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Sorge um das deutsche Gold

Bundesbank will auch ausländische Bestände der deutschen Goldreserve überprüfen

Von Michael Braun

Die Lagerung des Bundesbankgoldes im Ausland sei zu wenig transparent, bemängelte der Bundesrechnungshof.
Die Lagerung des Bundesbankgoldes im Ausland sei zu wenig transparent, bemängelte der Bundesrechnungshof. (AP)

Die Bundesbank hortet eine der größten Goldreserven der Welt: Barren im Wert von mehr als 150 Milliarden Dollar, die zum großen Teil im Ausland lagern. Ob bei der Lagerung der Barren alles korrekt zugeht, ist nach Auffassung des Bundesrechnungshofes aber nicht ganz klar.

Wer wissen will, wie viel Gold die Bundesbank hat, schaut in die Bilanzen: Ende 2011 seien es 3.396,303 Kilogramm gewesen, also knapp 3.400 Tonnen, steht da. Dass es so ist, hat bislang niemand bezweifelt. Und Wolfgang Wrzesniok-Rossbach, Geschäftsführer der Degussa Goldhandel und seit Jahren im Goldhandel tätig, zweifelt auch heute noch nicht daran:

"In der Regel ist davon auszugehen, dass, wenn es bei den Zentralbanken in Amerika, in England gelagert wurde über all die Jahre, das das schon noch die Originalbarren sind. Und da gibt es entsprechende Gewichtslisten. Bei den Gewichtslisten sind dann die Feinheiten genannt. Das sollte eigentlich kein Problem sein. Aber es ist so: Wenn man die ultimative Sicherheit haben möchte, dann muss man es tatsächlich einschmelzen. Das macht aus meiner Sicht jetzt nicht für jeden einzelnen Barren Sinn. Vielleicht kann man auch Stichproben nehmen an der Stelle."

Die Bundesbank teilte am Mittag mit, sie habe, was die physische Kontrolle des im Ausland gelagerten Bundesbankgoldes angehe, eine andere Auffassung als der Bundesrechnungshof. Der hatte bemängelt, die Lagerung des Bundesbankgoldes im Ausland sei zu wenig transparent. Nun will die Bundesbank "Anregungen des Bundesrechnungshofs, soweit es möglich ist, aufgreifen." Sie wolle "wie bereits in der Vergangenheit auch künftig Teile der Goldbestände aufarbeiten und überprüfen lassen." Zu diesem Zweck könne das Gold auch "verlagert", werden, soll wohl heißen: nach Deutschland gebracht werden.

Ein Drittel des Bundesbank-Goldes dürfte mittlerweile in Deutschland liegen, im neuen Goldtresor unter dem Geldmuseum, das neben der Bundesbank liegt. Hohe Lagerkosten im Ausland haben dazu geführt, dass die Bundesbank ihr Gold im Ausland reduziert hat. Dass es dort liegt, hat zwei Gründe. Der geldpolitische: Die Goldbestände gehören zu den Währungsreserven.

Deshalb müssten sie, so die Bundesbank heute, "im Bedarfsfall ohne logistische Einschränkungen in gängige Reservewährung eingetauscht werden können". Die Bundesbank will also aus Gold schnell Dollar oder britische Pfund machen können, ohne erst Gold hin- und herzutransportieren. Und es gibt historische Gründe für die ausländischen Lagerstätten. Degussa-Chef Wrzesniok:

"Es ist so, dass es einmal natürlich eine gewisse Bedrohung gab in Zeiten des Kalten Krieges, dass die Goldreserven einem möglichen Aggressor aus dem Osten zum Opfer fallen könnten. Aber es war auch einfach ganz praktisch so, dass natürlich die Goldreserven entstanden sind durch Handelsbilanzüberschüsse in den 1950er- und 1960er-Jahren und dann einfach dort, wo sie anfielen, nämlich in England und vor allen Dingen in Amerika, liegen gelassen wurden und nicht hierher geholt wurden."

Die deutschen Exporte nach Amerika spülten also viele Dollar in die Volkswirtschaft, und für diese Dollar kaufte die Bundesbank in Amerika Gold und lagerte es auch dort: Ein relativ preiswertes Verfahren. So kam es auch, dass ein teil des Bundesbank-Goldes in ziegelartigen Barren gegossen vorhanden ist, wie sie in Amerika üblich sind. In Europa gilt der "London good delivery status" für Barrengold; am größten Goldhandelsplatz der Welt, in London, sind also die konisch geformten 12,5-Kilo-Barren als Standard.

Gebraucht wird Gold für die konkrete Geldpolitik eigentlich nicht mehr. Denn dass Geld mit Gold unterlegt ist, gilt seit Anfang der 1970-er Jahre nicht mehr, sagt Degussa-Händler Wrzesniok.

"Gold hat heute sicherlich nicht mehr die Rolle im Weltwährungssystem, wie es sie bis 1973 hatte. Damals war es wirklich auch offiziell Bestandteil der Weltwährungsreserven. Und aus früheren Handelsbilanzüberschüssen ergab sich eben, dass die Bundesbank mit über 3.000 Tonnen Gold einer der größten Halter von Gold am Ende war. Dieses Gold ist später nicht verkauft worden, weil es immer auch als ein Stück Sicherheit gesehen wurde für eine Währung, damals für die D-Mark. Und die Bundesbank hat dann auch Versuchen widerstanden und auch Überzeugungsversuchen von Seiten der Politik, dieses Gold irgendwann zu veräußern. Und hält es heute noch. Sicherlich gibt es nicht mehr diese tragende Rolle als Sicherheit für den Euro. Denn die EZB hat eigene Goldreserven. Aber es wird trotzdem benutzt als ein Stück Sicherheit auch, sagen wir mal, für die deutschen Staatsfinanzen."

Deshalb kümmern sich immer wieder mal Politiker um das Bundesbank- Gold. Und erregen bei der Bundesbank den Verdacht, sie wollten Gold zu Geld machen, um auf diese leichte Weise die Staatsfinanzen zu sanieren.

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