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StartseiteForschung aktuellDer Nachteil der Linksamputierten17.03.2016

Sprinter bei den ParalympicsDer Nachteil der Linksamputierten

Beinamputierte Sprinter sind langsamer, wenn sie die Prothese links tragen. Das hat eine Studie ermittelt. Die Ergebnisse könnten einen Einfluss auf die Paralympics im September haben. In Rio de Janeiro könnte beim Sprint darüber diskutiert werden, wer auf welcher Bahn antreten darf.

Von Lucian Haas

Athletinnen mit Beinprothesen sind bereit für einen Sprintwettkampf. Sie stehen im Start.  (picture alliance / dpa / MAXPPP)
Athletinnen mit Beinprothesen sind bereit für einen Sprintwettkampf. (picture alliance / dpa / MAXPPP)
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Bei den Sprintwettbewerben der Leichtathletik müssen die Sportler bei allen Strecken über mehr als 100 Meter Distanz auch Kurven laufen. Traditionellerweise geht es auf den ovalen Bahnen immer links herum. Bei den Paralympics, wo auch einseitig beinamputierte Athleten gegeneinander antreten, ist das aber nicht immer fair. Es macht einen Unterschied, an welchem Bein ein Sportler seine Prothese trägt. Das hat der Sportmediziner Paolo Taboga von der Universität von Colorado herausgefunden.

"Wer eine Beinprothese trägt, kann weniger Kraft einsetzen und ist deshalb langsamer. Hinzu kommt, dass die Mechanik des kurveninneren Beines die Maximalgeschwindigkeit begrenzt. Wenn ein Läufer eine Prothese auf der linken Seite trägt, ist er also in zweifacher Hinsicht benachteiligt. Die beiden Faktoren summieren sich, sodass man deutlich langsamer rennt."

Paolo Taboga wollte es genau wissen und machte Versuche mit beinamputierten Sportlern. Manche trugen rechts, manche links eine Prothese. Er ließ sie im Kreis rennen, mal rechts, mal links herum, und verglich die jeweils erreichten Geschwindigkeiten. Dabei zeigte sich: Linksamputierte Athleten haben bei klassischen Rennen gegen den Uhrzeigersinn einen deutlichen Nachteil – vor allem wenn sie auf der Innenbahn eine besonders enge Kurve laufen müssen.

"Wir hatten ein bis zwei Prozent Unterschied erwartet, aber die Leistungsdifferenz lag bei fast vier Prozent. Das ist enorm viel. Vier Prozent kann bei einem 200-Meter-Lauf bedeuten, dass man die Goldmedaille gewinnt oder es gar nicht aufs Podium schafft. Das hat also einen deutlichen Einfluss auf den Ausgang der Rennen."

Kurvenlaufen mit Beinprothese unmöglich

Solche Erkenntnisse könnten Anlass sein, über neue Regeln nachzudenken, wie sich die Nachteile für Linksprothesenträger bei den Sprintwettbewerben ausgleichen ließen.

"Natürlich ist es nicht möglich, Sportler mit linksseitiger Amputation im Uhrzeigersinn, und Sportler mit rechtsseitiger Amputation gegen den Uhrzeigersinn laufen zu lassen. Da aber der Kurvenradius einen wachsenden Einfluss hat, je enger die Kurve gelaufen werden muss, sollten Menschen, die links eine Beinprothese tragen, auf den äußersten Bahnen laufen. So wären die Wettbewerbe fairer."

Denkbar wäre auch eine technische Lösung:

"Bisher sind Beinprothesen nicht fürs Kurvenlaufen gebaut. Aber wenn man Prothesen hätte, die sich an Kurven anpassen können, wäre das nicht nur für Sprinter hilfreich. Es könnte auch allen Menschen mit Prothesen helfen, ein aktiveres Leben zu führen."

Belastungsoptimierte Beinprothesen wären auch bei anderen Sportarten dienlich, die von schnellen Richtungswechseln geprägt sind, sagt Paolo Taboga. Im Fußball beispielsweise hätten einseitig beinamputierte Sportler auch Bewegungsvor- oder Nachteile, je nachdem auf welcher Position auf dem Platz sie spielen.

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