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StartseiteHintergrundStaatsgeheimnis Nummer Eins20.04.2004

Staatsgeheimnis Nummer Eins

Das israelische Atomprogramm und der Fall Mordechai Vanunu

Israels Atompolitik wird offiziell mit einem einzigen Satz beschrieben, einem Satz, der alles sagt und nichts, einem Satz, der in unzählige Richtungen ausgelegt werden kann: "Israel wird nicht als erstes Land Atomwaffen in der Region einführen" - dies ist seit Jahrzehnten schon die einzige Antwort aller israelischen Regierungen auf Fragen nach dem Atomprogramm. Nie hat das Land zugegeben, Nuklearwaffen zu besitzen; mehrmals hat es aber angedeutet, in der Lage zu sein, sie herzustellen.

Eine Sendung von Carsten Kühntopp

Mordechai Vanunu  kurz vor seiner Entlassung aus dem Shikma Gefägnis am 21.4.2004 (AP)
Mordechai Vanunu kurz vor seiner Entlassung aus dem Shikma Gefägnis am 21.4.2004 (AP)

Die Idee, ein Atomforschungsprogramm zu starten, ist so alt wie der Staat Israel, und es war der Staatsgründer, David Ben-Gurion, der sie vorantrieb. Reuven Pedatzur, Dozent für strategische Studien an der Universität von Tel Aviv:

Was ich sage, stammt aus ausländischen Quellen. Ende der vierziger Jahre entschied sich Ben-Gurion, in diese Richtung zu gehen. Er war davon überzeugt, dass der Konflikt zwischen Israel und den Arabern ewig währen würde und dass es Israel an einem bestimmten Punkt in der Zukunft nicht mehr möglich sein würde, immer noch mehr Waffen zu kaufen. Da beschloss Ben-Gurion, dass wir die ultimative Abschreckung brauchen.

Ben-Gurion hatte einen fast mystischen Glauben an den wissenschaftlichen Fortschritt. Dieser Fortschritt sollte Israel geistig und wirtschaftlich voranbringen, und er sollte für eine wirksame Verteidigung gegen äußere Feinde sorgen. So wollte Ben-Gurion die zahlenmäßige Überlegenheit der Araber wettmachen.

Ich kenne keine andere Nation, deren Nachbarn erklären, dass sie danach streben, sie zu vernichten. Es gibt allerdings einen Bereich, in dem wir gegenüber anderen Ländern nicht unterlegen sind, und das ist das jüdische Gehirn. Die jüdische Wissenschaft enttäuscht nicht. Ich bin zuversichtlich, dass die Wissenschaft uns mit einer Waffe ausstatten wird, die den Frieden sichern und unsere Feinde abschrecken wird.

Das nukleare Projekt umzusetzen, dies war in den fünfziger Jahren dann die Aufgabe von Shimon Peres, damals blutjunger Generaldirektor im Verteidigungsministerium. Peres forcierte die Allianz mit Frankreich. Nicht zuletzt um arabischen Großmachtträumen entgegen zu treten, lieferte Frankreich einen Reaktor zur Plutoniumproduktion, der in Dimona, in der Negev-Wüste, errichtet wurde. Peres stellte ein Team von Wissenschaftlern für die Arbeit in Dimona zusammen. Der Chemiker Uzi Even war damals dabei:

Wir waren ein kleines Land und waren von viel größeren bevölkerungsreichen Staaten umgeben. Unsere Grenzen waren eigentlich kaum zu verteidigen. Damals war der Holocaust noch sehr in unserem Gedächtnis, und uns war klar, dass wir etwas tun mussten, um zu verhindern, dass so etwas noch einmal passiert. -- Wir waren ein junges Team - die meisten von uns waren sehr jung -, wir waren voller Enthusiasmus und arbeiteten an etwas, das wir für unsere Existenz hier für absolut notwendig hielten - an der endgültigen Versicherung, dass wir nicht angegriffen oder vernichtet werden würden.

