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Stasi-Vorwürfe gegen Peter Emmerich

Bayreuther Festspielleiterin Wagner hält an ihrem Sprecher fest

Katharina Wagner im Gespräch mit Christoph Schmitz

 Katharina Wagner (AP)
Katharina Wagner (AP)

Für die Leiterin der Bayreuther Festspiele, Katharina Wagner, haben die Stasi-Vorwürfe gegen den Festspielsprecher Peter Emmerich keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen. Emmerich sei ein sehr guter Mitarbeiter und sie habe ihm als Arbeitgeberin nichts vorzuwerfen.

Katharina Wagner: Also, der Vorgang ist mir auch erst seit vorgestern bekannt. Ein Kollege, Journalistenkollege von Ihnen hat anscheinend die Akten von Herrn Emmerich angefordert und hat uns dann quasi darauf angesprochen. Daraufhin haben wir ebenfalls die Akteneinsicht genommen, der hat dann auch einen Artikel veröffentlicht, und, ja, seit vorgestern ist mir der ganze Vorgang erst bekannt.

Schmitz: Hat Ihr Vater 1989 gewusst, als er Herrn Emmerich von Dresden nach Bayreuth holte und anstellte?

Wagner: Also, ich habe ihn gestern gefragt, er sagte nein.

Schmitz: Ich will mal ein bisschen nachbohren, weil man seit Jahren in Bayreuth, wenn ich dort gewesen bin während der Festspiele, munkelte, Peter Emmerich sei ja vielleicht möglicherweise IM gewesen. Also, irgendwie waberte das schon so, zumindest unter Journalistenkollegen.

Wagner: Das ist interessant, weil man kriegt ja viele Gerüchte mit, aber das habe ich jetzt auch zum ersten Mal gehört. Also, wie gesagt, das Gerücht an sich ist mir auch nicht bekannt, sonst wären wir der Sache wahrscheinlich schon mal eher nachgegangen. Aber selbst das Gerücht höre ich jetzt gerade zum ersten Mal von Ihnen.

Schmitz: Warum wurde die IM-Tätigkeit von Peter Emmerich Ende der 70er-Jahre erst jetzt bekannt? Nur durch diese Akteneinsicht eines Journalistenkollegen?

Wagner: Also, anders kann ich es mir nicht erklären. Der Kollege hatte eben die Akten angefordert, in Berlin, glaube ich, war das, und hat die dort bekommen und hat da Einsicht genommen. Also, wissen Sie, ich schnüffle ja nicht in dem Leben meiner Mitarbeiter herum, das ist ja irgendwo ungehörig.

Schmitz: Peter Emmerich hat selbst gesagt, dass seine damalige IM-Tätigkeit nichts mit Bayreuth zu tun habe. Können Sie das bestätigen?

Wagner: Das kann ich bestätigen, ich habe mir die Akten natürlich angeguckt und kann bestätigen – und das ist auch für die Festspielleitung, also für meine Schwester und mich, der entscheidende Punkt: Es gibt keine Verbindung zu den Bayreuther Festspielen.

Schmitz: Er sei selbst 1989 im Zuge seines Wechsels von Dresden nach Bayreuth bespitzelt worden, von DDR-Agenten. Da frage ich mich, was wissen Sie darüber Genaueres?

Wagner: Ich weiß darüber, ehrlich gesagt, nichts, weil, wie gesagt, der ganze Vorgang mir erst seit 48 Stunden bekannt ist. Ich wusste von meinem Vater, dass das sehr schwierig war, weil man eben damals arg beäugt wurde, das erzählte mein Vater auch immer wieder, der in Dresden inszeniert hatte, dass man eben beäugt wurde. Genaueres allerdings hat er dazu auch nicht gesagt, aber man kann sich vorstellen, dass Herr Emmerich auch sehr genau beobachtet wurde, wie er eben in den Westen kam.

Schmitz: Werden die Vorgänge jetzt weiter aufgearbeitet? Wird weiter recherchiert oder ist für Sie der Fall geklärt?

Wagner: Soweit die Akteneinsicht da ist, kann ich sagen: Es hat keinerlei Verbindung zu den Festspielen, damit ist für mich der Fall geklärt, weil keine Verbindung zu den Bayreuther Festspielen besteht.

Schmitz: Das heißt, Konsequenzen wird es bei der jetzigen Faktenlage nicht geben müssen?

Wagner: Vonseiten der Festspiele aus muss er da mit keinen Konsequenzen rechnen. Ich glaube auch, dass man so sensibles Material wirklich gut prüfen muss, bevor man sich irgendwie öffentlich über Konsequenzen auslässt. Wenn jetzt da irgendjemand Konsequenzen draus ziehen möchte – wie zum Beispiel Herr Dr. Hohl gesagt hat, er möchte das dem Stiftungsrat vortragen –, werde ich auf jeden Fall darauf bestehen, auch diese Dokumente auf die Echtheit zu prüfen, denn das ist, glaube ich, auch ein ganz entscheidender Punkt.

Schmitz: Das heißt, Sie bleiben da weiter dran, es muss weiter geprüft werden?

Wagner: Wie gesagt, für Herrn Emmerichs Arbeitsverhältnis hat es sowieso überhaupt keine Konsequenzen, das ist ganz wichtig, er hat bei den Festspielen keinen Vertrauensbruch begangen. Das müssen Sie jetzt auch mal bitte so sehen: Herr Emmerich ist ein guter Mitarbeiter von mir, ein sehr guter Mitarbeiter von mir, und ich als Arbeitgeber habe ihm überhaupt nichts vorzuwerfen. Das ist Teil seiner Vergangenheit, wenn sie denn so stimmt, weil, Sie wissen selber: Die Echtheit von Dokumenten, die plötzlich aus dem Nichts auftauchen, muss auch erst mal nachrecherchiert werden, bevor man sozusagen Vorwürfe erhebt.

Schmitz: Ja, wobei er ja zugegeben hat, dass er Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi gewesen ist und darüber beschämt. Aber er hat auch deutlich gemacht, dass diese Phase abgeschlossen ist.

Wagner: Er sagte allerdings auch, dass er sich auch teilweise an Sachen erinnern kann, die in diesem Dokument nicht auftauchen.

Schmitz: An welche?

Wagner: Das hat er nicht konkretisiert, also, anscheinend fehlt auch teilweise Material, was dann wiederum brisant in irgendeiner Richtung sein könnte, verstehen Sie, nicht für Herrn Emmerich brisant.



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