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StartseiteCampus & KarriereStifterverband sorgt sich um kleine Hochschulen10.04.2008

Stifterverband sorgt sich um kleine Hochschulen

Wettbewerb soll Politik aufrütteln

Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft zeichnet vorbildliche kleine und mittlere Hochschulen aus. Derzeit zahle die Politik viel Geld für die herausragenden großen Einrichtungen, sagte Volker Meyer-Guckel vom Stifterverband. Dabei dürfe man den Profil- und Strategiebildungsprozess kleinerer Hochschulen nicht aus den Augen verlieren.

Moderation: Jörg Biesler

Volker Meyer-Guckel. (Stifterverband)
Volker Meyer-Guckel. (Stifterverband)

Jörg Biesler: Ein Preis für die kleinen Hochschulen vergibt der Stifterverband heute Abend in Hannover. Es sollen Deutschlands beste kleine Hochschulen ausgezeichnet werden, was ein bisschen so klingt, als lege der Stifterverband hier seine eigene kleine Exzellenzinitiative auf. Am Telefon ist jetzt Volker Meyer-Guckel, der Programmchef des Stifterverbandes. Guten Tag, Herr Meyer-Guckel!

Volker Meyer-Guckel: Guten Tag!

Biesler: Ist das der Gedanke, eine Exzellenzinitiative für die kleinen?

Meyer-Guckel: In der Tat, allerdings nicht nur für die kleinen, sondern die kleinen und mittleren. Wir haben so ein bisschen die Wortwahl auch aus der Unternehmenswelt versucht zu übertragen, kleinere und mittlere Unternehmen gegenüber den großen Konzernen. Klar ist, dass sich unterschiedliche Unternehmen unterschiedlich in Strategien aufstellen müssen, und so muss es auch mit den Hochschulen sein.

Sehen Sie mal, die Universitäten mit der Einführung von Bachelor und Master werden in ihren Studienangeboten anwendungsorientiert. Umgekehrt versuchen die Fachhochschulen, in anwendungsorientierter Forschung aufzuholen. Das heißt, da gleichen sich zwei Hochschultypen an, und wir glauben, dass diese Kategorisierung in Zukunft gar nicht mehr zu halten ist und dass wir einen neuen Typus von kleinen und mittleren Hochschulen bekommen, der in besonderer Weise gefördert werden muss.

Biesler: Warum jetzt gerade die kleinen, weil sich daran der Wandel besonders deutlich zeigt?

Meyer-Guckel: Ja, das ist richtig. Die sind unglaublich unter Druck. Das Geld, was im Augenblick mehr in das System fließt, fließt an die Guten, an die Herausragenden. Und wir glauben, die Politik muss sich auch Gedanken machen, wie diejenigen, die nicht das ganze Spektrum einer Volluniversität in Zukunft abdecken werden können, weil einfach die öffentlichen Mittel dazu nicht mehr da sind, wie diejenigen in ihrem Profil- und Strategiebildungsprozess gefördert werden. Und ich bin sicher, dass unser Wettbewerb, der ja nun nicht mit unglaublich vielen Mitteln ausgestattet ist, aber immerhin auch 400.000 für jede Hochschule vorsieht, dass der einen Anstoß gibt. Und wir hoffen, dass die Politik diesen Anstoß aufgreift, um dann auch für diese Gruppe der Hochschulen spezielle Förderprogramme aufzulegen.

Biesler: Ausgezeichnet werden nun die Fachhochschulen in Kiel, in Rottenburg und Nordhausen und die Universitäten in Lüneburg und Oldenburg. Was waren denn da eigentlich die Kriterien?

Meyer-Guckel: Wir wollten nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Wir wussten, wie schwierig das ist. Das ist auch eines der Probleme, die die Jury hatte, wie vergleicht man eine Fachhochschule Rottenburg, die sich auf forstwirtschaftliche Ausbildung in einer ganz engen Region spezialisiert, mit einer Universität Lüneburg oder einer Universität Duisburg, die sich zum Beispiel auch beworben hat. Die Hochschulen, also die Universitäten speziell, mussten sich erst mal angesprochen fühlen mit diesem Label "kleinere und mittlere Hochschulen". Und es gab eine Reihe von Hochschulen, die fühlten sich angesprochen, das heißt, die schielen nicht auf diesen großen Exzellenzbegriff, der jetzt allenthalben kursiert, sondern die haben gesagt, wir sind eine kleine und mittlere, wir haben eine eigene Strategie. Und diese Strategie in dem regionalen Profil, die hat die Jury bewertet. Das heißt, was machen sie aus ihren Möglichkeiten, wo soll es hingehen , und ist dieser Prozess der Entwicklung einigermaßen gut operationalisiert?