1960 fotografierte ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug die Anlage in Dimona, die Bilder lösten eine Krise in den Beziehungen zwischen Israel und den USA aus. Denn deutlich war zu sehen, dass es sich nicht, wie von Israel behauptet, um eine Textilfabrik, sondern um einen Atom-Reaktor handelte. Israel musste dem Besuch amerikanischer Inspektoren zustimmen. Diese führte man in den kommenden Jahre jedoch immer wieder an der Nase herum: Den Teil der Anlage, in dem angeblich waffenbezogene Arbeiten stattfinden - sie liegt unterirdisch auf mehreren Stockwerken -, diesen bekamen die Amerikaner nicht zu sehen. Für sehr viel Geld hatten die Israelis alles getarnt. - US-Präsident Richard Nixon drückte schließlich ein Auge zu, so Reuven Pedatzur:

1969 einigten sich Golda Meir, sie war damals Ministerpräsidentin, und Nixon. Das war streng geheim. Die USA versprachen, Israel nicht dazu zu drängen, den Atomwaffensperrvertrag zu unterzeichnen. Im Gegenzug sagte Israel zu, den Besitz von Atomwaffen nicht formell zu erklären und keine Atomwaffen zu testen. Und seitdem, seit 1969, ist das die Politik.

Diese Haltung wird als Politik der nuklearen Zweideutigkeit beschrieben, als Konzept der "Bombe im Keller". Nach wie vor ist das israelische Nuklearprogramm streng geheim. Im Ausland geht man aber davon aus, dass Israel bis zu 200 Sprengköpfe besitzt - das wäre das sechstgrößte Arsenal der Welt und ein Vielfaches dessen, was für eine wirksame Abschreckung nötig wäre. - Heißt "nukleare Zweideutigkeit" also nichts anderes als eine bewusste Täuschung? In einem seltenen Interview zum Thema letztes Jahr mit der BBC rechtfertigte Shimon Peres die israelische Politik:

Wenn jemand dich töten will, und du benutzt eine Täuschung, um dein Leben zu retten, dann ist das nicht unmoralisch. Wenn wir keine Feinde hätten, bräuchten wir keine Täuschungen und auch keine Abschreckung.

1986 unterlief dem israelischen Sicherheitsapparat eine der größten Pannen in der Geschichte des Landes. Am 5. Oktober titelte die britische Zeitung Sunday Times: "Enthüllt: Die Geheimnisse des nuklearen Arsenals Israels". Auf mehreren Seiten, mit vielen Fotos und Zeichnungen, veröffentlichte die Zeitung Einzelheiten über das Atomforschungszentrum Dimona und die angebliche Produktion von Kernwaffen in Israel. Die Quelle des Artikels war Mordechai Vanunu, damals 31 Jahre alt, alleinstehend, ein Techniker, der neun Jahre lang in Dimona gearbeitet hatte.

Vanunu war Kind marokkanischer Juden. Er wuchs in der Stadt Beerscheva in der Negev-Wüste auf, in bescheidenen Verhältnissen, seine Eltern waren religiös und traditionell. 1977 wurde Vanunu in Dimona angestellt, als Kontrolleur der Nachtschicht. Er hatte Zugang zu jedem Teil der Anlage, auch zum hochgeheimen "Machon Staim", zu deutsch "Institut Nummer Zwei", dem achtstöckigen, unterirdischen Gebäudekomplex, in dem angeblich Plutonium gewonnen wird. Zunächst war Vanunu eher rechtsgerichtet und eigentlich unpolitisch. Doch das änderte sich bald, so Yoel Cohen, Politikwissenschaftler und Autor des Buches "Die Vanunu-Affäre":

Während er als Techniker in der Nachtschicht arbeitete, begann er ein Philosophie-Studium an der Ben-Gurion-Universität. An irgendeinem Punkt machte es wohl 'klick’, und er sah plötzlich einen grundsätzlichen moralischen Widerspruch zwischen einerseits seiner Arbeit, bei der es laut ausländischen Quellen um ein Atomwaffenprogramm ging, und andererseits dem Dilemma, das Massenvernichtungswaffen darstellen.

