unterricht an der Tafel: Nicht immer der beste Weg zur Veranschaulichung. (AP)

Der Ausstellungs-Tisch der Grundschule Estorf ist die ganze Zeit umlagert - erwachsene Menschen, meist internationale Experten, sitzen und knien - und bauen kleine Solar-Boote aus Styropor und Zahnstochern. Mit einer Photozelle und einem kleinen Propeller versehen, können die Katamarane später in einem Wasserbecken ausprobiert werden. Die Begeisterung unter den Bastlern ist groß. Das macht nicht nur Spaß, es ist auch ein gelungenes Beispiel dafür, wie man Kinder an das Thema erneuerbare Energien heranführen kann.

Die Kinder können etwas bauen, das sich bewegt, sagt Maja Blejec aus Slowenien ganz begeistert, während sie selber die Zahnstocher ins Styropor stößt. In ihrem Heimatland gibt sie Umwelt-Unterricht für Erwachsene und Kinder.

Die positive Resonanz freut Peter Wortmann, der den Basteltisch hier in Berlin aufgebaut hat. Seit Jahren behandelt er mit seinen Grundschülern erneuerbare Energien als Thema im Unterricht. Es ärgert ihn, dass es so wenige Arbeitsmaterialien für Grundschulen gibt, weil das Thema angeblich zu komplex ist. Am Beispiel der Solarboote wird klar, dass das nicht zutrifft.

" Die merken, das funktioniert mit der Sonne. Und wenn die einen kleinen Schüler vor sich haben, der nicht weiß, was los ist – und der steht in der Sonne und sagt: Das ist ja kaputt - dann sagen sie: Ach, geh bloß aus der Sonne, dann funktioniert das wieder. "

Spielerisches Herangehen scheint der Schlüssel zu sein, wenn man das Interesse von Kindern und Jugendlichen wecken möchte.

Doch auch Lehrer brauchen oft eine kleine Starthilfe. Viele sind sehr motiviert, aber das Angebot an Arbeitsmaterialien ist unübersichtlich. Das schreckt so manchen Lehrer ab.

Lehrer haben wenig Zeit und wollen schnellen Zugriff auf Materialien haben. Deshalb wurden im Zuge eines vom Bundesumweltministerium geförderten Forschungsprojekts die Internetangebote verschiedener Organisationen analysiert und eine Materialsammlung mit Linkliste erstellt. Diese wurde innerhalb von kurzer Zeit mehrere Tausend Mal heruntergeladen, erzählt Michael Schab vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung, der an der Studie mitgearbeitet hat. Ein voller Erfolg also, ebenso wie die anschließende Tour durch 32 Schulen in allen Bundesländern:

" Wir haben dann gemerkt, als das anfing zu laufen, wie wir plötzlich einen regelrechten Ansturm von Anfragen bekommen haben, weil Lehrer so was unheimlich wichtig finden, die Schüler aus ihrem Unterricht herauszunehmen – eine Veranstaltung zu machen, ihnen neue Eindrücke zu geben, sie mit Experten diskutieren zu lassen. "

In manchen Schulen ist das Thema schon seit vielen Jahren ein fester Bestandteil des Unterrichts. Beispielhaft ist dafür die Max-Beckmann-Gesamtschule in Berlin, die ihr Projekt im Rahmen des internationalen Workshops präsentierte.

Nach der Atomkatastrophe in Tschernobyl fingen die Schüler hier an, sich Gedanken über die wirtschaftlich sinnvolle Nutzung von erneuerbaren Energien zu machen – und entwickeln seitdem Solarmotoren für Boote. Ein Engagement, das über den schulischen Rahmen hinausgeht, denn seit Jahren fahren die Schüler auch erfolgreich Solarboot-Rennen.

Für Lehrer Norbert Wilms ist der Erfolg eine Bestätigung, dass sich das langfristige schulische Engagement für erneuerbare Energien lohnt – auch für seine Schüler:

" Meine Schüler bauen zum Beispiel einen Elektrobootsantrieb, der besser ist als das, was die Industrie baut. Wir können das sogar belegen, denn die Konkurrenz fährt mit Elektro-Antrieben, die sie gekauft hat, aber unsere Boote werden erster. Das heißt also, unsere Antriebe sind besser – und das ist ein Phänomen, das für die Schüler prägend ist. "

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