Seit 23:10 Uhr Das war der Tag
 
  • Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 23:10 Uhr Das war der Tag
StartseiteCampus & KarriereSpezielle Köder für seltene Sprachen30.07.2012

Spezielle Köder für seltene Sprachen

Die EU-Kommission sucht Übersetzer

Die Europäische Union erkennt 23 Sprachen als Amtssprachen an. Täglich müssen daher zahllose EU-Verordnungen und Rechtsvorschriften in diese übersetzt werden. Mit 1700 Mitarbeitern hat die EU-Kommission den größten Sprachendienst weltweit. Doch der hat Personalsorgen.

Von Aglaia Dane

Englisch-Rumänisch- Wörterbuch (Stock.XCHNG / Andrej Sevelin)
Englisch-Rumänisch- Wörterbuch (Stock.XCHNG / Andrej Sevelin)

Ohne die Übersetzer ginge in der Europäischen Union nichts. Ob Zollfragen, Fischquoten oder Bankenrettung – die Übersetzer sorgen dafür, dass alle verstehen, worum es geht. Sowohl die Politiker als auch die Bürger in den Mitgliedsländern.

"Wir haben letztes Jahr über zwei Millionen Seiten übersetzt. Das ist schon eine schöne Leistung."

Andrea Dahmen ist Übersetzerin und leitet die Kommunikationsabteilung im Übersetzungsdienst der Kommission. Ein Hochhaus am Rande von Brüssel mit einem weiteren Standort in Luxemburg. Mehr als 1700 Menschen arbeiten hier, aus allen Ländern der Europäischen Union auch von anderen Kontinenten. Was zählt ist, dass sie in einer der 23 Amtssprachen der Europäischen Union zuhause sind. Denn jeder Mitarbeiter übersetzt in seine Muttersprache. Da ist es kaum zu glauben, dass ausgerechnet die englische Abteilung die größten Nachwuchssorgen hat.

"Bei Englisch ist es immer schlimmer geworden, weil die Engländer immer weniger Fremdsprachen lernen. Es hat auch ein Gesetz gegeben vor vier Jahren, wonach man ab 14 keine Fremdsprache mehr lernen muss. Das hat sofort Auswirkungen gehabt auf die Universitäten, da hat es dann weniger Bewerber gegeben. Dann haben einige Fakultäten zu gemacht. Und das schlägt sich dann sehr schnell negativ durch bei uns."

Pro Jahr sucht der Übersetzungsdienst im Schnitt 100 neue Mitarbeiter. Bewerber müssen ein mehrstufiges Auswahlverfahren durchlaufen, mit Computertest und Assessment-Center. Doch es gibt immer weniger Bewerber – vor allem immer weniger mit ausreichender Qualifikation. Bei den Deutschen mangele es häufig an der Sicherheit in der eigenen Muttersprache, erzählt Andrea Dahmen. Doch die Fremdsprachenausbildung sei vergleichsweise gut. Größere Sorgen machen andere Länder – zum Beispiel Dänemark. Der Übersetzungsdienst hat beschlossen, aktiv zu werden.

Zum Beispiel in Kopenhagen am Europäischen Tag der Sprachen. Mehrere Hundert Schüler stehen auf einer Bühne und rappen – auf Französisch, Spanisch und Deutsch. Eine Veranstaltung, die den jungen Dänen Lust machen soll, Fremdsprachen zu lernen. Doch Andrea Dahmen und ihre Kollegen belassen es nicht bei einmaligen Events. Sie haben sich in den letzten Jahren auch für vergleichbare Ausbildungsstandards eingesetzt und das Projekt "European Master’s in Translation" ins Leben gerufen – eine Art Gütesiegel für die Übersetzerausbildung. 54 Hochschulen tragen es – in Deutschland sind es die Universität Leipzig und die Fachhochschule Köln. Doch um gezielt, an Bewerber zu kommen mit den Sprachen und Qualifikationen, die der Übersetzungsdienst gerade braucht, geht der Dienst der EU-Kommission seit Neuestem andere Wege. Er nutzt die sozialen Netzwerke:

"Das heißt, im Moment gibt es zum Beispiel ein Facebook für Estnisch und für Lettisch und für Irisch. Denn das sind dieses Jahr die Sprachen, die wir gewählt haben oder die wir brauchen. Und dann wird auch in der Sprache ein Facebook gemacht, nur für die Zeit – wir starten so im März und es wird geschlossen, wenn die Bewerbungsfrist vorbei ist."

Auf diesen Facebook-Seiten machen Mitarbeiter aus den jeweiligen Sprachenabteilungen Werbung für die Arbeit beim Übersetzungsdienst der EU-Kommission. Sie werfen ganz spezifische Köder aus. Im Falle von Malta sind es zum Beispiel Fotos von Bäumen und Wiesen.

"Malta ist ja eine ganz karge Insel, wo nicht viel Platz ist und nicht viel grün ist. Und wenn man denen sagt, sie kommen nach Luxemburg, wo alles wunderbar grün ist, das ist natürlich attraktiv für jemanden, wenn er überlegt ins Ausland zu gehen."

Andere Mitarbeiter haben Videos auf Facebook hochgeladen, in denen sie berichten, wir ihr Arbeitsalltag im Übersetzungsdienst der Kommission aussieht. Auf Lettisch klingt das dann so:

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk