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Staatlich unerkannte Fachkraft

Sachsen will eine studierte Erziehungswissenschaftlerin nicht als Erzieherin einstellen

Von Torsten Thierbach

Eine Kita in Remseck bei Ludwigsburg. (AP)
Eine Kita in Remseck bei Ludwigsburg. (AP)

Sachsen sucht händeringend nach Erzieherinnen und Erziehern. Doch studierte Erziehungswissenschaftler sind dem Freistaat nicht gut genug. Das musste gerade eine Studentin nach neun Semestern Pädagogik-Studium erfahren.

"Ich arbeite gern mit Kindern zusammen, weil ich das Lächeln der Kinder so faszinierend finde, wenn sie etwas gelernt haben, wieder ein Stück weiter sind, ein Erfolgserlebnis hatten ,das ist einfach unglaublich."

Franziska Gebauer aus Dresden hat einen Traumberuf: Sie will Erzieherin werden und einmal Kitas leiten. Dafür absolviert die 30-Jährige ein freiwilliges Soziales Jahr, studiert 9 Semester Erziehungswissenschaften an der TU Dresden, macht mehrere Praktika in Kindergärten und arbeitet privat als Tagesmutter. Franziska ist voller Tatendrang, nutzt jede Gelegenheit, um mit Kindern zu arbeiten und glaubt alles richtig zu machen.

"Unser Professor hat uns während des Studiums immer wieder erklärt, dass wir als Erziehungswissenschaftler flexibler einsetzbar wären als zum Beispiel Sozialpädagogen, da wir ja drei Fächer studieren und damit eine größere Bandbreite anbieten können."

Doch da hat der Professor die Rechnung ohne das sächsische Kultusministerium gemacht. Denn als sich die Erziehungswissenschaftlerin nach ihrem Magister-Abschluss auf eine der 250 offenen Stellen bei der Stadt Dresden bewirbt, traut sie ihren Ohren kaum: Sie sei für den Beruf der Erzieherin nicht ausreichend qualifiziert, heißt es. Die Begründung:

"Erziehungswissenschaften, Diplompädagogik und Magister Artium enthalten in den seltensten Fällen vertiefte sozialpädagogische Inhalte, die dann auch noch die Praxis in Kindertageseinrichtungen einschließen."

Arnfried Schlosser, Referatsleiter beim sächsischen Kultusministerium verweist auf die entsprechende Qualifikations- und Fortbildungsverordnung des Freistaats. Franziskas Fall landet zur Prüfung beim zuständigen Landesjugendamt. Das lässt sich die genauen Lehrinhalte der Absolventin zeigen und kommt zum selben Ergebnis: die Erziehungswissenschaftlerin ist für den Beruf der Erzieherin ungeeignet.

"Ich kann es überhaupt nicht verstehen, wie es sein kann, dass händeringend Erzieher gesucht werden und die, die mit Freude und Leidenschaft den Beruf ausüben wollen, nicht zugelassen. Es frustriert einen, dass man für die Kinder nicht da sein darf."
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Um doch noch als Erzieherin arbeiten zu können, müsste die 30-Jährige Hochschulabsolventin erneut die Schulbank drücken, gemeinsam mit Berufsanfängern Deutsch- und Mathe büffeln.

"Also die klassische Möglichkeit, die man aber einem Hochschulabsolventen nur bedingt zumuten kann, ist die berufsbegleitende Ausbildung an einer Fachschule zum staatlich anerkannten Erzieher. Die geht aber über vier Jahre. Allerdings kann derjenige während dieser Zeit bereits in der Kita arbeiten, wird also als Fachkraft anerkannt."

Lutz Stephan von der zuständigen Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Leipzig hält das für überflüssig. Seiner Meinung nach bringen studierte Erziehungswissenschaftler die geforderten pädagogischen Fachkenntnisse im ausreichenden Maße mit, denn:

"Zum Beispiel darf ein Magister im Bereich von Kinderheimen, der Erziehungsberatung, im Bereich der Ausbildung von Erzieherinnen tätig werden, nur nicht selbst in einer Kindertageseinrichtung arbeiten dürfen, das finde ich skandalös."

Gemeinsam mit dem sächsischen Kultusministerium sucht die GEW nach Auswegen und Möglichkeiten, dass der Magisterabschluss im Bereich der Erziehungswissenschaften doch noch anerkannt wird, damit die Absolventen künftig als Erzieher arbeiten können.

"Ich habe schon den Eindruck, dass sich etwas bewegt. Ich habe recht gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit dem sächsischen Kultusministerium. Wir sind gemeinsam der Auffassung, dass wir in einigen Professionen darüber nachdenken müssen, wie wir geeignete Anpassungen und Weiterbildungen ausgestalten."

Doch wie immer die auch aussehen mögen, für Franziska Gebauer aus Dresden kämen sie zu spät. Im Unterschied zum sächsischen Kultusministerium und dem zuständigen Landesjugendamt gibt es durchaus Akteure im Bildungsbereich, die die 30-Jährige Erziehungswissenschaftler für bestens qualifiziert halten. Die Dresdner Evelyn-Kunze-Stiftung um Beispiel plant einen Privatkindergarten und hat die Absolventin kurzerhand eingestellt. Jetzt erarbeitet sie Erziehungskonzepte und plant die Finanzierung. Wird die Kita im kommenden Jahr eröffnet, soll Franziska nicht nur in ihrem Traumberuf als Erzieherin arbeiten sondern auch die Leitung der Einrichtung übernehmen. Doch eins wird ihr wohl
bleiben:

"Unverständnis, dass das Land Leute braucht, die gewillt sind, die mit Freude an den Job gehen und mit Kindern arbeiten wollen, dass die nicht dürfen."

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