Der israelische Einmarsch in den Libanon 1982 politisierte Vanunu weiter. Er nahm an Demonstrationen gegen den Krieg teil, engagierte sich für arabische Kommilitonen und forderte die Gründung eines palästinensischen Staates, schließlich trat er in die Kommunistische Partei ein. Weder die Sicherheitsabteilung von Dimona, noch der Inlandsgeheimdienst Shin Beth sahen Grund zum Einschreiten. Vanunu begann, einen Fotoapparat zur Arbeit mitzunehmen.

Er machte 57 Fotos im Reaktor, wusste aber nicht so recht, was er damit anfangen sollte, das war 1985. Dann, im April 1986, Tschernobyl. Da wurde Vanunu bewusst, dass er über das sprechen musste, was er als ein mangelndes internationales Bewusstsein für Israels Atomprogramm betrachtete. An diesem Punkt war er noch nicht grundsätzlich gegen Atomwaffen. Was ihn umtrieb, war die große Zahl von Sprengköpfen, die Israel seinen Angaben zufolge gebaut hatte. Er dachte, das Atomprogramm sei vielleicht außer Kontrolle geraten und es gebe keine parlamentarische Aufsicht. Seitdem, seit 1986, entwickelte Vanunu dann eine viel klarere und damit auch viel kritischere Haltung, nämlich eine grundsätzliche Ablehnung von Atomwaffen.

Ende 1985 wurde Vanunu aus wirtschaftlichen Gründen in Dimona entlassen, er ging ins Ausland und landete in Australien. In Sydney schlug er sich als Taxifahrer durch und fand Anschluss in einer anglikanischen Kirchengemeinde. Er besuchte Gottesdienste und ließ sich schließlich taufen. Der Pfarrer der Gemeinde predigte, dass Christen eine aktive Rolle beim Kampf gegen Atomwaffen einnehmen müssten - wohl entscheidend für Vanunu. In einer Veranstaltung in der Kirche hielt er einen kurzen Vortrag über seine Arbeit in Dimona und zeigte einige der Fotos, die er dort gemacht hatte. Über einen Journalisten entstand ein Kontakt zur Sunday Times, dann reiste Vanunu selber nach London, um ausführlich und in allen Einzelheiten zu berichten. Später schrieb er:

Mit diesem Schritt schlug ich den Weg ein, an den ich glaubte. Ich folgte meiner eigenen Philosophie, nämlich dass man handeln muss und dass ein Mensch willig sein Leben opfern und riskieren sollte, indem er tut, was wichtig und nützlich für die Menschheit ist.

Mindestens zweimal in den letzten Jahrzehnten war die Nukleargefahr für den Nahen Osten besonders hoch, so behaupten es zumindest ausländische Quellen. Kurz vor dem Sechstage-Krieg 1967 ließ die israelische Regierung angeblich zwei Atombomben zusammenbauen, für alle Fälle. Im Yom-Kippur-Krieg sechs Jahre später aktivierte man die Nuklearwaffen Berichten zufolge ebenfalls. Bevor sie scharf gemacht wurden, wendete sich das Blatt aber zugunsten Israels, und die Bomben kamen wieder in den Bunker. Die Abschreckung funktioniert, glaubt Universitätsdozent Reuven Pedatzur und führt als Beispiel den Golfkrieg von 1991 an:

Saddam Hussein feuerte Raketen auf Israel ab, doch obwohl er auch chemische Waffen hatte, setzte er sie nicht ein. Als sein Schwiegersohn nach Jordanien überlief, fragte man ihn: Wieso habt ihr nicht die Chemiewaffen eingesetzt? Er antwortete ganz klar: Wir hatten Angst vor einer nuklearen Vergeltung Israels. Das war also ein Erfolg.

