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StartseiteForschung aktuellSpiel oder stirb11.08.2005

Spiel oder stirb

Raue Sitten herrschen unter Schimpansen

Verhaltensforschung. - Wenn Affenkinder spielen, sieht das zwar oft niedlich aus, hat aber einen sehr ernsten Hintergrund. Beim Herumtollen üben schon die Jungen für die Rangkämpfe, mit denen sie als Erwachsene später viel Zeit verbringen werden. Auf dem ersten Kongress der Europäischen Primatologenvereinigung in Göttingen berichtete eine britische Forscherin über die Hintergründe.

Das Leben als Schimpanse scheint nur leicht. (AP Archiv)
Das Leben als Schimpanse scheint nur leicht. (AP Archiv)

Unter Schimpansen geht es alles andere als idyllisch zu. Von regelrechten Kriegen und Massakern können Zoologen berichten, wobei sich mehrere Kleingruppen oder Familien zusammenschließen, wenn es um die Verteidigung des Territoriums, die Nahrungssuche oder eben den Angriff auf eine konkurrierende Gruppe geht. Auch die Spiele innerhalb der Gruppe sind häufig eher von der rauen Art, von. Beißen über Kratzen bis zu Schubsen ist alles erlaubt. Elisabeth Greengrass von der Universität Bristol hat das im Gombe National Park in Tansania beobachtet: "Die Spiele waren eine Art Wettbewerb und nicht selten konkurrierten die Tiere dabei um die Aufmerksamkeit eines Dritten." Je näher dabei die Pubertät rückt, desto aggressiver wird das Verhalten der jungen Schimpansen. Möglicherweise ist das eine Vorbereitung auf die harten Machtkämpfe zwischen den männlichen Schimpansen, denn wer bei den Spielen oft gewinnt, erreicht auch im Erwachsenenalter eine hohe Position.

Bevorzugte Spielgefährten sind dabei Gruppenmitglieder, mit denen die Tiere eher wenig zu tun haben. Greengrass: "Die Daten zeigen wie wichtig Spielen für die sozialen Bindungen ist. Tiere, die in einer Gruppe leben, müssen ihre Position innerhalb dieser Gruppe immer wieder neu verhandeln, dabei sind soziale Bindungen entscheidend." Das mag auch erklären, warum Schimpansen in Gefangenschaft wesentlich weniger spielen als ihre wildlebenden Artgenossen. Denn auch im noch so geräumigen Zoogehege kennen sich die Gruppenmitglieder so genau, dass sich dieses erneute Verhandeln der sozialen Beziehungen weitgehend erübrigt. Unwichtig sind die sozialen Beziehungen deswegen nicht, denn sowohl im Zoo wie auch in freier Wildbahn gilt für die Schimpansen, dass man nur gemeinsam stark ist. "Wer nicht als Gruppenmitglied erkannt wird", so Elisabeth Greengrass, "den töten die anderen."

[Quelle: Kristin Raabe]

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