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StartseiteCampus & KarriereSpielerisch das Lernen lernen01.04.2013

Spielerisch das Lernen lernen

Initiative "Spielen macht Schule"

Einige Schulen in NRW setzen auf "Lernen durch Spielen". In der Grundschule Rußheideschule in Bielefeld etwa stehen nicht nur die klassischen Fächer wie Mathe und Deutsch auf dem Stundenplan. Für das Konzept ist die Schule bereits zweimal mit dem Zertifikat "Spielen macht Schule" ausgezeichnet worden.

Von Nural Keles

Spielen wirkt auf das Kognitiv- und Sozialverhalten. (picture alliance / dpa / Fredrik von Erichsen)
Spielen wirkt auf das Kognitiv- und Sozialverhalten. (picture alliance / dpa / Fredrik von Erichsen)

"Ich find's halt schade, dass nicht alle Schulen so was haben, sondern nur wir, weil ich finde, jedes Kind hat recht darauf zu spielen, weil man einfach so viel lernt, dabei."

Emilia und ihre Klasse, die 4c der Rußheideschule in Bielefeld, wissen es zu schätzen, was sie haben. Denn das ist längst nicht selbstverständlich: ein Spielezimmer. Ein Klassenraum auf zwei Etagen, mit Regalen voller Spielzeug. Bei den Kindern kommt das natürlich an.

"Ich finde das toll. Ja, es macht einfach Spaß mal zu spielen, das ist auch schön ein Spielezimmer zu haben. Dass man Zeit für die anderen hat, mit denen man eigentlich gar nicht spielt."

Zeit ist schon in dem jungen Alter ein echtes Problem. Selbst in der Grundschule haben die Kinder einen straffen Tagesablauf. Auch der Tag von Leo ist vollgepackt, deswegen freut er sich unheimlich über die eine Schulstunde "Spielen" in der Woche.

Leo:
"Das ist die einzige drei viertel Stunde, wo ich wirklich mit meinen Freunden auch Spiele spielen kann. Und auch weil es hier so viele verschiedene Möglichkeiten gibt zu spielen. Man kann Lego spielen, man kann am Zoo spielen, man kann auch einfache Tischspiele spielen, man kann Playmobil spielen, man kann in der Puppenecke spielen, also ... "

Reporterin:
"Also alles alles alles?!"
Leo:
"Ja, man kann quasi alles spielen, was man zum Spielen haben kann."

Etwas gibt es doch, was es hier nicht gibt: Computer und Videospiele sind tabu. Dass die Viertklässler beim Bauen, Basteln und Experimentieren eine ganze Menge lernen, davon sind sie überzeugt. Zum Beispiel beim Brettspiel "Stinkekäse".

"Man muss ganz viel so Lesen und Sachen nachmachen, da lernt man Sachen wie Rechtschreibung auch. Man muss viel Nachdenken. Und Rechnen. Und das dient der Allgemeinheit, dass man netter wird."

Reporterin:
"Das dient der Allgemeinheit? Was heißt das denn?"
Leo:
"Ich mein damit, dass wenn hier alle miteinander spielen, dass wir uns besser verstehen."

Für ihre Lehrerin und Projektleiterin Dorothea Ruh geht der Lerneffekt beim Spielen aber weit darüber hinaus.

"Es ist wirklich der kognitive Bereich aber auch die Kommunikation und wirklich auch das Sozialverhalten. In meinen Augen ist dieses Projekt ein Gewaltpräventionsprojekt. Wenn Kinder lernen miteinander in Kontakt zu treten, miteinander zu sprechen, und auch die Frustration, beim Spiel verliert man auch. Man ist dann frustriert und diese Frustration auch auszuhalten das ist schon ein ganz großer Schritt."

Was die Pädagogen den Kindern hier in der Spielstunde vermitteln, soll auch außerhalb der Schule greifen. Das klappt manchmal mehr, manchmal weniger gut.

"Wir lernen auch aufzuräumen und das sollte man eigentlich auch zu Hause machen, was ich jetzt nicht tue. Man lernt, dass man gut auf seine Sachen aufpassen soll. Dass man auch mit Sachen vorsichtig umgehen soll, weil die sind auch sehr zerbrechlich, wie zum Beispiel jetzt eine Figur, die ist schätze ich mal ein Zentimeter groß und die können halt sehr schnell verloren gehen."

Die kleinen Figuren gehören zur Modelleisenbahn, die in der oberen Etage fährt. Die Landschaft drum herum haben die Kinder selbst gebaut: Grüne Wiesen aus Holzplatten, Berge aus Gips und Spachtelmasse und das mit ganz viel Geduld.

"Ich glaube, wir sitzen hier jetzt schon anderthalb Jahre dran, aber wir sind auch relativ viele Kinder. Und direkt nach dem Unterricht kommt hier eine Gruppe hin und dann fangen die hier an eine Stunde zu bauen und danach kommt auch noch 'ne Gruppe und die bauen dann weiter."

Reporterin:
"Darf man das hier anfassen?"
Schüler:
"Äh ja, eigentlich schon, aber nicht immer, weil wenn man direkt vor die Bahn fasst auf die Schienen, dann kriegt man 'nen Stromschlag."

Eine Sache hat die Klasse 4c dann doch an dem Projekt "Lernen durch Spielen" auszusetzen: Eine Stunde in der Woche ist den Kids dafür viel zu wenig. Das sieht Lehrerin Dorothea Ruh genauso:

"Mein Wunsch ist eigentlich, dass erstes und zweites Schuljahr jeden Tag eine Stunde Spielzeit hätten, so wie Sport, Musik usw. und die Dritt- und Viertklässler drei Stunden in der Woche, und zwar fest verankert im Stundenplan."

Bis es so weit ist, will die Bielefelder Rußheideschule ihr Konzept bekannter machen. Dafür besuchen die Schüler zusammen mit ihren Lehrern Grund- und weiterführende Schulen und berichten von ihrem Spielezimmer. Damit auch andere Schulkinder die Möglichkeit bekommen beim einfachen Spielen zu lernen.

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