Aus israelischer Sicht hat sich die Politik der Zweideutigkeit bewährt. Nach wie vor ist das, was Israel an Massenvernichtungswaffen womöglich besitzt, international kein Thema. Dass die Welt hier mit zweierlei Maß misst, zum Beispiel im Vergleich zum Irak, diesen Vorwurf ließ Schimon Peres in seinem BBC-Interview vor einem Jahr nicht gelten:

Wie können Sie das vergleichen! Der Irak ist eine Diktatur. Saddam Hussein ist ein Killer. Er hat hunderttausend Kurden mit Gas umgebracht. Wie können Sie das nur vergleichen! Nur weil er sich einen "Staat" nennt? Das ist kein Staat, das ist eine Mafia. Er ist kein Führer, er ist ein Killer. Das können Sie über uns nicht sagen.

Mordechai Vanunu bezahlte einen hohen Preis für seine Tat. Wenige Tage vor der Enthüllung in der Sunday Times im Oktober 1986 wurde er von einer Honigfalle, einer Agentin des Mossad, nach Rom gelockt und von dort entführt und nach Israel gebracht. Hier verurteilte ihn ein Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit wegen Spionage und Landesverrats zu 18 Jahren Haft. Buchautor Yoel Cohen hält den Prozess für problematisch:

Die Richter machten durchaus den Versuch, ihn und seine Motive zu verstehen. Aber es gab kein Gesetz in Israel, um jemanden dafür zu verurteilen, dass er gegenüber den Medien geplaudert hat. Spionage und Verrat sind Verbrechen, bei denen es darum geht, dass Geheimnisse an eine fremde Regierung weitergegeben werden, doch das hat Vanunu nicht getan. Es gab also durchaus ein Vakuum im Rechtssystem, und die Frage ist, ob jemand dafür, dass er etwas an die Medien weitergegeben hat, mit 18 Jahren Haft bestraft wird - wovon Vanunu dann auch noch zwei Drittel in Isolationshaft zubrachte.

Vanunu hält einen traurigen Rekord: Kein anderer Häftling in der westlichen Welt wurde eine so lange Zeit in Isolationshaft gehalten, 12 Jahre lang, in einer nur 2 mal 3 Meter großen Zelle. Amnesty International nannte die Haftbedingungen "grausam, unmenschlich und erniedrigend". 1997 erhielt Vanunu zum ersten Mal Besuch von Mary und Nick Eoloff, einem älteren Ehepaar aus Minnesota, Anglikaner und Pazifisten, die ihn adoptiert hatten, aus Sympathie und Solidarität; Mary erinnert sich, dass Vanunu gerade im elften Jahr der Isolationshaft war.

Wir warteten, dann brachten sie ihn herein, und er sah wie ein alter Mann aus. Damit hatte ich nicht gerechnet. Er steckte seine Finger durch das Gitter - es war ein Stahlkäfig -, und wir weinten. Es war so schlimm, ihn in diesem Zustand zu sehen.

Der Sicherheitsapparat begründete die Haftbedingungen, es müsse verhindert werden, dass Vanunu weitere Geheimnisse preisgebe. Buchautor Yoel Cohen hält das für Unfug:

Sie wollten Vanunu brechen, sie wollten ihn verstummen lassen. Sie hofften wahrscheinlich, dass die gewaltige psychologische Belastung dazu führen würde, dass er abstumpfen und viel über Dimona vergessen würde. Große Sorge bereitete ihnen die Frage, was wohl passieren würde, wenn Vanunu freigelassen wird, wenn er als ideologisch gefestigter ehemaliger Häftling in die Welt zurückkehrt.

Die Jahre in Isolationshaft trieben Vanunu fast in den Wahnsinn. Mitte der neunziger Jahre soll er so weit gewesen sein, dass er auf Briefmarken an ihn gerichteter Post versteckte Botschaften vermutete. Sein Anwalt, Avigdor Feldmann:

Er wurde aus Rache so behandelt, um andere abzuschrecken - und weil er derjenige ist, der das Tabu der Geheimhaltung in der israelischen Gesellschaft gebrochen hat, ein sehr starkes Tabu in einer sehr engen Gesellschaft, die eher wie eine Stammesgesellschaft funktioniert.

Seit dem Ende der Isolationshaft vor sechs Jahren hat sich Vanunus Geisteszustand aber wieder gebessert. Morgen früh soll er nun nach 18 Jahren Haft wieder freikommen.

