Umwelt und Verbraucher / Archiv /

 

Strahlende Altlast

Abwässer aus Uranbergbau sind immer noch ein Problem

Von Jens Falkowski

Ein Bergarbeiter unter Tage in einem Schacht der Wismut
Ein Bergarbeiter unter Tage in einem Schacht der Wismut (picture alliance / dpa/Wolfgang Thieme)

Alte Bergwerke sind die Hinterlassenschaft der Wismut, als 1991 der Uranbergbau endete. Seitdem ist die bundeseigene Wismut GmbH für die Sanierung zuständig. Doch die strahlende Vergangenheit holt die Wismut und die Bewohner der Region immer wieder ein. Denn stetig ergießt sich ein Abwasserstrom aus Gruben und Schlammteichen.

Romantisch schlängelt sich der Gessenbach vom ehemaligen Gelände der Bundesgartenschau in Ronneburg zur weißen Elster nach Gera. Das Gessental ist ein beliebter Ausflugsort für die Menschen in der Region. Mit viel Aufwand wurden hier Straßen saniert, Radwege angelegt und alte Halden der Wismut begrünt. Auch die Geraer und Ronneburger haben das Naherholungsgebiet wieder angenommen, auch wenn das Gewässer eine unappetitliche rotbraunen Farbe hat. Tatsächlich steht am Bach alle 50 Meter ein Warnschild: "Bis auf weiteres ist wegen der Sanierungstätigkeit der Wismut GmbH das Schöpfen von Wasser, das Baden und das Tränken von Tieren untersagt." Im Klartext: Das Wasser ist je nach Witterung mehr oder minder stark radioaktiv belastet. Dabei fließt der Bach nicht nur an Weiden vorbei, sondern auch mitten durch die Grundstücke in den kleinen Dörfern. Wie bei Waldemar Kutschbach. Er ist hier geboren und lebt seit 86 Jahren am Gessenbach.

"Wir selbst sind sehr geschädigt, der Bach geht mitten durch unser Grundstück. Wir haben das erst 1990, es war ein Vierseitenhof vorher, umgewandelt in eine Ausflugsgaststätte mit Übernachtungen. Und da fließt der Bach mitten durch am Kinderspielplatz vorbei. Die Kinder sind natürlich vom Wasser sehr eingenommen und die Eltern haben zu tun die Kinder aus dem Bach fernzuhalten."

Für Waldemar Kutschbach ist das eine kleine Katastrophe, denn seit zwei Jahren ist der Gessenbach wieder stärker belastet. Er selbst hat in seiner Jugend noch Forellen im Gessenbach gefangen, doch seit 1970 ist kein Leben mehr im Bach. Die Abwässer der Wismut haben ihn zu einem lebensfeindlichen Ort gemacht. Mit der politischen Wende kam auch das Aus für den Uranbergbau der DDR. Seit dem saniert die Wismut auch das Gelände am Gessenbach. So soll die erweiterte Wasseraufbereitung der Wismut ab September die Lage in den Griff bekommen. Doch Waldemar Kutschbach glaubt nicht daran.

"Vertreter der Wismut haben sich wieder herausgeredet, dass wir ziemlich hohe Niederschläge hätten. Aber in Wirklichkeit hat unsere Gebiet noch nie über den Durchschnitt in den letzten zehn Jahren gehabt. Also es ist schon eine Irreführung die man hier vorschiebt. Mit hohem Energieaufwand kann man die Situation verbessern. Ich hoffe es. Ob das gelingen wird, da kommen immer noch Katastrophen, also Nässe-Jahre hinzu, die wir noch nicht gehabt haben."

Etwa fünf Kilometer flussaufwärts sickert das Wasser aus den begrünten Halden. Es stammt aus den alten Bergwerksstollen, die mittlerweile voll gelaufen sind. Dieses Wasser versucht die Wismut abzupumpen und zu reinigen, doch die Kapazität der Reinigungsanlage reicht noch nicht aus. Vor Ort will die Wismut keinen Einblick in die Anlage gewähren, dafür präsentiert sie den Prototyp im nahe gelegenen Zwickau. Dort wird ein Schlammteich saniert, der von der Erzaufbereitung stammt. In der Anlage von Betriebsleiter Bernd Beierlein werden durch chemische Prozesse die Schwermetalle Uran, Arsen und Radium zu einem Schlamm gebunden.

"200 Kubikmeter können wir maximal durchsetzen 30 Kubikmeter minimal. Das sind praktisch 4800 Kubikmeter sauberes Wasser können wir maximal abstoßen, was auch abgestoßen wird zur Zeit. Immobilisat-Anfall, das ist das was wir herausnehmen. Das sind am Tag etwa 7,5 Tonnen. Was als Immobilisat erzeugt ist. Da ist praktisch der Anteil vom Eisenarsenat drin, das gefällte Uran ist drin, das Radium ist mit eingelagert und praktisch Asche und Zement als Bindemittel."

Das so entstandene Granulat ist grau und grobkörnig und wird direkt vor Ort deponiert. Doch in Ronneburg eben scheint dieses System nicht ausreichend zu funktionieren. Für Christel Wagner-Schurwanz vom Kreisverband der Grünen in Gera unternimmt die Wismut zu wenig um den Bach sauber zu halten. Deshalb hat der Kreisverband Strafanzeige gegen das Unternehmen gestellt.

"Wenn es über eine Strafanzeige geht, dann wird etwas mehr getan als bisher getan worden ist. Es kann nicht sein, dass ein Freizeitbächlein letztlich im Freizeitgebiet immer wieder erneut Aufsehen erregt bei den Bürgern, weil es eindeutig verseucht ist, sagen wir es mal ganz deutlich und auch kontaminierende Stoffe enthält."

Neben der Anzeige gibt es auch eine Anfrage der Grünen Fraktion im Thüringer Landtag zum verschmutzten Gessenbach. Diese wird wohl erst nach der Sommerpause beantwortet, dann will auch die Wismut die Wasseraufbereitung im Griff haben.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Umwelt und Verbraucher

IT-GipfelArbeitnehmerdatenschutz bleibt auf der Strecke

Das Symbol "Neue E-Mail-Nachricht" wird auf einem Computer Monitor angezeigt. 

Wie lange hat mein Mitarbeiter heute gearbeitet? War er während der Arbeitszeit auf Facebook unterwegs? Überwachung am Arbeitsplatz ist mit heutigen Kommunikationssystemen einfach. Deswegen beschäftigt sich der derzeitige IT-Gipfel in Hamburg speziell mit dem Arbeitnehmerschutz. Warum das ein sensibles Feld ist, erklärt IT-Experte Manfred Kloiber.

Urlaub auf dem Bauernhof Höfe bieten Wohnmobil-Stellplätze an

Studie zur Windenergie 20 Prozent des globalen Strombedarfs decken