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Stabwechsel beim Bauernverband

Joachim Rukwied als neuer Präsident gewählt

Von Susanne Lettenbauer

Der neue Präsident des Deutschen Bauernverbandes: Joachim Rukwied
Der neue Präsident des Deutschen Bauernverbandes: Joachim Rukwied (dpa/ Frank Leonhardt)

Der Deutsche Bauerntag in Fürstenfeldbruck hat seinen bislang fünften Präsidenten gewählt: den Baden-Württembergischen Landesbauernpräsidenten Joachim Rukwied und einzigen Kandidaten. Seinem Vorgänger Gerd Sonnleitner dürften einige trotzdem schon heute nachtrauern.

Ein letztes Mal stand Bauernpräsident Gerd Sonnleitner heute Vormittag vor den Delegierten des Deutschen Bauerntages. Nach einer kämpferischen Rede des als Chef des europäischen Bauernverbandes COPA weiteramtierenden Expräsidenten gab es minutenlang stehende Ovationen. Noch einmal lobte Sonnleitner die Bundeskanzlerin für ihr EU-Krisenmanagment, auch wenn diese dem diesjährigen Bauerntag fern bleibt, Sonnleitner beschwor noch einmal die Bundesregierung, den Flächenfraß zu stoppen und - er warnte vor einer Rückkehr zur DM.

Einundzwanzig Jahre lang bestimmte der lautstarke Niederbayer die deutsche Bauernpolitik. Polemisch und oft populistisch stritt Sonnleitner gegen den Rückgang der Anbauflächen - in seiner Amtszeit rund 820.000 Hektar. Er setzte sich erfolgreich ein gegen den Verfall des Milchpreises und zuletzt bekämpfte er medienträchtig den Ausverkauf landwirtschaftlicher Flächen für den deutschlandweiten Ausbau der Stromtrassen. Aufgaben, die den neuen Bauernpräsidenten erwarten. Erwartungsgemäß wurde der einzige Kandidat Joachim Rukwied als neuer Bauernpräsident gewählt. Wahlleiter Friedhelm Decker:

"Mit Ja haben gestimmt 534, mit Nein haben gestimmt 26. Ich stelle damit fest, dass die Mitgliederversammlung Joachim Rukwied mit der nach der Satzung erforderlichen Mehrheit von 95,4 Prozent zum Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes gewählt wurde."

Mit der Wahl des 51jährige Rukwied, gebürtig aus Heilbronn ist eine Zeitenwende eingeläutet worden, die sich vor allem medial bemerkbar machen wird. Rukwied, Besitzer eines 290 Hektar großen Ackerbauhofes und 8 Hektar Weinberges im württembergischen Eberstadt wirkt als Person sehr viel zurückhaltender als sein Vorgänger Sonnleitner. Den Mann mit der hohen Stirn und den sympathischen Grübchen, örtlicher Funktionär seit 1996, kann man sich im Gegensatz zu Sonnleitner nur schwer in Gummistiefeln oder auf einem Traktor vorstellen, um medienwirksam für die Belange seiner gut 750.000 deutschen Bauern einzutreten. In eher pastoralem Ton erklärt der Cheflobbyist, der seit 2008 auch Mitglied im Rundfunkrat des Südwestrundfunks und Aufsichtsrat bei Südzucker ist:

"Die Herausforderungen sind gewaltig, im politischen Bereich, im gesellschaftlichen Bereich. Aber meine Damen und Herren, die Chancen sind nicht schlechter."

Wirkt Rukwied als Person auch eher bieder, inhaltlich setzt er die kontroverse Linie seines Vorgängers fort: Konsequent spricht sich der neue Cheflobbyist gegen Fotovoltaik an Autobahnen und Bahntrassen aus, ebenso will er sich für eine Erhöhung der Butter- und Brotpreise einsetzen.
Ruckwied möchte außerdem die Förderung von Biogasanlagen einschränken.

Die Energiewende in Deutschland, wie sie in der heute verabschiedeten "Fürstenfeldbrucker Erklärung" des Bauerntages befürwortet wird, würde Rukwied also unterstützen, aber:

"Es kann und darf nicht sein, dass man die Bauern abspeisen will und die anderen eine entsprechende Rendite haben, deshalb fordern wir nachhaltig, dass wir als Bauern entsprechend in Anlehnung an die Energieversorgungsunternehmen jährlich eine Entschädigung zusätzlich zur Einmal-Entschädigung bekommen."

Die Entschädigungszahlungen betragen derzeit 10 bis 20 Prozent. Eine Erhöhung würde auch eine Erhöhung des Strompreises bedeuten.

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