Der Reaktor von Dimona ist nun etwa 40 Jahre alt und hat damit die gewöhnliche Laufleistung solcher Anlagen schon längst überschritten. Deshalb ist fraglich, ob der Reaktor noch sicher ist. Ihn abzuschalten scheint für die israelische Regierung nicht in Frage zu kommen. Uzi Even - er gehörte in den 60er Jahren zum Wissenschaftler-Team, das in Dimona arbeitete - macht sich Sorgen:

Weil der Reaktor älter wird und die Wahrscheinlichkeit von Unfällen steigt, sollte es eine ausländische Überwachung geben. Die Geheimhaltung hat eine Art extraterritoriales Gebiet in Israel geschaffen. Die Sicherheit der Arbeiter, Umweltfragen, industrielle Sicherheitsstandards - all das wird von außen nicht überwacht. Dabei arbeiten dort tausende Menschen!

Offenbar gab es nie eine Kabinettsentscheidung zum Atomprogramm. Eine öffentliche Debatte über Art, Umfang und Ziele dieses Programms findet in Israel nicht statt. Nur wenige Politiker und die Spitze des Sicherheitsapparates sind eingeweiht. Vor vier Jahren brach der arabische Knessetabgeordnete Issam Machul das Schweigen; es war das erste und bisher einzige Mal, dass das Atomprogramm im Parlamentsplenum angesprochen wurde:

Das Problem ist nicht Vanunu. Das Problem ist die Politik der israelischen Regierung, eine Politik, die ein kleines Land zu einem giftigen nuklearen Mülleimer gemacht hat und droht, uns alle in einer Atomwolke verschwinden zu lassen.

Machuls Kollegen waren empört, der Abgeordnete durfte nicht zu Ende reden. Den israelischen Bürgern bleiben die Informationen verwehrt und damit auch die Möglichkeit, offen darüber zu diskutieren und demokratisch zu entscheiden. Dennoch finden die meisten die Politik der nuklearen Zweideutigkeit richtig, das zeigen Meinungsumfragen. -- Womöglich wird der internationale Druck auf Israel nun steigen. Nach dem Sturz von Saddam Hussein und nachdem Libyen sich bereit erklärt hat, seine Programme zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen aufzugeben, ist die Bedrohung für Israel dramatisch gesunken; nur noch Iran bleibt eine strategische Gefahr. Universitätsdozent Reuven Pedatzur spricht von einer großen Chance, die Israel jetzt ergreifen sollte:

Wir können diesen historischen Moment nutzen und mit den Vereinigten Staaten vereinbaren, dass wir unseren Status ändern und eine Nuklearmacht werden. Dafür müssten wir dann natürlich einen Preis bezahlen. Zum einen müssten wir im Gegenzug den Konflikt mit den Palästinensern lösen und die gesamten besetzten Gebiete aufgeben. Zum anderen müssten wir dem 'Vertrag über ein Verbot der Produktion von spaltbarem Material für Waffenzwecke’ beitreten; an diesem Abkommen wird international noch gearbeitet, es soll für weniger Kernwaffen sorgen. Dieses ist also eine sehr, sehr interessante Chance für uns. Aber leider spricht in Israel niemand darüber.

Dabei sei das Land in einer Position besonderer Stärke, meint Pedatzur, einer Stärke, zu der Mordechai Vanunu, der Atomspion, entscheidend beigetragen habe:

Ironischerweise hat Vanunu viel zur Sicherheit Israels beigetragen, weil er viele Daten veröffentlichte und sich die andere Seite dann dachte: 'Ja, wir dachten schon, dass Israel dieses und jenes hat, und jetzt haben wir dafür die Bestätigung.’ Ich denke also, dass jetzt, nach Vanunu, unsere Abschreckung besser ist.

Yoel Cohen glaubt, dass dank Vanunu vor allem dies deutlich geworden ist:

Für mich ist er ein Symbol: für das Problematische an nuklearer Geheimhaltung und für die Tatsache, dass nukleare Geheimhaltung mit einer funktionierenden und lebendigen Demokratie letztlich nicht zu vereinbaren ist.

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