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StartseiteCampus & KarriereSchweizer Studierende hoffen auf Volksabstimmung11.06.2015

StipendiensystemSchweizer Studierende hoffen auf Volksabstimmung

Studieren in der Schweiz ist eine teure Angelegenheit: Pro Monat fallen im Schnitt 1960 Franken an. Wenn die Eltern das nicht aus eigener Tasche bezahlen können, kann ein Stipendium beantragt werden. Das aber fällt je nach Kanton unterschiedlich aus. Die Volksabstimmung am kommenden Sonntag könnte für angeglichene Zahlungen sorgen.

Von Thomas Wagner

Studenten im Hörsaal (picture alliance / dpa / Fredrik von Erichsen)
In der Schweiz studieren ist eine teure Sache (picture alliance / dpa / Fredrik von Erichsen)
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Verfreundete Nachbarn

"Der Kantönligeist ist natürlich tief verankert in der Schweiz. Bei den Steuern merkt man das hochgradig, bei den Stipendien auch."

"Es kommt ja auch darauf an, ob sich der Kanton das überhaupt leisten kann. Ich denke aber schon, das alle die Möglichkeit haben sollten, zu studieren, auch wenn sie nicht das Geld haben."

Studierenden der Eidgenössisch-Technischen Hochschule Zürich im Gespräch: Es geht um das sogenannte Stipendien-System der Schweiz. Dabei erhalten Studierende aus kinderreichen oder einkommensschwächeren Familien Zuschüsse, vergleichbar dem deutschen Bafög. Der Knackpunkt: Je nach Kanton werden höchst unterschiedliche Beträge gezahlt. Im Kanton Nidwalden beispielsweise bekommen Studierende rund 5.000 Franken im Jahr. Ein paar Kilometer weiter, im Kanton Waadt, gibt es dagegen mehr als das Doppelte, rund 12.000 Franken, das sind nach derzeitigem Umrechnungskurs 12.000 Euro.

"Das kann dann zu der absurden Situation führen, dass zwei Leute an der gleichen Hochschule studieren und sich in der gleichen Situation befinden, von den Finanzern her, dass aber der eine unterstützt wird und der andere eben nicht, einfach deshalb, weil sie aus anderen Kantonen kommen."

Chancengleichheit sieht anders aus, findet Josef Stocker vom Verband der Studierenden der Universität Zürich. Denn auch die Einkommensgrenzen der Eltern, die für die Stipendienvergabe ausschlaggebend ist, gestaltet sich von Kanton zu Kanton höchst unterschiedlich. Für den Verband der Schweizer Studierendenschaften, einem Dachverband aller lokaler Studierendengruppen, ist das nicht mehr akzeptabel: Er brachte die sogenannte Stipendien-Initiative auf den Weg. Wichtigste Zielsetzung: Statt der von Kanton zu Kanton unterschiedlichen Unterstützungs-Zahlungen soll es zukünftig in der Schweiz ein einheitliches Stipendien-System geben. Daneben, so Josef Stocker, verfolgt die Abstimmungsvorlage ein weiteres Ziel:

"Die zweite Forderung ist, dass die Stipendien genügend hoch sein müssen, eben damit alle Lebenshaltungskosten gedeckt sein werden, zusammen mit der Unterstützung der Familie und einem zumutbaren Nebenerwerb."

Denn Studieren in der Schweiz ist eine teure Angelegenheit: Zu den hohen Lebenshaltungskosten kommen auch die Studiengebühren, die schon mal bei 700 Franken und darüber pro Semester liegen.

"Es gibt spannende Zahlen von der Schweizerischen Budgetberatung, die besagen, dass eine Studentin, ein Student in der Schweiz pro Monat 1960 Franken im Durchschnitt braucht. Das ist praktisch gleich wie in Euro, also um die 2000 Euro. Das ist ein recht stolzer Betrag."

So Christian Amsler, für Bildung zuständiger Regierungsrat im Kanton Schaffhausen und Präsident der Erziehungsdirektoren-Konferenz der Deutschschweiz. Dennoch bekräftigt er im Einklang mit seinen Kollegen aus den anderen Kantonen seine Ablehnung gegenüber der Stipendien-Initative. Eine Vereinheitlichung sei mit der gesetzlich garantierten Bildungshoheit der Kantone nicht vereinbar. Und zum anderen würden wirtschaftlich strukturschwache Kantone finanziell überfordert.

"Das haben die Studentinnen und Studenten auch etwas unterschätzt: Ihre Berechnungen, was sie als Standard annehmen für gute Lebensbedingungen zum Studieren, löst geschätzte Kosten von 500 Millionen Franken aus. Das ist eine erkleckliche Summe, eine halbe Milliarde."

Der Verband der Schweizer Studierendenschaften widerspricht dieser Berechnung heftig, geht von Mehrkosten von lediglich 120 Millionen Franken aus – und beharrt auf der Abstimmungsvorlage. Ob sie am Sonntag aber in der Schweiz eine Mehrheit finden wird, steht in den Sternen, weiß auch Josef Stocker:
"Es ist immer schwer, eine Prognose zu machen. Die letzte Umfrage war jetzt nicht mehr ganz so positiv. Aber ich meine, man kann immer noch hoffen. Wir werden das am Sonntag sehen."

Und selbst wenn die Abstimmung keine Mehrheit findet, haben die Studierenden immerhin einen Teilerfolg errungen: 16 von 26 Kantonen haben als Folge der studentischen Initiative ein sogenanntes Stipendien-Konkordat unterschrieben. Damit verpflichten sie sich auf die Auszahlung einheitlicher Grundstipendien, deren Höhe aber noch nicht feststeht – unabhängig davon, wie der Volksentscheid am Sonntag ausgeht.

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