Biesler: Also es war sogar wirklich ein bisschen so wie bei der großen Exzellenzinitiative, dass da im Grunde Zukunftspläne prämiert wurden?

Meyer-Guckel: Ganz genau, das entspricht der dritten Linie. Wir haben Zukunftskonzepte angeschaut, und die wurden gegeneinander abgewogen.

Biesler: Die Fachhochschulen und Universitäten, die heute Abend ausgezeichnet werden, Sie haben es gerade gesagt, bekommen jetzt 400.000 Euro jeweils. Wissen Sie schon, was mit dem Geld geplant ist? Für manche ist das ja eine Menge Geld.

Meyer-Guckel: Das ist durchaus sehr unterschiedlich. Also die Fachhochschule Nordhausen beispielsweise geht eine Kooperation mit der TU Clausthal-Zellerfeld ein. Die Jury findet, das ist eine unglaubliche Herausforderung, erstmals über zwei Bundesländer, Ost und West, wird da eine Kooperation geplant. Die scheinen sich gut zu ergänzen, und die wollen halt diese Kooperation ausbauen. Die Fachhochschule Rottenburg, die will ihr Forschungslabor voranbringen. Die Universität Lüneburg hat ein ganz neues Konzept für die Lehre, für die Weiterbildung. Die stellt sich ganz neu auf mit einem College-Modell, was es in Deutschland bisher noch gar nicht gab, und das haben wir dort zum Beispiel gefördert. Die Fachhochschule Kiel wiederum hat ein unglaublich zukunftsweisendes Konzept für Master-Studierende. Wir haben ja in Deutschland immer noch das Phänomen, dass wir Bachelor und Master eigentlich zusammen denken, und die FH Kiel hat gesagt, nein, wir wollen uns an dem amerikanischen System orientieren, die sollen erst Berufserfahrung sammeln, und dann sollen sie in den Master zurückkommen. Und da haben sie Verträge mit Kieler unternehmen abgeschlossen, um das zu ermöglichen. Ganz toller Weg, der sogenannte Kieler Weg.

Biesler: Jetzt hoffen Sie, wenn Sie sozusagen diese ja auch symbolische Auszeichnung vergeben, die ja noch keinen Namen hat, dann wäre sie vielleicht noch symbolischer, wenn es nicht nur ein Preis wäre, sondern der auch noch den Namen eines großen Forschers tragen würde oder so. Hoffen Sie, dass der Bund, die Bundespolitik und auch die Länderminister, die zuständigen, vielleicht ein bisschen mehr ihr Augenmerk auf die kleinen lenken, ist das die Absicht?

Meyer-Guckel: Das ist in der Tat die Hoffnung. Wir haben gute Signale. Die niedersächsischen Hochschulen, die ausgezeichnet wurden, also die, die ich erwähnt hatte, Oldenburg kommt dazu, bekommen alle Matching Funds in gleicher Höhe von der Landesregierung. Das heißt, die Landesregierung hat erkannt, das ist ein schöner Wettbewerb, das sind schöne Profilbildungsprozesse, die müssen unterstützt werden. Sie sind ja schon sozusagen von einer Jury positiv bewertet worden. Ich wünschte mir, dass das Vorbild auch für andere Landesregierungen sein könnte, und ich wünsche mir auch, dass der Bund darüber nachdenkt, nicht nur die Big Shots zu fördern, sondern auch den Gestaltungsprozess der Hochschule insgesamt, der Hochschullandschaft insgesamt.

Biesler: Volker Meyer-Guckel vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft über die Auszeichnung für besonders starke kleine Hochschulen, die heute Abend in Hannover vergeben werden. Vielen Dank.

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